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2001- Odyssee im Weltraum

2001- Odyssee im Weltraum

Ein Film von Stanley Kubrick

Im Lebenswerk von Stanley Kubrick finden sich einige mehr oder weniger umstrittene Meisterwerke wieder, mit denen sich das Regie- Wunderkind wohl durch die beinahe gesamte Auswahl der Filmgenres gearbeitet zu haben schien. Darunter schuf er mit “Shining” einen Meilenstein des Horrorfilms, der noch heute als Messlatte für artverwandte Produktionen gilt. Noch bevor Kubrick mit der bösartigen Gesellschaftssatire “Uhrwerk Orange” für Aufsehen sorgte, drehte er diesen unabdingbaren Klassiker der Kinogeschichte: “2001- Odyssee im Weltraum” avancierte zu einem der am häufigsten zitierten und auch kopierten Filme aller Zeiten, der das Terrain der filmischen Sciencefiction wie kaum ein zweiter Streifen beeinflusste.

Allerdings wurde der Film bei seiner Uraufführung `68 (Kubrick arbeitete drei Jahre lang an der Fertigstellung) nicht von jedem Zuschauer gut aufgenommen. Viele hielten das Werk mit seinem elegischen, ruhigen Erzählfluss, der jeglichen Konventionen widersprach, schlicht und ergreifend für zu langatmig. Und in der Tat ist “2001”- Odyssee im Weltraum” kein SF- Streifen in der Tradition solcher All- Spektakel wie “Star Wars” oder “Alien”. Kubrick setzte statt auf Suspense und künstlich erzeugten Thrill lieber auf den hypnotischen Effekt der Bilder, die aufgrund der Dialogarmut des Films fast für die gesamte Wirkung verantwortlich waren. Im Zusammenspiel mit der wuchtigen und nach wie vor tief beeindruckenden Musik von Strauß ergibt sich eine meditative Space- Opera, die zwar knappe zweieinhalb Stunden läuft, aber gewiss niemals langatmig wirken würde. Kubrick erklärt seinen zur Schau getragenen Minimalismus wohl damit, dass er dem Betrachter die Kernpunkte und -aussagen des Werks nicht auf dem Silbertablett servieren will, sondern inspirieren und zum Nachdenken anregen möchte.

Die Geschichte ist in einzelne Kapitel gegliedert, die mehrere Epochen der Menschheit wiedergeben. Beginnend in der prähistorischen Steppe, wo die Affen, sozusagen die “Vorfahren” des modernen Homo sapiens, beim Raufen am Wasser erst einen mysteriösen Monolithen und später einen Knochen als Waffe entdecken, womit die Geburtsstunde des Krieges, so wie wir ihn heute kennen, gekommen ist. Der Primat wirft den Knochen in die Luft, wo im Bruchteil einer Sekunde durch einen cleveren Schnitt in die Zukunft aus dem Gegenstand eine Raumfähre wird. Dieses modernisierte Werkzeug der Gesellschaft schwebt durch die Weiten des Alls. Wir befinden uns zeitlich einige Millionen Jahre später nach der Eröffnungsszene in der Steppe. Eine Gruppe von internationalen Wissenschaftlern, darunter Dr. Floyd (William Sylvester), ist mit einem Raumschiff unterwegs zum Mond. Dort, so erfahren wir in einer kurzen Dialogpassage, soll ein geheimnisvoller schwarzer Monolith (Wie erinnern uns an die Anfangssequenz) Signale ins unendliche All senden. Unter strenger Geheimhaltung soll die Mission, herauszufinden, wohin diese Signale gesendet werden, ausgeführt werden. Wieder ein Zeitsprung: 18 Monate später ist eine Raumstation mit Namen `Discovery´ in Richtung Jupiter unterwegs, weil dorthin angeblich die Signale des Monolithen gesendet würden. An Bord befinden sich zwei Astronauten, Dave Bowman (Keir Dullea) und Frank Poole (Gary Lockwood), und ihr allwissender Bordcomputer, HAL 9000. Weitere drei Männer liegen im Tiefschlaf in sargähnlichen Kabinen. Zunächst läuft alles in den unendlichen Weiten des Alls nach Plan, doch dann beschleicht Dave und Frank das vage Gefühl, der Bordcomputer sei außer Kontrolle geraten…

Kubrick zeigt diese Szenen in langen, ausgedehnten Einstellungen und lässt die eindrucksvollen Bildkompositionen für sich sprechen. Die Dialoge sind dünn gesät, taugen sie doch sowieso nur als Mittel zum Zweck. Das Verhalten der Figuren wird eher nüchtern analysiert, ohne in ausufernde Charakerbeschreibungen abzuschweifen. Hier findet sich, wie in so gut wie jedem Kubrick- Film, ein deutlich zivilisationskritischer Ton. Der Regisseur wirft die These auf, dass die eigentliche “Evolution” des Menschen eigentlich nur Schein ist und dass er sich seit Entstehung seiner Existenz kaum merklich weiterentwickelt hat. Wie die Affen im Prolog des Films sind auch die Menschen in der Zukunft bzw. Gegenwart der Ansicht, über die Welt herrschen zu müssen statt lediglich auf ihr zu leben. Der autoritäre Urgedanke unserer “humanistischen” Gesellschaft kommt hier deutlich zum Tragen. Vielleicht könnte man sogar noch einen Schritt weiter gehen und sie als “Opfer ihrer Intelligenz” bezeichnen. Logisches Denken und die damit verbundene Macht über sein eigenes Tun führt häufig zu Kriegen und ähnlichem Unglück auf der Erde, auf jeden Fall aber zu Egoismus. Kubrick hält uns in dieser Hinsicht den Spiegel vor, womit sein Werk eine zeitlose Aussage ohne Verfallsdatum beinhaltet. Der leblose Bordcomputer erweist sich paradoxerweise als “humanste” Figur auf der Raumstation. Obwohl die Intelligenz des Roboters nur künstlicher Natur ist und all sein Wissen lediglich programmiert ist, zeigt er zum Schluss ein Fünkchen von der Emotionalität, die den Menschen im Laufe der Jahre abhanden gekommen ist. Die Menschen, die dem modernen Fortschrittsglaube derart unterwürfig sind, dass für normale Gefühle einfach kein Platz mehr bleibt. Exemplarisch hierfür stehen die beiden Astronauten an Bord der `Discovery´, die außer einigen provisorischen Handlungen und oberflächlichen Gesprächen nicht viel von dem zeigen, was man als “Menschlichkeit” bezeichnen würde.

