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Bad Santa

Bad Santa

Ein Film von Terry Zwigoff

Ein gigantisches Einkaufszentrum zur trubeligen Weihnachtszeit in Phönix, Arizona – jeder hat es eilig, die letzten Einkäufe zum seligen Fest zu vervollständigen; es ist laut, voll, stressig. Und was auf keinen Fall in einem solchen Konsumzentrum fehlen darf ist der Weihnachtsmann-Stand, ein liebevoll nach biblischen Vorbildern verzierte Hort – mit Josef, Maria, der Jesus-Krippe und den Eseln ausm Stall. Hier stellen sich die Muttis und Pappis mit ihren Kinder auch geduldig in ewig langen Schlagen an, so dass die Kleinen dem Weihnachtsmann persönlich ihren Wunsch zur Bescherung äußern dürfen.
Doch wo bleibt bloß dieser wohltätige, gutmütige alte Mann im roten Anzug und weißem Bart, der jedes Kind auf seinen Schoß nimmt und diesem nahezu keinen Wunsch abschlagen kann. Langsam werden auch die Eltern unruhig.
Endlich naht die Erlösung heran, Santa hat die Rolltreppe genommen. Nur erfüllt das Bild, das sich der geballten Menschenmenge nun bietet, nicht gerade die gesetzten Erwartungen. Dieser Santa (Billy Bob Thornton) ist so besoffen, dass er nicht mehr stehen kann und von der Rolltreppe vor den Weihnachtsmannstand rausgespuckt wird. Halb besinnungslos torkelt dieser vermeintliche Kinder-Held zu seinem Thron – ohne den künstlichen, weißen Bart, ohne die rote Mütze, den roten Mantel unzugeknöpft übergeworfen – und fällt über einen der Esel der kitschigen Christmas-Dekoration. Fluchend und aufgebraust zerlegt nun der offensichtliche (Anti)-Held des Films das Tier in
Einzelteile und geht gleich auf das nächststehende Maultier los. Da kann auch des Weihnachtsmanns treuster Gehilfe, der Elf und farbige Zwerg Marcus (Tony Cox), die Situation nicht retten – die Menge nimmt Reisaus. Die logischste Konsequenz eines solchen Verhaltens wäre im Normalfall die sofortige Kündigung und konsequenter Rauswurf, gefolgt von lebenslangem Lokalverbot, des bezahlten Weihnachtsmann-Schaustellers durch den Kaufhausmanager. Das ist auch das was der konservative, naiv-gutmütige Manager Bob Chipeska (John Ritter) mit allen Mitteln bei dem Gespann Willie/Marcus versucht – doch vergeblich bei diesem gerissenen, mit allen Wasser gewaschenen Santa. Er dreht die Situation gleich so hin, als wende sich der Rauswurf gegen Marcus, weil er schwarz ist, und droht mit einer Veröffentlichung in der Presse und damit saftigem Skandal. Bob steckt in der Falle und kann dem nichts entgegen setzen – Willie und Marcus bekommen Narrenfreiheit und selbst der rigoros-kompromisslose Sicherheitsbeauftragte Gin (Bernie Mac) kann dem weiteren Treiben kein Ende setzen.
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Bad Santa kann sein Dasein weiter fristen mit Fluchen, Saufen und Verführung minderjähriger Einkaufsgäste. Der Zwerg Marcus ist dabei der unfreiwillige Zeuge von Willies hedonistischen Exzessen, was er frustriert hinnehmen muss. Denn die beiden sind langjährige Partner und planen den Safe des Einkaufszentrums nach dem 25. Dezember zu knacken. Dann, wenn die ganze Weihnachtsnummer im Einkaufszentrum zu Ende ist und ihr Arbeitsvertrag ausläuft. Marcus und Willie gehen dabei nach demselben Prinzip vor. Am letzten Tag, wenn alle Angestellten den Laden verlassen, sucht sich der Zwerg ein Versteck und schaltet daraufhin die Alarmanlage aus. Willie, der draußen wartet, bekommt somit Eintritt und macht sich daran, den Safe aufzubrechen – am Schluss wird die Beute geteilt. Doch nach den 8 Jahren mehr oder weniger glücklicher Zusammenarbeit nehmen Willies Eskapaden vor den Auftraggebern immer extremere Züge an und gefährden damit den Einbruchsplan. In seinem Dauerrausch und anflüglichen depressiven Phasen kann Willie auch die Arbeit gerade noch meistern, jenseits jeglicher Professionalität. Marcus’ Geduld ist bald am Ende. Willie hat es diesmal besonders faustdick um die Ohren – der maßlose Alkoholkonsum, der rüde Umgang mit den Kindern, die nachlässige Verrichtung seines Jobs als Weihnachtsmann, die Sexgeschichten in den Umkleidekabinen und die dauernden Diebstähle und Einbrüche in fremde Häuser lassen ihn schon mit einem Bein im Gefängnis stehen – ein Ort, der ihm nicht unbekannt ist – es ist nur eine frage der Zeit bis ihn die Polizei auch für die frühen Vergehen auf viele Jahre einbuchtet.
Und während Willie mit seiner kurzsichtigen und nihilistischen Lebenseinstellung sich auf dünnstem Eis bewegt, nimmt der Lauf der Dinge einen anderen Lauf, als er Sue (Lauren Graham, bekannt aus „Gilmore Girls“) kennen lernt. Die Bardame gibt sich anfangs eigentlich nur wegen ihrem sexuellen Santa Claus–Fetisch mit Willie ab und schläft mit ihm bei jeder sich anbietenden Gelegenheit. Doch mit der Zeit stellt sich zwischen Sue und Willie tatsächlich eine längerfristige Beziehung ein, in welcher sie dem kaputten, ziellosen Mann auch emotional näher kommt. Auch ein 9-jähriger Junge (Brett Kelly) lässt sich von Willies asozialem und egoistischem Verhalten nicht abschrecken und heftet sich an dessen Seite. Willie nutzt die Situation natürlich gleich aus, räumt das Haus des Jungen aus und verscherbelt die luxuriösen Wertgegenstände von dessen Eltern für schnelles Geld. Später zieht er, als die Polizei sein Versteck ausfindig macht, auf unbestimmte Zeit in das Haus des Jungen ein und lässt sich von der geistig stark vernebelten, dementen Großmutter durchfüttern. Doch damit wird Willie, in welchem der Junge unnachgiebig den echten Weihnachtsmann sieht, auch mit den großen Problemen des Kleinen konfrontiert, der aufgrund seines Übergewichts und angeknackstem Selbstwertgefühl in der Schule verspottet und gemobbt wird. Mit der Zeit entwickelt der böse Weihnachtsmann auch eine Art Mitleid für den Traktierten und versucht ihm zu helfen – zum ersten Mal sind ihm die Menschen um sich herum nicht vollkommen egal. Doch Marcus ist Willies Fahrlässigkeit schon lange überdrüssig und will sich dieses unverbesserlichen Schmarotzers und Einzelgängers elegant entledigen. Beim letzten Coup soll Willie dran glauben…

