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Wings for Wheels - The Making of 'Born to Run'

Wings for Wheels - The Making of 'Born to Run'

Ein Film von Thom Zimny

1975 war ein entscheidendes Jahr in der Karriere von Musiklegende Bruce Springsteen und seiner E-Street-Band. Seine ersten beiden Alben, „Greetings from Asbury Park, N.J.“ und „The Wild, the Innocent and the E-Street Shuffle“ (beide 1973), waren zwar in nahezu jeder Kritik sehr gut weggekommen, aber die Verkaufszahlen waren nicht besonders hoch.
Es waren also keine entspannten Voraussetzungen für Bruce, um sein drittes Album fertig zu stellen. Er stand nämlich unter dem ungeheuren Druck, ein Meisterwerk abliefern zu müssen, welches nicht nur den Kritikern, sondern auch dem breiten Publikum gefiel.
Er wohnte allein in einem kleinen Haus in New Jersey, nachdem seine Eltern weggezogen waren und in dieser kleinen Hütte, in der er recht zurückgezogen und trotz zweier Platten relativ ärmlich lebte, arbeitete er an ersten Ideen zu Songs wie „Thunder Road“. Die Odyssee, die am Ende zu „Born to Run“ führen sollte, begann…

Wings for Wheels - The Making of Wings for Wheels - The Making of Wings for Wheels - The Making of

Dieser Film nun, „Wings for Wheels – The Making of ‚Born to Run’“ genannt, erschien zum 30-jährigen Jubiläum der Platte in einer sehr schönen, hohen Anniversary Box. Er zeigt alle Menschen, die irgendwie an der Produktion der Platte beteiligt waren, im Interview, darunter auch etwaige Konfliktpersonen wie Springsteens ehemaliger Manager Mike Appel, mit dem er damals einen jahrelangen Gerichtsstreit um sein gedankliches Eigentum hatte.
Absolut treffend beginnt der Film, dessen Titel bereits auf eines seiner größten Meisterwerke, „Thunder Road“ anspielt, mit einer Ansicht vom „Boss“ im Auto, der irgendwo hinfährt und ab und an mal mit der Kamera (bzw. dem Menschen dahinter) redet. Noch weiß der Zuschauer nicht, wo er hinfährt, man wird es erst am Ende der Reise wissen. Und sie endet dort, wo Bruce anhält. Gleich diese Eröffnungssequenz ist also beispielhaft für sämtliche Welt- und Lebensansichten, die Springsteen zu jener Zeit hatte. Auf dem gesamten Album geht es nämlich ums Flüchten, ums Abhauen, um einsame Menschen, die einfach nur wegwollen aus der Alltags- und Wohnortstristesse. Sie wissen nicht, wohin die Straße sie führen wird. Aber sie wissen, dass sie sie woanders hin bringt („…these two lanes will take us anywhere…“). Und das ist die Hauptsache.
Ein großer Pluspunkt des Films ist, dass Regisseur Thom Zimny, der auch verantwortlich für die Aufnahmen des Springsteen-Konzerts „Live in Dublin“ war, welches ebenfalls auf DVD erhältlich ist, absolut unkommentierend vorgeht. Dadurch wird keine Neutralität geschaffen, genau das Gegenteil ist der Fall: durch diese Zurückhaltung wird einzig und allein den Stars Raum geschaffen, die sich in Interviews, die als Fetzen ab und zu eingeworfen werden, über verschiedene Dinge auslassen können.
Mehr als alle anderen erweist sich Springsteen mal wieder als großer Mann des Nachdenklichen. Er sitzt am Klavier, sinniert über alte Zeiten in „Backstreets“, versucht, mit seinem „elementaren Klavierspiel“ die ersten Takte zu spielen, gibt jedoch auch zu, dass er das niemals in der Form könne, wie es Roy Bittan tat. Retrospektiv schwelgt er in alten Tönen, singt mit und erzählt etwas über einzelne Zeilen – einfach ein Traum.
An einer anderen Stelle präsentiert er stolz die alte Gitarre, die er mal in jungen Jahren in einem Musikgeschäft erstanden hat – jene Gitarre, die er seitdem zu spielen pflegt und die das Cover von „Born to Run“ schmückt.

