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Mein liebster Feind

Mein liebster Feind

Ein Film von Werner Herzog

„Ich bin nicht der offizielle Kirchen-Jesus“
Zitat Klaus Kinski , 1971

Ich war nicht gut. Ich war monumental, Ich war epochal!“
Eigencharakterisierung Kinskis

Kinski steht im gleißenden Scheinwerferlicht auf der Bühne.
Ein Ort, der sonst wie ein zweites Zuhause für den exaltierten Selbstdarsteller und genialischen Rezitator ist.
Doch heute ist etwas anderes:
Die zig Leute, die zu seiner Interpretation der Bergpredigt gekommen sind, stören ihn bei seiner zeitgemäßen Neufassung des Bibeltextes.

Kinski befindet sich auf seiner „Jesus Christus Erlöser“ -Tournee.
Eine Tournee, die dazu verdammt ist im Fiasko zu enden und von zahlreichen Skandalen überschattet wird. Ein Fressen für die Geier der Presse, für die Kinski nichts anderes als Verachtung übrig hat.
Viele der Zuseher sind nur gekommen um den „Wahnsinnigen vom Dienst“ zu provozieren.
In Kinski sehen sie nicht „ihren“ Erlöser.

Was folgt ist einer der berühmtesten Ausbrüche Kinskis, bei dem er sich in einer langen Publikumsbeschimpfung ergeht (Kostprobe: „Du dumme Sau!“)und schließlich von der Bühne stürmt - nicht ohne zuvor den Mikroständer in die johlende Masse zu werfen.

Damit beginnt „Mein liebster Feind“.

Eine eindrucksvolle Eröffnungssequenz eines beeindruckenden Films und einer liebevollen Hommage an einen der großen Exzentriker des internationalen Films, gedreht vom deutschen Regisseur und Kinski-Vertrauten Werner Herzog (Fitzcarraldo, Cobra Verde, Woyzeck, Nosferatu ).

Es ist eine sehr persönliche Dokumentation Herzogs (jedoch keine eigentliche Biographie des Schauspielers), der trotz widrigster Umstände zahlreiche Spielfilme mit seinem Freund Kinski drehte.
Es ist eine Hommage an einen Freund, der ihm einerseits nahe stand, ihn jedoch gleichzeitig mit mörderischer Zielstrebigkeit an den Rand des Wahnsinns brachte.
Scorsese hatte seinen De Niro, John Ford hatte den Duke und Herzog hatte „seinen“ Kinski - Gemeinsam bildeten sie ein außergewöhnliches Gespann.

Der Regisseur besucht in chronologischer Reihenfolge (Dreh-) Orte, die für ihn und sein filmisches Schaffen mit K. eine besondere Bedeutung haben, unterbrochen nur durch Ausschnitte aus Herzog/Kinski-Produktionen und rarem Behind The Scenes – Material.

Mein liebster FeindMein liebster FeindMein liebster Feind

Herzog fährt zB in den Dschungel, nach Peru ins Urubamba Tal, dem Drehort von "Aguirre der Zorn Gottes".
Herzog schildert, die unmöglichen Bedingungen unter denen der Film entstand. Bedingungen an denen Kinski nicht ganz unschuldig war und welche die Produktion fast zum Scheitern brachten.
Interessant ist hierbei besonders, wie stark die Version Kinskis über die Ereignisse im Urwald (aus seiner Biographie) von der Erzählung Herzogs abweichen.
An dieser Stelle sei jedoch auf die erst kürzlich als Taschenbuch erschienene, sehr empfehlenswerte und vor allem minutiös recherchierte Kinski - Biographie von Christian David (KINSKI - Die Biographie, erschienen im Aufbau Verlag: siehe dazu auch meinen Review - Link unten) verwiesen, die eher die Aussagen Herzogs untermauert.
Denn gerade in Kinskis Autobiographie „Ich brauche Liebe“ kommt Herzog alles andere als gut weg und wird seitenlang mit allen möglichen Beschimpfungen bedacht.

Bemerkenswert, dass Herzog selbst im Angesicht des tobenden, vor Wut schäumenden Berserkers Kinski ruhig bleibt und versucht den Tobenden irgendwie zur Ruhe und unter Kontrolle zu bringen.
Köstlich ist besonders wie trocken Herzog die "unerhörten" Ausraster des K. in aller Seelenruhe schildert.
Anders als mit einem solchen Phlegma hätte er aber vermutlich auch keine 5 Streifen mit Kinski aushalten und abdrehen können.

Dass Herzog ein wahrer Freund Kinskis war, auch wenn die beiden eher eine Hassliebe verband, ist den ganzen Film hindurch evident.
Denn er begnügt sich nie mit der reinen Zurschaustellung der Ausbrüche Kinskis, sondern hebt auch dessen gute Eigenschaften hervor und ist stets um einen Ausgleich bemüht.

Herzog selbst ist , auf eine andere Art und Weise als Kinski, ebenfalls ein Besessener.
Ein Perfektionist, der vermutlich gerade mit seiner filmischen Kompromisslosigkeit einen gewissen Nerv im unzähmbaren Kinski traf.
Schließlich konnte gerade Herzog als einer der wenigen Regisseure das Maximum an Schauspielkunst aus ihm herauskitzeln.


Doch „My best Fiend“ (so der englische Titel des Films) lässt nicht nur den Regisseur selbst aus dem Nähkästchen plaudern.
Ein noch Jahre nach dem Zusammentreffen mit Kinski verängstigter Nebendarsteller (den Kinski beim "Aguirre"-Dreh lebensgefährlich verletzte) sowie ehemalige Co-Stars wie Claudia Cardinale („Spiel mir das Lied vom Tod“) , mit der Kinski in „Fitzcarraldo“ zu sehen war, oder Eva Mattes(Woyzeck) kommen im Film zu Wort.
Gerade diese beiden Schauspielerinnen haben überraschenderweise nur Gutes über Kinski zu berichten und loben seine Professionalität, seine eiserne Disziplin sowie seien ungewöhnliche Einfühlsamkeit. Ein (nur) scheinbarer Widerspruch, den jedoch auch Herzog bestätigt.

Diese Ambivalenz in der Persönlichkeit macht auch die Faszination der Person Kinskis aus.
Herzog fängt gerade diese Widersprüchlichkeit gekonnt in der letzten Einstellung seines Filmes ein:
Kinski spielt ganz zärtlich mit einem Schmetterling, der um sein Gesicht schwirrt und sich immer wider auf seine Hand oder seine Nase setzt.

Kinski war wahrlich epochal und dieser Film ist ein würdiges Denkmal für den 1991 verstorbenen Schauspieler.
Die Doku gibt es zusammen mit dem Herzog/Kinski-Gesamtwerk in einer schönen Sammlerbox von Arthaus: Neben dem manischen „Kinski Paganini“ sicherlich der beste filmische Einblick in das Innenleben eines Mannes zwischen Genie und Wahnsinn.

Eine Rezension von Anatol Holzbauer
(03. Januar 2009)
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Daten zum Film
Mein liebster Feind Deutschland, Großbritannien 1999
(Klaus Kinski - Mein liebster Feind)
Regie Werner Herzog Drehbuch Werner Herzog
Produktion
Darsteller Klaus Kinski, Werner Herzog, Claudia Cardinale, Eva Mattes
Länge 95 FSK 12
http://www.mannbeisstfilm.de/phpBB3/viewtopic.php?f=14&t=81
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