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The Thing Called Love

The Thing Called Love

Ein Film von Peter Bogdanovich

THE THING CALLED LOVE ist einer von Peter Bogdanovichs größten Flops (und davon hatte er ein paar) und wird mancherorts als der schlechteste Film des Jahres 1993 bezeichnet. Bei uns kam er nie in die Kinos und eine DVD gibt es hierzulande auch nicht. Es existiert aber eine deutsche Synchro, der Beweis liegt auf einer VHS Kassette bei Opa im Keller.

Außerdem ist er warmherzig, lustig, clever erzählt und sympathisch gespielt. Meine Beziehung zu ihm hat in der Linzer Musikbücherei begonnen. Weil ich nämlich, wie Russel Hammond "einfach alles" an Musik liebe, ich mir dieses Alles aber nie leisten konnte, habe ich jahrelang tonnenweise CDs in der Musikbücherei entlehnt und bin so auf den Soundtrack von THE THING CALLED LOVE gestoßen. Meine erste Country-CD, die Kassette davon existiert noch und eiert mittlerweile gewaltig. Meine Eltern mussten damals das Premiere Gratismonat-Probeabo bestellen, denn THE THING CALLED LOVE lief gerade diesen Monat, was wieder zu der VHS Kassette in Opas Keller führt.
The Thing Called LoveThe Thing Called LoveThe Thing Called Love
Nur mit ihrer Gitarre und einer Tasche kommt Miranda Presley (Samantha Mathis) nach Nashville. Sie will Countrymusikerin werden und quartiert sich in einem Motel gegenüber des Bluebird Cafes ein, in dem sich unzählige, hoffnungsvolle Menschen wöchentlich zu einer Open Stage treffen und um ein Engagement spielen. Dort trifft Miranda die liebenswerte, naive Linda Lue Linden (Sandra Bullock), musikalisch ein völlig hoffnungsloser Fall, den netten Kyle Davidson (Dermot Mulroney), den Bob Dylan der Truppe – talentierter Songwriter mit flacher Stimme, der leider nur jeden dritten Ton trifft - und James Wright (River Phoenix), den arroganten Rockstar, der seine Songs auch schon verkauft hat.

Zwischen den Vieren entwickelt sich ein Beziehungsgeflecht, dass Bogdanovich mit viel Gefühl und leisen Zwischentönen erzählt und in dem vorallem der Zustand des Liebens-aber-nicht-Verliebtseins viel Raum einnimmt. Die starken Schauspieler füllen diese Beziehungen mit soviel Leben und ebendiesen Zwischentönen, dass zuweilen Magie entsteht. Etwa wenn James und Miranda vom Dach des Krankenhauses der Stadt ihren trotzigen Schwur "Hello music city, here I come and I'm never leaving" entgegenbrüllen. Oder wenn Kyle Miranda im Studio seinen Song singen hört und man in seinem Gesicht sieht, wie begeistert er von ihr ist und er dabei gleichzeitig weiß, dass er sie nie kriegen wird. Oder wenn James am Ende zum ersten Mal den Schmerz spürt, den er in seinen Liedern immer besingt. Und natürlich wenn James und Miranda spontan nach Graceland fahren und im Überschwang der Gefühle mitten in der Nacht in einem Supermarkt heiraten, mit Plastikringen aus dem Kaugummiautomaten.
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Darüber hinaus gelingt es dem Film, die oft geschmähte Countrymusik und das dahinter liegende Lebensgefühl als wahrhaftig und lebensnah einzufangen und darzustellen. Viele Szenen drehen sich um Songs und das Schreiben von Songs. Miranda, die nächtelang mit ihrem Notizblock im Cafe sitzt und an ihren Songs bastelt. James, der in alltäglichen Situationen Zeilen für Songs hört. Kyle, der seinen ganzen Frust und Schmerz in seine Balladen gießt und sie mit brüchiger Stimme vorträgt. James und Miranda, die auf der Ladefläche eines Pick-Ups sitzen, im Autokino "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" sehen und einen Song über das älteste Thema der Welt improvisieren - Two guys, one girl. In einer der lustigsten Sequenzen des Films brechen Kyle und Miranda in das Auto von Countrystar Trisha Yearwood ein, um ihr ein Tape mit Kyles neuem Song ins Autoradio zu schieben. Sie werden natürlich verhaftet, doch Yearwood sieht von einer Anzeige ab, weil sie den Song haben möchte.

