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True Romance

True Romance

Ein Film von Tony Scott

Clarence Worley (Christian Slater) hat Geburtstag. Wie jedes Mal zelebriert er den indem er sich ein Sonny Chiba - Triplefeature im örtlichen Grindhouse ansieht.
Dabei trifft er „zufällig“ auf die hinreißende Alabama(Patricia Arquette).
Clarence kann sein Glück kaum fassen: Eine Frau, die seine ausgefallenen Interessen teilt und zudem scheinbar auf ihn steht. Was für ein Geburtstag!
Für die Beiden ist es dann auch kein einfacher One Night Stand sondern die wahre, große Liebe. Nur gibt es da ein beträchtliches Problem.
Alabama ist eine Nutte und ihr gewalttätiger Zuhälter Drexel will sie nicht so einfach gehen lassen.
Was soll Clarence nun also machen, wenn dem üblen Pimp nur mit roher Gewalt beizukommen ist?
Wenn Clarence schwierige Entscheidungen zu treffen hat, kann er sich glücklicherweise immer auf tatkräftige Hilfe verlassen: Ihm erscheint regelmäßig der King Elvis höchstpersönlich und gibt ihm Ratschläge was er zu tun hat.
Also rechnet Clarence mit Drexel ab und nimmt dabei noch zufällig einen großen Koffer voller Koks mit.
Der Stoff ist ziemlich viel wert, deshalb macht sich das frisch verliebte Paar auf, die Drogen in LA zu verscherbeln und sich so den Honeymoon zu versüßen.
Nichts ahnend, dass die Mafia mit diesen Plänen so gar nicht einverstanden ist und sich der eiskalte Killer Vincent Cocotti an ihre Fersen geheftet hat…..

„True Romance“ war Quentin Tarantinos (QT) erstes vollständiges Drehbuch, aus dem etwas später noch „Natural Born Killers“ hervorging.
Es ist seine Variation des in der Filmhistorie immer wieder auftauchenden „Lovers on the Lam“ oder „Lovers on the Run“- Genres.
Einem Genre in dem ein Liebespaar gegen widrigste Umstände ankämpfen muss oder aber auch auf der Flucht vor einer höheren Macht wie zB. dem Gesetz (oder der Schwiegermutter) ist.
Tarantino selbst legte sein Drehbuch als Hommage an einen der Genreklassiker schlechthin, Terence Malicks „Badlands“ mit Martin Sheen, an(auch die von Hans Zimmer nach Carl Orff-Motiven komponierte Filmmusik erinnert daran).
Weitere erwähnenswerte Genrevertreter wären der Klassiker „Bonnie und Clyde“ oder aber auch das nur wenige Jahre vor „True Romance“ entstandene David Lynch-Meisterwerk „Wild At Heart“.
Zu diesem Film sind die Ähnlichkeiten übrigens frappierend.
Allein schon wegen der offensichtlichen Elvis-Parallele:
In "Wild At Heart“ ist der von Nicolas Cage verkörperte Hauptcharakter Sailor ein totaler Elvis-Fan und seine Geliebte Lula (Laura Dern) weiß erst dann, dass sie für immer zusammen bleiben werden, wenn er nur für sie „Love Me Tender“ singt.

„True Romance“ ist einfach eine überdrehte Comic - Roadmovie Version eines klassischen Hollywood- Motivs.
Einen Innovationspreis gewinnt Tarantino mit diesem Film also nicht unbedingt.
Dennoch zählt gerade „True Romance“ zu seinen besten Geschichten.

Der Film ist nämlich durch und durch (ur-)typisches Tarantino-Kino mit all den lieb gewonnenen Popkultur-Referenzen, Filmzitaten und aberwitzigen Dialogen.
Dabei hat der gute Quentin diesmal gar nicht selbst Regie geführt.
Tarantino verkaufte das von ihm verfasste Drehbuch nämlich schon ganz zu Anfang seiner Karriere.
Der von ihm aufgrund seiner Arbeit beim Kevin Costner Rache-Reißer „Revenge“ geschätzte und an den Kinokassen besonders seit seinem Erfolg mit „Top Gun“ in den 80ern gefragte Mainstream Action-Spezialist Tony Scott übernahm schließlich den Platz im Regiesessel.
Ursprünglich wollte Scott auch die Verfilmung von „Reservoir Dogs“ übernehmen - dieses Skript gab QT dann aber doch nicht her.
"True Romance" profitierte von Scotts ausgeprägtem Sinn für Ästhetik -der Mann war früher Werbefilmer, was man eindeutig an der Bildsprache des fertigen Films sieht.
Scott blieb der ursprünglichen Vision seines Screenwriters großteils treu. An manchen Stellen jedoch verwässerte er die Vorlage um einen höheren Mainstream - Appeal zu erreichen, aber auch um die Handlung etwas zu straffen.
In Scotts Version hat Tarantino - Regular Sam Jackson (Cleaner-Sein Geschäft ist der Tod) nur einen äußerst kurzen Gastauftritt als Big Don, im Originalskript war seiner Figur wesentlich mehr Platz eingeräumt.