Regisseur Terry Zwigoff und die Drehbuchautoren Glenn Ficarra / John Requa haben mit Bad Santa einen von der ersten bis zur letzten Minute brüllend komischen Film geschaffen. Die Idee dabei ist ziemlich simpel. Alles was der Zuschauer von Weihnachtsfilmen kennt und zu schätzen weiß wird hier auf den Kopf gestellt und gehörig veräppelt. Zunächst einmal ist da dieser Antiheld, der einfach in kein Fach rein passt. Ein Loser, der des Lebens überdrüssig ist und dem alle Menschen um ihn herum nur so viel Wert sind wie viel er von ihnen ausbeuten kann. Willie alias Bad Santa flucht ohne Unterlass, zeigt den Stinkefinger, sauft und legt alles flach was einen kurzen Rock trägt. Sein Partner und einziger Freund gibt sich nur deshalb mit ihm ab, weil er ihn zum Leerräumen der Geldtresore braucht. Deswegen puscht er den Suffkopf auch immer wieder hoch und versucht die peinlichsten Szenen glatt zu bügeln. Die typischen Motive eines Weihnachtsfilms sind hier auch tatsächlich vertreten: ein einsamer, vom Leben gebeutelter Held, der sich gerade noch über Wasser hält und der durch einschneidende Ereignisse einem Wandel unterzogen wird, nämlich als er merkt, dass sich jemand für ihn einsetzt und er das Gefühl von Liebe und Wertschätzung zu spüren beginnt.
Bad SantaBad SantaBad Santa

