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Spider-Man: Homecoming

Spider-Man: Homecoming

Ein Film von Jon Watts


DAS FREUNDLICHE REBOOT AUS DER NACHBARSCHAFT


Es grenzt schon an ein kleines Wunder. Denn während Superheld Spider-Man in den Comics bereits mehrfach gemeinsame Sache mit den Avengers um Captain America und Iron Man machen durfte, war eine filmische Zusammenkunft dieser Marvel-Charaktere im Kino bisher immer gescheitert, da die Rechte an den Figuren bei verschiedenen Filmstudios liegen. Wie im ähnlichen Fall von 20th Century Fox, wo nach wie vor die X-Men ihr Zuhause haben, spendiert Sony Pictures seit Jahren Spider-Man nebst Nebenfiguren ein Dach über dem Kopf, während das Multi-Milliarden-Großprojekt namens MCU unter der Disney-Schirmherrschaft dessen ungeachtet sein filmisches Universum mit dem „kläglichen“ Rest an Comic-Charakteren kontinuierlich ausbaut. Doch jetzt, 15 Jahre nach ihrem Blockbuster-Debüt und im Jahre 3 nach Andrew Garfield, kehrt die verlorene Spinne tatsächlich nach ihrem umjubelten Kurzauftritt in „The First Avenger: Civil War“ [2016] in einem arachniden Solo-Film für das Marvel Cinematic Universe auf die Kinoleinwände zurück. Und wir fragen uns einfach mal insgeheim, wieviele Fäden für diese Zusammenkunft wohl gesponnen werden mussten. Es dürften etl
iche gewesen sein.


Das letzte Abenteuer von Spider-Man in „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ [2014] hatte seine unbestreitbaren Macken: zu viele Höhenflüge, zu wenig Tiefe. Und ja, wir reden hier immer noch über eine Comicverfilmung und kein Shakespeare-Drama. Doch wenn man in einer Neuausrichtung nun einmal gezielt Geister ruft, diese dann aber nicht gezähmt bekommt, darf dies auch kritisiert werden (siehe unsere ausführliche Kritik). So verfing sich Andrew Garfields Emo-Spinnenmann leider zusehends im eigens gesponnenen Netz und machte den Weg frei für schlaflose Nächte aufseiten des Studios. Der vermutlich sehr kurzfristig getroffene Entschluss, Spider-Man doch am „Civil War“ der erfolgsverwöhnten Konkurrenz teilhaben zu lassen, dürfte daher als Blaupause bezeichnet werden, die sich letzten Endes ausbezahlen sollte: für nicht wenige Kinogänger war der nunmehr frech-kindliche Spider-Man nämlich das Glanzstück des Filmes, obwohl sein Auftritt nur wenige Minuten ausmachte. Wie gut würde sich der neue Peter Parker dann wohl erst in einem eigenständigen Film schlagen?


Um es vorweg zu nehmen: gar nicht mal schlecht, wenngleich die Spinne aus der Nachbarschaft den Vorschusslorbeeren, die sie im „Civil War“ noch geerntet hat, hier (noch) nicht vollends gerecht wird. Zunächst jedoch ist der von Tom Holland (21) mit kindlich-verschmitztem Charme gespielte Superheld näher am Teenager-Spider-Man der Comics, als es Toby Maguire (bei seinem Debüt 26 Jahre alt) und – mit Abstrichen – ein jung gebliebener Andrew Garfield (damals bereits 29) jemals waren. Holland geht nicht nur äußerlich perfekt als 15-jähriger Teenie durch; auch das permanent lose Mundwerk des Wandkrabblers, das Leser der Comics nur zu gut kennen, beherrscht er bereits perfekt. Keine Situation bleibt unkommentiert, mindestens ein frecher Spruch kommt Peter Parker selbst in der brenzligsten Situation noch über die stoffüberzogenen Lippen. Dies mag auf der einen Seite vielleicht lästig und nach dem zigsten Kalauer arg repetitiv erscheinen, unterstreicht aber das Gemüt eines Highschool-Gängers, der in seiner Freizeit gerne mit dem besten Freund an einem Lego-Todesstern bastelt, ungemein effektiv. Und wenn dann noch der Homecoming-Ball ansteht und sich jeder ein Date suchen muss, ist das jugendliche Gemütschaos sowieso schon in Sphären vorgedrungen, die den Normalzustand überlagern.


