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Küss den Frosch

Küss den Frosch

Ein Film von Ron Clements, John Musker

„Just one kiss?“
„Just one, unless you beg for more.“


Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Diese bittere Pille musste auch der einst so erfolgreiche Disneykonzern schlucken, als sich die Ära des klassischen Zeichentrickfilms, die 1937 mit dem Meilenstein „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ begann, plötzlich einem immer stärker werdenden Gegner in Gestalt von digitalen Pixel-Traumwelten gegenüber sah. Vor allem die Animationsschmiede Pixar, die zuletzt mit „WALL·E“ [2008] und „Oben“ [2009] begeisterte, ließ den altgedienten Zeichentisch fast in Vergessenheit geraten. Disneys Entschluss, den bisherigen Konkurrenten für eine Rekordsumme aufzukaufen, war somit einerseits die einzig logische Konsequenz einer rasch fortschreitenden Entwicklung, andererseits ein kluger Schachzug, um die fast brachliegende Zeichentrickabteilung ohne Marktdruck wieder mit Leben zu füllen. Denn während alle Welt dem Digitalfilm beiwohnte, wie er in stetig steigender Zahl im Kino Einzug hielt, bedeutete der Aufkauf Pixars durch Disney nicht etwa auch den gleichzeitigen Verkauf einer Seele. Im Gegenteil. Still und heimlich wurde an dem 49. abendfüllenden Zeichentrickfilm gearbeitet, ganz den alten Wurzeln folgend. Entstanden ist ein wunderbar altmodisches Werk, das vor allem den Geist der guten alten Zeit atmet. Ein längst überfälliger Weg in die richtige Richtung gar?


Unsere märchenhafte Geschichte beginnt im lebensfrohen New Orleans, Anfang des letzten Jahrhunderts. Die junge Kellnerin Tiana jobbt hart, um der Erfüllung ihres Traums – einem eigenen Restaurant – näher zu kommen. Doch die anfangs so gut stehenden Zeichen wandeln sich zum wiederholten Rückschlag. Alle Hoffnung scheint verloren, bis sie eines Tages in Gestalt eines sprechenden Frosches erscheint. Tiana, die sich zwischenzeitlich im aus Kindheitstagen bekannten Märchen vom Froschkönig wähnt, traut zunächst ihren Augen und vor allem ihren Ohren nicht. Doch anfängliche Skepsis weicht der Aussicht auf eine Chance, denn der angeblich verzauberte Prinz namens Naveen bittet um nur einen Kuss, der zum einen sein grünes Dasein beenden und zum anderen Tianas Herzenswunsch in greifbare Nähe rücken soll. Leider erweist sich der Kuss letzten Endes als äußerst schicksalshaft, lässt er doch Naveen nicht etwa seine Menschengestalt zurückerlangen, sondern im Gegenteil nun auch noch Tiana zum hüpfenden Grünvieh mutieren. Zusammen fliehen die beiden auf der Suche nach Rettung aus der misslichen Lage in die sumpfigen Bayoos und geraten damit in ein turbulentes Abenteuer rund um verliebte Glühwürmchen, gefährlichen Voodoo-Zauber und einen musikbegeisterten Alligator...


Disneys 49. abendfüllender Animationsfilm „KÜSS DEN FROSCH“ („The Princess and the Frog“) markiert in zweifacher Hinsicht eine Renaissance. Während die altgedienten Regisseure Ron Clements und John Musker ihren Anfängen beim Maus-Konzern huldigen und einen insgesamt schwungvoll inszenierten Trickfilm im Stile ihrer früheren Meisterwerke „Arielle, die Meerjungfrau“ [1989] oder „Aladdin“ [1992] vorlegen, erfährt auch die um die Jahrhundertwende herum verortete Südstaatenmetropole New Orleans auf optisch wie auch akustisch beeindruckende Weise ihre Wiedergeburt. An allen Ecken und Enden pulsiert das Leben, regiert die von jazzigen Trompetenklängen umsäumte afroamerikanische Lebenslust den Alltag, wird Vergangenes zur Gegenwart. Der von Randy Newman („Toy Story“ [1995]) komponierte Musical-Score zählt hierbei ohne Zweifel zum Schmissigsten, was in der mittlerweile über 70jährigen Geschichte des Unternehmens zu hören war. Unverbraucht modern wie nie und doch wunderbar altmodisch präsentiert er sich, der Mix aus 20er Jahre-Blues, Gospel- und Zydeco-Klängen und untermauert – musikalisch zum Hochgenuss gereift – mit spielerischer Leichtigkeit, wie eine Rückbesinnung auf bekannte Tugenden auszusehen hat, ohne bloß Altbekanntes zu kopieren. „Der König der Löwen“ [1994] hatte Elton John, „Tarzan“ [1999] nannte Phil Collins sein Eigen. Die neueste Schöpfung hingegen besinnt sich schlicht auf ein längst vergessen geglaubtes Lebensgefühl musikalischer Spielfreude und lässt es in bunten, schwelgerischen Bildern wiederauferstehen. Und auch wenn die deutschen Synchronstimmen – etwa Jazzsänger Roger Cicero oder Soulstimme Cassandra Steen – in den normalen Sprechpassagen etwas die Professionalität der sonstigen Synchrongrößen vermissen lassen, wird dieses Manko spätestens in den zahlreich vorhandenen Gesangseinlagen wieder ausgebügelt. Die Vermischung von Alt und Neu hat einfach ihren Reiz!