Doch die Verpackung, in der der Zuschauer diese Botschaft in Bad Santa serviert bekommt, ist in höchstem Maße grotesk. Die hier vorgestellte Familie, oder besser geschrieben der Teil einer Familie, besteht aus einem übergewichtigen, schüchternen, geistig zurückgebliebenen Neunjährigen, der nur mäßige Leistungen in der Schule erbringt und von seiner Umwelt wie Dreck behandelt wird. Der Vater sitzt im Gefängnis und lässt den Jungen von der Großmutter beaufsichtigen. Doch diese befindet sich in einem hoffnungslosen Zustand – in ihrem weit fortgeschrittenen Demenzstadium bekommt die Alte nichts mit von ihrer Umwelt und scheint genau eine einzige Sache noch gut zu beherrschen: Sandwichs machen. So muss ihr fülliger Enkel zumindest nicht Hunger leiden.
Die Gegenspieler von dem bösen Santa sind im Grunde ebenfalls nicht ernst zu nehmen. Da ist der Kaufhausmanager Bob Chipeska, umwerfend verklemmt gespielt von John Ritter (nicht minder brillant wie in Blake Edwards „Skin Deep“ und „So ein Satans Braten“), der seinen Laden nicht im Griff halten kann und bei jedem Versuch, Autorität auszuströmen, kläglich versagt. Chipeska ist alles andere als ein geldgieriger, erbarmungsloser Antagonist, der wie im klassischen Weihnachtsfilm durch seine finanziellen Möglichkeiten die Strippen im Hintergrund zieht und damit den Kontrast zum besinnlichen und großmütigen Geist des Weihnachtsfests darstellt.
Chipeskas Exekutivorgan ist der Sicherheitsbeauftragte Gin, herrlich ironisch und cool gespielt von Bernie Mac, den der geneigte Zuschauer aus „Drei Engel für Charlie“ und die Ocean’s 11/12/13 Triologie kennt. Doch Gin, der sich einen gelben Cowboyhut und selbst gemixte Cocktails zum Markenzeichen gesetzt hat, ist nicht im Geringsten interessiert an Chipeskas Sorgen, viel lieber schiebt er eine ruhige Kugel, drückt bei Willie’s Eskapaden immer ein Auge zu und belässt es bei halbherzigen Ermahnungen. Er überlegt sich vielmehr wie er Willie und Marcus zu seinem Gunsten einsetzen kann.
Der wahre Star in Bad Santa ist natürlich Billy Bob Thornton. Mit seiner äußerst glaubwürdigen Darstellung des ausgebrannten Losers Willie und mit der Scheiß-Egal-Mentalität, die er an den Tag legt, hat er schon von Beginn an die Sympathie des Zuschauers auf seiner Seite. Thornton, der seine schauspielerische Qualitäten auch in seriösen Rollen bewiesen hat, wie zum Beispiel als ernster, konservativer Gefängniswerter in „Monsters Ball“, und der oft in den Filmen der Coen-Brüder zu sehen ist, hat in diesem Film auch die witzigsten Quoten.

Bad Santa ist im Ganzen betrachtet tatsächlich extrem böse-sarkastisch und schnörkellos. Doch dadurch, dass der Humor und die gut pointierten Dialoge von äußerst glaubwürdigen Schauspielern in zynischem Kontext getragen wird, ist das Ergebnis ein Volltreffer und somit der perfekte (Anti-)Weihnachtsfilm. Man kommt aus dem Lachen nicht mehr raus. Garantiert!

Weihnachtsskala (1=sehr wenig/niedrig; 6=sehr viel/hoch)

-Besinnlichkeitsfaktor: 0,5
-Sing-along-Faktor: 4
-Familientauglichkeit: 0,2
-Klassiker-/Kultpotenzial: 6
-Coolheits-Bonus: dank Billy Bob Thornton höchste Note 6***
-Starschauspieler-Anteil: 6

Eine Rezension von Eduard Beitinger
(13. Dezember 2007)
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Daten zum Film
Bad Santa USA 2003
(Bad Santa (extended US-Vers.: Badder Santa))
Regie Terry Zwigoff Drehbuch Glenn Ficarra, John Requa
Produktion Dimension Films Kamera Jamie Anderson
Darsteller Billy Bob Thornton, Tony Cox, Lauren Graham, Brett Kelly, Bernie Mac, John Ritter
Länge 95 min. FSK ab 16 (extended Version)
Filmmusik David Kitay
Kommentare zu dieser Kritik
Conan der Bibliothekar TEAM sagte am 17.12.2007 um 01:12 Uhr

Das Ding lief ja dieses WE wieder im Fernsehn, hab mich die ganze Zeit schlapp gelacht über den guten Billy Bob, der hier wirklich eine so derbe Performance hinlegt. Ich weiß nicht, wasnn jemals ein Charakter in einem Film so heruntergekommen und abgewrackt gewirkt hat, dagegen ist Dean Martin in RIO BRAVO direkt vorstellungsgesprächreif. Und dann die Sprüche.
Meine Lieblingsszene: als er rotzbesoffen und völlig durch den Wind die Rolltreppe hochfährt, besser: er liegt auf ihr. Dann willer auf seinen Stuhl, die Kinder samt Eltern warten schon, dann schlägt er einem Plastikrentier den Kopf ab und drischt drauf ein. Sagenhaft. Und das in einem Ensemble, das ebenfalls wirklich klasse ist. Und da wäre noch der gute John Ritter, der ja kurz danach gestorben ist. (R.I.P.)
Zombie-mower TEAM sagte am 19.12.2007 um 17:40 Uhr

ja, dieser Szene ist deswegen auch die Einleitung der Rezension gewidmet; aber auch nicht unerwähnt darf hier gelassen werden wie Billy Bob alias Bad Santa mit routiniertem Desinteresse die Kids auf seinem Schoß begrüßt - immer mit demselben fordernden Satz "What do you want?"; ein echter running gag

als ein Kid dem genervten Santa eröffnet, dass er diesen schon in einem anderen Warenhaus gesehen habe und er folglich an der Echtheit des Santas zweifle, verrät ihm Santa, dass er gleich Zeuge eines Verschwindenlassen-Zaubertricks werde - mit diesem Kommentar stößt er den frechen Lausbub weit von sich;

die Tränen lassen sich kaum zurückhalten

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