Holland legt seine Figur hierbei erfreulich geerdet an, obwohl es ein Leichtes gewesen wäre, eine Überspitzung bis hin zur comichaft überzeichneten Karikatur aus diesen nicht rar gesäten Momenten zu ziehen. Dieser Peter Parker aber ist verletzt, wenn ihn seine Mitschüler als Verlierer dissen, und er wirkt wie ein verliebter Teenie, wenn er sich von Tante May (Marisa Tomei) Ratschläge für das bevorstehende Ball-Date mit seinem Schwarm geben lässt. Natürlicher war Peter Parker wohl nie, so dass sich „SPIDER-MAN: HOMECOMING“ zuweilen wie ein humoriges Coming-of-Age-Drama geriert, das hier und da durch einige (wenige) Helden-Momente unterbrochen wird. „Bleib am Boden“, ermahnt ihn sein Mentor Iron Man (Robert Downey Jr.) in einer der raren, gemeinsamen Szenen, und die Forderung findet augenscheinlich Gehör. Die große Action-Sequenz, die man in einem Marvel-Blockbuster zwangsläufig vermutet, gibt es nicht, nur vereinzelt kracht es einmal im größeren Rahmen. Ansonsten regiert die Weniger ist Mehr-Devise, die nach dem Schurken-Schaulaufen in „Rise of Electro“ mit offenen Armen willkommen geheißen wird. Es gibt mit The Vulture (Ex-Batman Michael Keaton) genau einen Schurken, der Spider-Man im neuen Abenteuer das Leben schwer macht. Ein Schurke, der nicht einmal unbedingt eine bedrohliche Maske benötigt, um einschüchternd zu wirken. So schaltet Keaton kurzerhand in den Birdman-Modus und sorgt in einer kammerspielartigen Sequenz zwischen ihm und Holland für echte Gänsehaut, die sich auch auf das Publikum überträgt.


Dieser „Rückschritt nach vorne“, den „Cop Car“-Regisseur Jon Watts mit seiner bodenständigen Inszenierung begeht, weist definitiv in die richtige Richtung: Es waren bei Peter Parker nämlich schon immer die Alltagsabenteuer, die ihn bestimmten, formten, wandelten. Ob der Verlust seines Onkels, das Auf und Ab in der Liebe zu MJ Watson oder schlicht und ergreifend die fortwährende Brandmarkung als Außenseiter und Verlierer – der Comicheld Peter Parker führte und führt ein Leben, das im Grunde Abenteuer genug ist. Der Bombast sei der Gruppe vorbehalten, dieser Held ist der Held der kleinen Leute, der auch schon mal Navigator spielt, Katzen aus Bäumen rettet oder Autodiebstähle verhindert. Aber ja, die ein oder andere größere Bedrohung darf auch mal beseitigt werden, schließlich muss man für das nächste große Avengers-Treffen gewappnet sein.


Dieses wird dann auch unter Garantie spektakulärer, größer und lauter ausfallen als „SPIDER-MAN: HOMECOMING“, der noch etwas zu brav erscheint und trotz einer Elite an Drehbuchautoren (sechs an der Zahl) am Ende des Tages wenig Neues und Originelles zu erzählen weiß. Abgesehen von ein, zwei wirklich lustigen Einfällen und einem unvorhersehbaren Twist gen Ende schwingt sich Spider-Man in etwas gestreckt wirkender Überlänge (133 Minuten) auf allzu bekanntes Terrain, was durchaus wenig mutig, aber zumindest nicht bemüht-gewollt daherkommt. Vielleicht ist die Erkenntnis dieses Films ja, dass wahre Helden im Kleinen geboren werden. Ant-Man kann ein Lied davon trällern. Wenn dem so ist, kann man Peter Parker nur zurufen: Klassenziel erreicht. Und was das Potential nach oben anbelangt, bleiben wir bei all den guten Vorzeichen einfach mal optimistisch. Denn manchmal muss man eben erst einmal heimkehren, um danach richtig durchzustarten.


Das bisherige MCU, bei uns ausführlich rezensiert:

Iron Man“ [2008], „Der unglaubliche Hulk“ [2008], „Iron Man 2“ [2010], „Thor“ [2011], „Captain America: The First Avenger“ [2011], „The Avengers“ [2012], „Iron Man 3“ [2013], „Thor – The Dark Kingdom“ [2013], „Captain America 2: The Return of the First Avenger“ [2014], „Guardians of the Galaxy“ [2014], „Avengers: Age of Ultron“ [2015], „Ant-Man“ [2015], „The First Avenger: Civil War“ [2016], „Doctor Strange“ [2016], „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ [2017]


Cover: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH


Eine Rezension von Stefan Rackow
(13. Juli 2017)
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Daten zum Film
Spider-Man: Homecoming USA 2017
Regie Jon Watts Drehbuch Jonathan Goldstein, John Francis Daley, Jon Watts, Christopher Ford, Chris McKenna, Erik Sommers Story Jonathan Goldstein & John Francis Daley
Produktion Columbia Pictures / Marvel Studios / Pascal Pictures Kamera Salvatore Totino
Darsteller Tom Holland, Michael Keaton, Jacob Batalon, Laura Harrier, Tony Revolori, Donald Glover, Zendaya, Jon Favreau, Marisa Tomei, Robert Downey Jr., Tyle Daly, Gwyneth Paltrow, Chris Evans, u.a.
Länge 133 Minuten FSK ab 12 Jahren
Filmmusik Michael Giacchino
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