Nachdem sich
Tom Cruise mit der erfolgreichen ersten „
Mission: Impossible“ [1996] weltweit einen Namen als Actionstar gemacht hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Realisierung der Fortsetzung ins Haus stehen sollte. Als Regisseur konnte man den Action-Virtuosen
John Woo gewinnen, der bereits mit „
Im Körper des Feindes - Face/Off“ [1997] bewiesen hat, dass ihm in Sachen kunstvoll arrangierter Action so schnell niemand das Wasser reichen kann.
Von daher standen die Zeichen im Grunde gut, dass auch
„MISSION: IMPOSSIBLE II“ erfolgreich und gut werden würde. Zumindest eines davon hat der Film geschafft, wie ein kurzer Blick auf die enttäuschende Bewertung deutlich macht.
IMF-Agent Ethan Hunt (diesmal langhaarig: Tom Cruise) bekommt einen neuen Auftrag. Der zur anderen Seiten übergewanderte Agent Sean Ambrose (farblos: Dougray Scott) beabsichtigt, mit dem Supervirus „Chimera“ die ganze Welt zu infizieren, nur um anschließend das ebenfalls in seiner Gewalt befindliche Gegenmittel an den Mann/die Frau zu bringen. Um diesen heimtückischen Plan zu vereiteln, soll Hunt die Diebin Nyah Hall (Thandie Newton) aufspüren und mit ihrer tatkräftigen Unterstützung die „Mission Impossible“ bestreiten. Die beiden finden das Versteck des Virus’, geraten dabei jedoch mit Ambrose zusammen. Dieser findet es natürlich weniger toll, dass die letzten Proben des Virus’ im Begriff sind, durch Hunt und Hall vernichtet zu werden. Es kommt zum Kampf, in dessen Verlauf Hall sich selbst die letzte Probe des Virus injiziert, um zu verhindern, dass sie Ambrose in die Hände fällt. Dieser nimmt kurzerhand Hall als Geisel und beabsichtigt, sie nach den 20 Stunden Inkubationszeit auszusetzen und dem Virus freien Lauf zu lassen. Hunt bleibt nicht viel Zeit, Hall zu finden und den tödlichen Virus endgültig unschädlich zu machen.
Schon dieser Storyabriss lässt erahnen, was das Hauptproblem des Films ist: Die Geschichte um einen Todesvirus ist alles andere als originell und dient letztlich nur als schmuckloses Beiwerk für eine ganze Reihe von uninspirierten Actionszenen. Konnte man im ersten Teil noch miträtseln, wer sich wohl als Bösewicht herausstellt, wird in Teil 2 hierauf rigoros verzichtet, so dass die Fortsetzung der Agentenhatz zur ermüdend eindimensionalen Stuntshow verkommt, deren Hauptanliegen es ist, den ach so unverwundbaren Tom Cruise möglichst gut aussehen zu lassen. Dass dies dem ganzen Film im Hinblick auf die sowieso schon arg unrealistischen Stunt-Sequenzen nicht gerade zuträglich ist, würde wahrscheinlich selbst jemand unterschreiben, der mit Filmen rein gar nichts am Hut hat.
Es ist hinlänglich bekannt, dass John Woo ein Faible für Action hat, was an sich auch eine gute Sache ist. Wenn die Action in der richtigen Dosierung in eine Story eingebaut wird, kann unter Umständen ein sehr überzeugendes Endprodukt dabei herauskommen (z.B. der oben erwähnte „Face/Off“).
Kann. Und auch nur unter Berücksichtigung der Reihenfolge
Story schreiben – Action einbauen. Der Film stellt in dieser Hinsicht ein echtes Kuriosum dar, soll doch bei Drehbeginn noch gar(!) kein(!!) Drehbuch exitiert haben, sonderlich lediglich das Konzept für Actionszenen. Um diese herum sollte dann die Geschichte geknüpft werden. Folge war, dass sich zum Teil einige Storyelemente während des Drehens spontan ergaben. Spätestens hier hat sich der Film selbst disqualifiziert, da deutlich wird, dass der Story von Anfang an keine allzu große Bedeutung zukommen sollte. Leider wusste wohl keiner der Verantwortlichen, dass 90% Action und nur 10% belanglose 08/15–Geschichte in einem als Agenten-Thriller angelegten Film nicht sonderlich gut bzw. überhaupt nicht ausgewogen sind. Da nützt es auch nichts, dass für die Geschichte immerhin drei (!) Autoren verantwortlich zeichneten.
Und so stolpert Tom Cruise reichlich unmotiviert und lustlos an weißen Tauben vorbei in gewohnter John-Woo-Zeitlupen-Manier durch knappe zwei Stunden Filmhandlung, die jedoch viel, viel länger erscheinen. Das Fehlen einer ordentlichen Story degradiert alle Hauptdarsteller zu Nebendarstellern in einem ausnahmslos unruhigen und lauten Action-Feuerwerk, das vieles sein will, aber an diesem Anspruch gnadenlos scheitert. Kurze Action-Szene reiht sich an längere Action-Szene, kurz unterbrochen von einem Story-Element, nur um anschließend mit einer noch längeren Actionszene aufzuwarten. Der Versuch, die fast nicht existente Story durch einige müde Verwandlungs-Spielchen aufzupeppen, zeugt von der traurigen Einfallslosigkeit, die die Drehbuchautoren befallen zu haben scheint. Dabei hat gerade Robert Towne im ersten Teil bewiesen, dass er (konfuse) Verschwörungsgeschichten zu schreiben imstande ist. Wahrscheinlich hätte dieser Punkt, der dem ersten Teil noch eine „gute“ Bewertung abspenstig machte, die Fortsetzung vor dem Totalausfall bewahrt. So kann man diese im wahrsten Sinne des Wortes
unmögliche Mission nur als gescheitert bezeichnen. Schade. Mit
„MISSION: IMPOSSIBLE II“ hat sich der einst so famose John Woo definitiv keinen Gefallen getan.
Auch interessant:
"
Mission: Impossible III" [2006]