Frankfurt in den Fünzigern. Die karge Zeit der Entbehrungen scheint vorbei. Es geht wieder vorwärts. Es ist die Zeit des großen Aufschwungs, die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders.
Die schwarzen Mercedes rollen durch die Straßen. Wo man hin blickt werden Banken eröffnet.
Auch die aus einfachen Verhältnissen stammende Rosemarie Nitribitt möchte ein Stück vom Kuchen abhaben.
Den Aufstieg versucht sie durch Prostitution zu schaffen.
Ihre Kunden: wohlhabende Männer und Bosse von großen Konzernen, wie zB Konrad Hartog, der sie auch aushält und ihr sogar eine Wohnung finanziert.
Durch einen Zufall lernt sie den Franzosen Albert Fribert kennen. Zunächst denkt sie, dass der weltgewandte Mann ein ähnliches Interesse an ihr hat, wie all die anderen Kerle, die ihr begierige Blicke zuwerfen.
Doch Fribert ist vielmehr daran interessiert die naive Nitribitt zu seinem Werkzeug zu machen.
In Salon Kitty - Manier soll sie ihre Kunden, die allesamt Mitglieder von Kartellen sind, aushorchen: Die Bettkonversationen, in denen so manches gut gehütete Geheimnis ausgeplaudert werden kann, soll sie mit einem Tonbandgerät mitschneiden- und was das Wichtigste ist: all diese pikanten und vor allem wertvollen Informationen muss Rosemarie direkt an Fribert weiterleiten.
Sie sieht ihre Chance gekommen und lässt sich auf das Spiel mit dem Feuer ein. Ohne richtig zu ahnen in welche Gefahr sie sich begibt…..
Der Film basiert sehr lose und frei auf der wahren Geschichte der Rosemarie Nitribitt.
Am 1. November 1957 fand man sie in ihrer Wohnung: Tot, mit einer Platzwunde am Schädel und Würgemalen am Hals.
Ihr Fall sorgte in der Bundesrepublik für Aufsehen. Das Verbrechen wurde jedoch nie geklärt.
Diese True Story dient Regisseur Rolf Thiele jedoch nur als Aufhänger für eine beißende Satire auf das deutsche Wirtschaftswunder. Den neuen Kapitalisten, zB in Form von Gert Fröbe, wird genauso wie der damaligen Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten.
Eingebettet ist all das in ein Moritat auf die unglückselige Rosemarie. Passend dazu wird immer wieder gesungen. Mario Adorf und Co. agieren so als „Bänkelsänger“, die durch die Straßen stromern, das Banjo oder die Gitarre in der Hand( man kennt das zB auch aus „Cat Ballou“) das Geschehen spöttisch kommentierend. Das sorgt zwar stellenweise für einige Lacher, immerhin sind die Texte wirklich witzig geistreich, auf Dauer geht es einem dann aber nur noch auf die Nerven.
Regisseur Thiele verbindet die gesellschaftskritische Satire zusätzlich noch mit einer Krimihandlung.
Dazu passt auch, dass der Film in atmosphärischem Schwarzweiß gehalten ist.
Zudem fährt der Film ein Aufgebot deutscher und österreichischer Schauspieler auf, das sich wahrlich gewaschen hat:
Gert Fröbe (Goldfinger) Hubert von Meyerinck und Werner Peters(Edgar Wallace-Filme),Mario Adorf (
Der Mafiaboss ), und eben Nadja Tiller in der Hauptrolle- um nur einige zu nennen..
Der Film erscheint jetzt in einer neuen Kanon-Reihe von Arthaus in Zusammenarbeit mit dem Kulturspiegel, die sich ganz dem deutschen Film widmet (und Klassiker wie
Die Brücke oder
Deutschland Im Herbst präsentiert.
Die Geschichte der Nitribitt gehört in jedem Fall zu den sehenswertesten Produktionen aus deutschen Landen-trotz des ein wenig eigenartigen Aufbaus der Geschichte als Moritat.