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Idiocracy

Idiocracy

Ein Film von Mike Judge

Wenn es ein Gefühl gibt, was wohl jeder kennt, dann ist es das, von Idioten umgeben zu sein. Wenn man Regisseur Mike Judge Glauben schenken mag, wird sich dies schon recht bald zum Normalzustand entwickeln.
Sein Film Idiocracy ist ein Werk, an dem sich die Geister scheiden. Zum einen entwirft er ein Szenario, das alles andere als politisch korrekt daherkommt und sich um guten Geschmack genauso wenig schert wie um Logik. Zum anderen ist er eine einzige Metapher für all die negativen Tendenzen in unserer Gesellschaft. Doch um nicht zu viel vorweg zu nehmen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Handlung.

Vorab wird der Zuschauer mithilfe eines Intros, welches für mich den humoristischen Höhepunkt des Films darstellt, informiert über die derzeitige evolutionäre Entwicklung. Diese äußert sich in einer stark absinkenden Geburtenrate der Bildungselite, da diese sich bevorzugt auf Karriere und Lebensplanung konzentriert. Währenddessen vermehrt sich die Unterschicht ungehindert und bedenkenlos wie eine Bande aggressiver Kaninchen. Was das zur Folge hat, dürfte klar sein: ein rapider Anstieg der Bevölkerung, verbunden mit dem Rückgang der durchschnittlichen Intelligenz.

Im Jahre 2005 sind die Auswirkungen jedoch noch überschaubar. In Washington DC plant die US Army ein geheimes Projekt namens „Winterschlaf“, bei dem sie ihre Spitzenkräfte in ein künstliches Koma versetzen und somit für spätere Zeitpunkte einsatzbereit halten möchte. Als erstes Versuchsobjekt wird der hauseigene Bibliothekar Joe Bauers ausgewählt, und zwar aufgrund seiner in jeglicher Hinsicht beeindruckenden Durchschnittlichkeit. Mit Luke Wilson wurde diese Rolle übrigens recht passend besetzt. Ob er dies jetzt als Kompliment nehmen darf, sei dahingestellt.
Versuchsperson Nummer zwei ist die Prostituierte Rita, besetzt mit Maya Rudolph, deren Leistung insgesamt eher blass ausfällt. Zusammen sollen sie für ein Jahr eingeschläfert und im Gefriertrockner sicher verwahrt werden. Durch einen internen Skandal bei der Army kommt es jedoch zur Schließung des Stützpunktes und das Projekt gerät in Vergessenheit. Somit verschlafen die Versuchspersonen mal eben ganze 500 Jahre, in denen die Welt sich völlig umgestaltet.
Als Joe schließlich im Jahr 2505 erwacht, sieht er sich umgeben von einem Haufen primitiver Vollidioten, in einer Gesellschaft, die so gut wie zusammen gebrochen ist. Die Menschheit hat sich offenbar so weit zurück entwickelt, dass ihr nunmehr einziges Interesse in der Befriedigung ihrer niedersten Bedürfnisse besteht. Allen voran die Kopulation.
Inmitten von Müllbergen und allgegenwärtiger Reklame macht der schockierte Joe sich auf die Suche nach einer Zeitmaschine, mit deren Hilfe er diesen Ort schnellstmöglich verlassen will. Doch da er mit den Regeln der neuen Welt noch nicht vertraut ist, stolpert er zunächst von einem Missgeschick ins nächste.
Nach einem unschönen Aufenthalt im Gefängnis, bei dem er sich einem Intelligenztest unterziehen muss, wird klar, dass Joes IQ im Vergleich zu dem der restlichen Bevölkerung unfassbar hoch ist. Als intelligentester Mensch der Welt steht ihm somit eine Audienz beim amerikanischen Präsidenten Camacho(Terry Crews) bevor, der ihn prompt zum Innenminister ernennt und dazu beauftragt, die gesellschaftlichen Probleme des Landes zu lösen. Seine erste Aufgabe soll darin bestehen, die stagnierende Landwirtschaft wieder funktionstüchtig zu machen. Die Menschen der Zukunft bewässern ihre Felder mit einer Art Energy Drink namens „Brawndo“, in dem angeblich „steckt, was Pflanzen schmeckt“. In diesem Fall handelt es sich dabei um Salze, die den Boden austrocknen und somit die Ernte verkümmern lassen.

Doch Joe hat kein Interesse daran, irgendwelche Probleme zu lösen. Alles, was er will, ist zurück in die Vergangenheit zu gelangen. Hilfe bekommt er dabei von Rita, die inzwischen ebenfalls erwacht ist, sowie dem bemerkenswert unterbelichteten Anwalt Frito (Dax Shepard), welcher die beiden zu der berüchtigten Zeitmaschine führen soll …
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Der Name Mike Judge dürfte vor allen denen ein Begriff sein, die sich zu den Fans seiner Serie „Beavis and Butt-Head“ zählen. Die erfolgreiche MTV-Produktion transportiert ebenfalls Sozialkritik in einer Weise, mit der sich nicht jeder anfreunden mag. Idiocracy ist der erste abendfüllende Spielfilm des Regisseurs und treibt mit seiner thematisierten Dystopie die Gesellschaftskritik auf die Spitze. Das Ganze natürlich nicht gerade subtil, sondern in einer offensiven Darstellung, die sich leider allzu häufig bei genau dem bedient, wogegen es eigentlich abzielen möchte.