THE THING CALLED LOVE beschreibt Songwriting als eigene, wertvolle Kunstform und als Handwerk, das geübt werden kann. Wir begleiten Miranda und hören, wie sie ihr Talent mehr und mehr schärft, wie ihre Songs stärker und stärker werden und wie sie nach und nach immer besser auszudrücken versteht, was sie fühlt.

Wie viele andere Filme Bogdanovichs ist auch dies ein Schauspielerfilm und alle vier Hauptdarsteller liefern Performances ab, die es eigentlich nicht verdienen, vergessen zu werden. Sandra Bullock hat in ihrer Tollpatschigkeit ebenso unser Mitgefühl, wie wir mit Dermot Mulroney leiden wenn er sich in Miranda verliebt, sie aber nicht kriegen kann und sich mit seinem Schmerz in Bier und Musik flüchtet.
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River Phoenix gibt seinem arroganten und selbstgefälligen James eine Selbstverständlichkeit, mit der er es schafft, uns in nur einer Szene zuerst mit seiner Großkotzigkeit abzustoßen und in der nächsten Sekunde wieder mit einem Lächeln einzuwickeln. Nur in wenigen Momenten lässt er seine Maske fallen und man sieht das unsichere, verlassene Kind in ihm, nur um sich sofort wieder hinter seiner Überheblichkeit und irgendwelchen lustigen oder verletzenden Meldungen zu verschanzen. Dass Miranda ihm verfällt ist, aber nicht bei ihm bleiben kann ist völlig klar. Phoenix spielt ihn so makellos und fließend, dass jedes Lob, das er als Schauspier bekommen hat, gerechtfertigt ist.

Samantha Mathis, aus der leider viel zu wenig geworden ist, spielt Miranda als Mädchen, in das man sich fast verlieben muss. Wie sie hoffnungsvoll und blauäuig ihre Lieder spielt und erkennt, wieviele andere gute Songwriter es gibt. Wie sie James Kontra gibt und nur deshalb für ihn interessant und ihm am Ende auch überlegen ist. Wie sie sich warmherzig um die naive Linda Lue kümmert, bis es ihr zuviel wird. Wie sie für Kyle nicht das sein kann was er sich wünscht, sie sich aber trotzdem um ihre Freundschaft bemüht. Wie sie am Ende "Maybe God's a woman too" singt und uns zeigt, dass sie trotz all den Streitereien, zerbrochenen Beziehungen und gescheiterten Karriereplänen als einzige die Hoffnung und Zuversicht nicht aufgegeben hat und allen den Atem raubt. Und dann noch dieses ansteckende Lächeln. So ist THE THING CALLED LOVE wie seine Hauptfigur Miranda Presley – nicht frei von Fehlern, aber man genießt jede Minute mit ihr.

Es gibt kaum Filme, die ich öfter gesehen habe und die näher an meinem Herzen sind. Ich habe komplette Dialogpassagen auswendig im Kopf und verwende gewisse Phrasen in meinen alltäglichen Konversationen so automatisch, dass ich oft garnicht merke, dass ich gerade THE THING CALLED LOVE zitiere. Und deshalb ist dies auch wahrscheinlich die einzige Besprechung dieses Films, in der nicht im ersten Absatz erwähnt wird, dass es River Phoenix letzter Film war.

Eine Rezension von Chris S.
(06. Dezember 2009)
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Daten zum Film
The Thing Called Love USA 1993
(The Thing Called Love)
Regie Peter Bogdanovich Drehbuch Carol Heikkinen
Produktion Darlene K. Chan, John Davis Kamera Peter James
Darsteller Samantha Mathis, River Phoenix, Dermot Mulroney, Sandra Bullock
Länge 116 min. FSK 6
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