Die Handschrift des Meisters des Trivialen bleibt dennoch überdeutlich zu bemerken.
Insbesondere weil „True Romance“ der autobiographischste Film Tarantinos ist.
Klar, es ist anzunehmen, dass sich QT seinen Weg nie (oder vielleicht doch….?) freischießen musste und auch nicht von Killern gejagt wurde.
Dennoch gibt es eindeutige Parallelen zwischen dem Hauptcharakter in „True Romance“ und seinem Erfinder.
Das fängt schon bei deren Obsessionen an.
Clarence ist ebenso vom King besessen wie Tarantino selbst. Für den gibt es ja nur zwei Arten von Menschen: Elvis-Typen oder Beatles-Fans.
Zu welcher Kategorie sich QT selbst zählt, dürfte unschwer zu erraten sein.
Clarence arbeitet in einem Comicladen. Ein Paradies in dem es nur eine Schattenseite gibt, die dürftige Bezahlung. QT arbeitete vor seinem Durchbruch in einer Videothek, verbrachte seine Zeit mit endlosen Diskussionen über seine Lieblings - Blaxploitationfilme und stundenlangem Videokonsum.
QT selbst spricht also durch sein Alter-Ego Clarence.
Dies wird auch in dem langen Dialog zwischen Clarence und dem Regisseur Donowitz beim Drogendeal, wo Clarence über seine Lieblingsfilme (wie Rio Bravo) philosophiert, deutlich .
Hinzu kommt die romantisierte Weltsicht: Der Nerd findet zu seiner großen Liebe weil die sich für die gleichen Popkulturikonen interessiert wie er- eine perfekte Welt!?
Genau so und nicht anders funktioniert das Quentin-Universum.

Natürlich sind auch die schon oben erwähnten Anspielungen an QTs Lieblingsfilme, die beständig in die Handlung eingebaut werden - eine Praxis, die er in „Kill Bill“ auf die Spitze treiben sollte- nicht zu vergessen.
Zb:Clarence hat zu Beginn eine Army-Jacke wie Travis Bickle.
Als es schließlich zur Abrechnung mit Alabamas Zuhälter Drexel kommt, wird der Scorsese/Taxi Driver-Bezug überdeutlich.

Apropos Drexel: Dieser abgefuckte Pimp wird köstlich von Gary Oldman verkörpert.
Der allein liefert schon eine denkwürdige Performance ab. Doch er ist erst die Spitze eines Eisberges von guten Schauspielern mit noch besseren Auftritten: Es folgen noch
Brad Pitt als dauerbedröhnter Kiffer, Christopher Walken als leicht reizbarer Mafioso oder James Gandolfini als sadistischer Killer (der in einer der härtesten Szenen des ganzen Films alle Register zieht).
Und Val Kilmer gastiert als King im goldenen Sakko.
Dennis Hopper hat dann auch noch seinen großen Auftritt als Clarences Vater, der von Cocotti (Walken) „verhört“ wird um dem Mafiaboss das Versteck seines Sohnes zu verraten.
Hierbei entspinnt sich zwischen ihnen eine politisch unkorrekte aber für Tarantino typische Diskussion über die ursprüngliche Abstammung der Sizilianer von den Mauren.
Am Schluss hat Tarantino dann noch einen weiteren Mexican Standoff als Hommage an John Woo wie schon in „Reservoir Dogs“ eingebaut.

Vermutlich wäre der Film noch besser geworden, wenn QT das Regiezepter selbst übernommen hätte(von ihm war ursprünglich auch ein ganz anderes Ende angedacht, das jetzt endlich auf der neuen Special Edition DVD zu sehen ist).
Scott macht seine Sache jedoch sehr gut (und blieb dem Geist des Erfinders wesentlich treuer als beispielsweise Oliver Stone bei seiner Umdeutung des „Natural Born Killers“-Stoffes, das ja aus derselben Feder stammt).
Blöd ist zwar,dass gegen Ende zu auf einen Handlungsstrang völlig vergessen wird–aber bei soviel Tempo kann das eventuell schon mal vorkommen.

Obwohl Scott draufsteht ist letztlich Tarantino drin.
Ein unterhaltsamer und sehr kultiger Film - und zudem in seinem Subgenre ganz vorne mit dabei.

Der Film ist in einer längeren und komplett ungeschnittenen Fassung inklusive einer ganzen Reihe Deleted Scenes bei Eurovideo neu aufgelegt worden.
Eine gute Möglichkeit, sich auf den für dieses Jahr angekündigten neuen Tarantino-Streifen "Inglourious Basterds" einzustimmen.

Eine Rezension von Anatol Holzbauer
(30. März 2009)
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Daten zum Film
True Romance USA 1993
Regie Tony Scott Drehbuch Quentin Tarantino
Produktion
Darsteller Christian Slater, Patricia Arquette, Dennis Hopper, Gary Oldman, Samuel L. Jackson, James Gandolfini, Christopher Walken, Val Kilmer
Länge 121 FSK 18
Filmmusik Hans Zimmer, Charlie Sexton, Billy Idol, Big Bopper,Robert Palmer, Chris Isaak
Kommentare zu dieser Kritik
travisbickle TEAM sagte am 15.09.2009 um 17:23 Uhr

Wirklich großartig, der Film. Und vor allem sind mit Gary Oldman, Dennis Hopper und Christopher Walken drei meiner Lieblingsschauspieler mit dabei :)

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