Doch wo Licht, ist auch Schatten, und kein Disney-Film wartet ohne das wiederkehrende Gut gegen Böse-Schema auf. Den düsteren Gegenpol zur unbändig bunten Ausgelassenheit bildet bei „KÜSS DEN FROSCH“ die dämonische Schattenwelt rund um den ominösen Dr. Facilier, der sich der Mächte der Finsternis bedient, um der Frösche habhaft zu werden. Diese Sequenzen zählen zu den atmosphärischsten des gesamten Films, können jedoch gerade die ganz kleinen Zuschauer ob ihrer vorherrschenden Düsternis verschrecken, wenngleich die Intensität ebenjener Szenen zu keinem Zeitpunkt die Grenzen des Zumutbaren überschreitet. Denn die moderne Mär, die sich nur in Grundzügen an das Märchen vom Froschkönig hält, ist vordergründig ein Familienfilm, eine amüsant-romantische Märchenkomödie und als solche für alle Altersklassen freigegeben. Dementsprechend kann sich das Werk leider nicht von der ein oder anderen hektisch-übertriebenen Einlage („Tom und Jerry“ hätten ihre Freude!) freisprechen, und auch die Moral von der Geschicht’ fällt wieder einmal eher einfach aus („Glaube an deine Träume und lasse Märchen wahr werden“), passt jedoch im Nachhinein betrachtet perfekt in den zeitlichen Kontext. Denn zu einer Zeit, in der bereits der einst als bahnbrechend bezeichnete „Film aus dem Computer“ (der in den letzten Jahren neben einigen guten auch viele eher mittelprächtige Werke produziert hat) an deutlich sichtbaren Ermüdungserscheinungen leidet, war es schließlich der Glaube an den eigentlich schon an den Nagel gehängten Zeichenstift, der über der Entscheidung schwebte, es nach „Atlantis“ [2001] noch einmal zu wagen mit dem Neuanfang. Was nämlich bei der actionreichen Suche nach der verlorenen Stadt noch nicht so recht aufgehen wollte, dürfte bei „THE PRINCESS AND THE FROG“ endlich klappen. Einfach aus dem Grund, dass man nicht notgedrungen und zwanghaft Neues bieten muss, um einen Neustart zu versuchen. Manchmal reicht nämlich auch die schlichte Besinnung auf alte Tugenden, um sich selbst neuzuerfinden.


Ja! „KÜSS DEN FROSCH“ ebnet ausgelassen, tricktechnisch perfekt, frech, voller Wortwitz und etlicher Querverweise auf zurückliegende Klassiker den längst überfälligen Weg in die richtige Richtung. Fast möchte man angesichts derart viel Liebe zum Detail vergessen, dass das Genre, das den computeranimierten Film erst salonfähig machte, schon zwischenzeitlich für klinisch tot gehalten wurde. Bleibt zu hoffen, dass es langsam aber sicher wieder zu alter, geliebter Form aufläuft. Denn nie war Zeichentrick zeitgemäßer als in den heutigen von Sequels, Prequels und Remakes überfrachteten (Kino-)Zeiten.



Eine Rezension von Stefan Rackow
(09. Dezember 2009)
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Daten zum Film
Küss den Frosch USA 2009
(The Princess and the Frog)
Regie Ron Clements, John Musker Drehbuch Ron Clements, John Musker, Rob Edwards Story Ron Clements, John Musker, Greg Erb, Jason Oremland, Don Hall
Produktion Walt Disney Pictures / Walt Disney Animation Studios
Länge 97 Minuten FSK ohne Altersbeschränkung
http://disney.go.com/disneypictures/princessandthefrog/
Filmmusik Randy Newman
Originale / deutsche Sprecher Anika Noni Rose / Cassandra Steen (Tiana), Keith David / Thomas Amper (Dr. Facilier), Bruno Campos / Roger Cicero (Naveen), Jenifer Lewis / Marianne Rosenberg (Mama Odie), Michael-Leon Wooley / Bill Ramsey (Louis) u.a.
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