Wings for Wheels - The Making of Wings for Wheels - The Making of Wings for Wheels - The Making of

Was auch wirklich absolut fantastisch im Film dargestellt wird, ist die Retrospektive. Nicht nur, dass es unzählige Archivaufnahmen von 1974/’75 gibt, die die Leute bei den schwierigen Aufnahmen zeigen, es werden auch viele Musikelemente als Hintergrundmusik benutzt, die in der Form nie offiziell an die Öffentlichkeit gelangt sind. Und wenn Springsteen mit seinem langjährigen Freund und Manager Jon Landau in einem Studio sitzt und verschiedene Spuren des Welthits und Titeltracks „Born to Run“ anhört, grenzt das schon an ein Aufleben der Vergangenheit.
Auch rein musiktechnisch interessierte Zuschauer werden hiermit bedient, denn der Boss und alle anderen erklären ihre Aufnahmenethode des Albums. Es ist aber auch für Laien höchst interessant, zu sehen, wie die Band damals Tonspur auf Tonspur gelegt hat und immer neue Spuren eingespielt hat und gewechselt und ausprobiert hat. Für jeden halbwegs begeisterten Musikfan ist es eine Wonne, solchen Perfektionisten bei der Arbeit zuzusehen.
Und natürlich bietet der Film auch einen Einblick in die Persönlichkeiten der Musiker und wie diese in eine solche Plattenarbeit einfließen. Dass Springsteen sich heute selbst gern mal aufs Korn nimmt, dürfte allgemein bekannt sein. Wie er aber früher war, als wirklich alles auf dem Spiel stand, ist eine ganze andere Frage und auch die wird hier gezeigt.
Er war ein völlig unter Stress stehender Mann. Das Album musste ein Hit werden, es musste fertig werden und: es musste rechtzeitig fertig werden. Sackgassen werden gezeigt, an denen die Band einfach nicht weiterkam: man sieht einen auf der Couch liegenden, völlig ermatteten Bruce, dem nichts mehr gefällt, was die Band einspielt, und der zu allem „Nein“ sagt. Auch die Bandmitglieder beschreiben das als an die Grenzen gehende Erfahrung: Tag und Nacht im Studio zu sein, Aufzunehmen, zu verbessern, zu spielen, zu diskutieren. Und auch diesen Stressfaktor stellt der Film gekonnt dar, indem er die richtigen Interviewausschnitte zur richtigen Zeit einwirft: wenn Bruce völlig verzweifelt vor der Arbeit sitzt und nicht voran kommt und dann der Satz eingefügt wird, die Hallen der Tour wären schon gebucht und die ersten Termine stünden bald an, kann man nur von perfektem Timing sprechen.

Was nicht zu vergessen ist: mittendrin kommt Bruce Springsteen an seinem Fahrtziel an: es ist sein ehemaliges, kleines Häuschen in New Jersey, in dem die Wurzeln zu „Born to Run“ liegen. Es war also eine Reise in die Vergangenheit, back to the roots sozusagen.
Natürlich werden auch Springsteen-Kenner bestens bedient, die sich an erstklassigen Frühversionen der Klassiker „Jungleland“ und auch „Thunder Road“ erfreuen können und durch Bruces Erklärungen in ihren eigenen Interpretationen unterstützt werden, denn es heißt sowohl im Begleitbuch der Anniversary Edition als auch im letzten Satz des Films:

„’Born to Run’ was the dividing line“

Eine Rezension von Sebastian Walther
(27. April 2008)
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Daten zum Film
Wings for Wheels - The Making of 'Born to Run' USA 2005
Regie Thom Zimny Drehbuch
Produktion Thom Zimny, Bruce Springsteen, Jon Landau, Barbara Carr Kamera William Rexer
Darsteller Bruce Springsteen, Jon Landau, Nils Lofgren, Steven Van Zandt, Patti Scialfa, Clarence Clemons, Max Weinberg, Garry W. Tallent
Länge 90 Min. FSK Freigegeben ohne Altersbeschränkung
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