So steckt in “2001- Odyssee im Weltraum” gleichzeitig eine Kritik an der fortschrittlichen technologischen Entwicklung auf der Erde. Kubrick bringt zwar ebenso klar seine Bewunderung für die selbige zum Ausdruck- ausführliche Kamerafahrten durch die komplex- faszinierende Raumstation und die Visualisierung der einzelnen Assecoires an Bord machen dies deutlich-, er stellt aber parallel die fatalen Folgen heraus, die das alles mit sich führen kann. HAL 9000, dem Bordcomputer, wird blind vertraut, auch wenn eine Fehlfunktion selbstverständlich nicht ausgeschlossen ist. Schon öfters versagte in der Historie die Technologie und wurde von der bitteren Realität wieder eingeholt.

“2001- Odyssee im Weltraum” ist ebenso gesellschafts- bzw. zivilisationskritisch wie philosophisch breit. So finden sich allerlei versteckte Metaphern in dem Werk wieder, die dem Zuschauer viel Raum für eigene Interpreation lassen. Beispielsweise der schwarze Monolith, der drei Mal auftaucht, der immer seine Konsequenzen mitbringt, in welcher Form auch immer. Oder aber die wahnsinnige Schlusssequenz, die Fahrt durch den Sternenschauer, die Astronaut Dave auf eine transzendentale Reise schickt. Und dann wäre da natürlich noch der berühmte Schlussakkord mit dem im All schwebenden Embryo, eine Symbolisierung möglicherweise der ewigen Unvergänglichkeit des Menschen im Universum!? Kubrick selbst äußerst sich dazu nicht, was in der Reflexion des Gesehenen aber auch schlüssig wirkt. “2001” lässt nämlich viel Spielraum für den Betrachter, wirkt trotz abgeschlossener Handlung offen für jegliche Form der Interpretation. Existieren nun Aliens auf dem Jupiter? Die Antwort auf diese Frage ist unerheblich, der Zuschauer wird angehalten, sie für sich selbst zu beantworten. Ein sehr subtiler, dramaturgisch perfekter Kniff Kubricks.

Aber um noch einmal auf die Musik zurückzukommen: “2001- Odyssee im Weltraum” besteht vor allem aus zwei sich stetig wiederholenden Klassikstücken. Zum einen “Also sprach Zarathustra”, Richard Strauß` Vertonung von Friedrich Nietzsche`s literarischer Vorlage. Und zum anderen Johann Strauß` “An der schönen blauen Donau”. Beide Stücke könnten gewaltiger nicht wirken, gerade im Kontrast zu dem opulenten Geschehen, das sich auf der Leinwand abspielt. Wie das Gesamtwerk ist auch und speziell dieser klassische Score des Films legendär. Gerade in der ruhigen, zeitweise fast phlegmatischen Erzählweise, liegt nämlich die unbändige Kraft dieses philosophischen Meisterwerks. Wie die Raumfähre langsam durch das All gleitet oder die Astronauten an Bord schwerelos durch die Kulissen treiben, das zeigt eben nochmals diese angesprochene Bewunderung Kubricks für die Errungenschaften des Menschen. Die visuellen Effekte, welche seinerzeit einen Oscar gewannen und der damaligen Zeit weit voraus waren, können sogar heute noch überzeugen. “2001” ist zweifellos ein über alle Maßen bildgewaltiges Stück Kino, das man auf der großen Leinwand wahrscheinlich noch ein bisschen besser aufnehmen könnte als auf einem einfachen TV- Bildschirm.

“2001- Odyssee im Weltraum” ist vielleicht Stanley Kubrick`s bester Film. In nie dagewesener epischer und philosophischer Breite erzählte der Regisseur von menschlicher Existenz und deren Sinn und Folgen. Im Grunde in jeder Hinsicht ein Meisterwerk und eben auch ein Klassiker nicht nur des Sciencefiction- Genres, sondern der Filmgeschichte überhaupt. Wer den Film noch niemals gesehen hat: dringend nachholen! Sonst würde man ein bedeutendes Kulturgut der Medien verpassen. Unvergesslich- überwältigend- grandios… !

Eine Rezension von Christopher Michels
(09. Januar 2009)
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Daten zum Film
2001- Odyssee im Weltraum USA/ GB 1968
(2001- A Space Odyssey)
Regie Stanley Kubrick Drehbuch
Produktion MGM Films
Darsteller Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester
Länge 150 Minuten FSK ab 12
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