Die vordere Filmhälfte kann man im Großen und Ganzen als gelungen bezeichnen. Joes erste Schritte in der Zukunft sind gepflastert mit zahlreichen Seitenhieben auf unsere geliebte Konsumgesellschaft und allerlei andere Institutionen. So bietet zum Beispiel eine bekannte Kaffeehauskette auf einmal verschiedenste sexuelle Dienstleistungen, wie einen „Full Body Latte“ an. Penetrante Reklame, Nachrichtensprecher in Reizwäsche, niveaulose Fernsehsendungen und ein völliger Verlust von kulturellen Werten sind nur einige der Anspielungen auf die bedenkenlose Vernachlässigung klassischer Ideale zugunsten konsumistischer Reizüberflutung und Sexualisierung. Das mag so ziemlich konservativ klingen, doch der Film macht keine Anstalten, sich selbst ernst zu nehmen und somit gestalten sich die ersten 40 Minuten als spaßige Rundfahrt durch menschliche Abgründe.

„Du hast also vor, die Pflanzen mit Wasser zu bewässern? Wasser… das aus der Toilette?“

Leider geht dem Ganzen in der zweiten Hälfte die Puste aus und dem Zuschauer so manches auf die Nerven. Ein auffälliger Kritikpunkt wären zum einen die zahlreichen Logiklücken. Abgesehen von der fragwürdigen Funktionstüchtigkeit eines Gefriertrockners über 500 Jahre hinweg, stellt man sich ebenso Fragen wie: Warum werden in einer solch heruntergekommenen Gesellschaft Institutionen wie Politik oder das Rechtswesen überhaupt noch aufrechterhalten? Wenn die gesamte Menschheit noch nicht einmal einfachste Matheaufgaben lösen kann, wer wartet dann alle technischen Geräte bzw. konstruiert derart aufwendige Kampfmaschinen (gemeint ist die „Reanimierung“ in der zweiten Filmhälfte)?
Da der Film jedoch keinerlei Anspruch auf Genauigkeit zu erheben scheint, und sich selbst eher als B-Movie abstempelt, kann man diese Dinge als förderlich für den angestrebten Trash-Faktor sehen. Ebenso wie die auffällig sichtbaren Hintergrundkulissen, die oft nur aus bemalten Leinwänden zu bestehen scheinen. Hier zeigt sich nicht nur einmal das geringe Budget des Films.

Was einem aber wirklich sauer aufstößt, sind die sich mit der Zeit wiederholenden und immer platter werdenden Witze. Indem der unterirdische Humor nach und nach zum Selbstzweck verkommt, verschießt der Film sein Pulver, da er sich zu sehr der Darstellung von primitivem Verhalten widmet, anstatt sein Potential voll auszuschöpfen. Um so etwas witzig zu finden, muss man wohl selbst zu der Sorte Mensch des Jahres 2505 gehören. Die Ironie dabei ist, dass uns auf diese Weise gewissermaßen ein Spiegel vorgehalten wird, denn sind wir, die sich über das Gezeigte (zumindest teilweise) amüsieren, eigentlich so viel besser?
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Trotz gerade mal 84 Minuten Laufzeit hat man das Gefühl, als würde Joe einmal zu oft daran scheitern, gegen die ignorante Masse anzureden und das Ganze zieht sich spürbar in die Länge. Das kann auch die gut gemeinte Botschaft am Ende nicht ganz ausbügeln.
Was vom Film jedoch übrig bleibt, ist seine amüsante Grundidee, sowie einige Witze, die wirklichen Kultcharakter haben. Ob es nun die geliebten Elektrolyte in Brawndo sind, oder der Repräsentant des Landes, welcher bereits eine Porno- und Wrestling Karriere hinter sich hat, vieles ist einfach so treffend überzeichnet, dass es trotz allem hängen bleibt und unvermeidlich zur Frage führt: Wie weit ist unsere Gesellschaft eigentlich noch von solchen Zuständen entfernt? Zur individuellen Recherche empfehle ich einen Blick ins Vormittagsprogramm einschlägiger Fernsehsender ...

Eine Rezension von Caren Pauli
(23. Mai 2012)
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Daten zum Film
Idiocracy USA 2006
Regie Mike Judge Drehbuch Mike Judge, Etan Cohen
Produktion Mike Judge, Elysa Koplovitz Kamera Tim Suhrstedt
Darsteller Luke Wilson, Maya Rudolph, Dax Shepard, Terry Crews, Justin Long, Andrew Wilson
Länge 84 Minuten FSK 12
Filmmusik Theodore Shapiro
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