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Turistas

Turistas

Ein Film von John Stockwell

Das Schema ist altbekannt: Junge Menschen, vorzugsweise Amerikaner, geraten in einem „wilden“ Land wie Tschechien in die Fänge skrupelloser Einheimischer, die aus irgendeinem niederen Motiv den Leuten ans Leder wollen. Dies geschieht dann auch in blutigen Details, und mit irgendeinem mehr oder minder fadenscheinigen Kniff kann ein Teil der Gruppe fliehen, um letztendlich nach längerer Verfolgung mit den Bösen abzurechnen. Variationen sind nicht erwünscht, nur das Szenario wird geändert, während das Ziel harte Effekte aufzufahren immer großzügig erfüllt wird, ohne auch nur einen Gedanken an Innovationen, Ideen oder Witz jeglicher Dimension zu vergeuden. Das Mainstream-Publikum lechzt scheinbar nach immer härteren Effekten, auch in Kino-Produktionen; die Firmen bedienen das. Ihnen ist also insofern wenig Vorwurf zu machen, wo eine Nachfrage, da ein Angebot. Turistas aka Paradise Lost ist hierfür ein perfektes Beispiel.

Erneut geht es um ein paar junge hübsche Menschen, die in einem exotischen Land (hier: Brasilien) Urlaub machen. Sie möchten trinken, sie möchten feiern, sie möchten eine schöne Zeit haben, und der ein oder andere Geschlechtsverkehr würde sicher laufen. Wenn, ja wenn da nicht die böse einheimische Gangsterbande wäre, die die armen Touristen erst betäubt, dann ausraubt und letztendlich verschleppt (was irre umständlich ist, aber nun gut). Diesmal geht es aber nicht wie in Hostel um den puren Spaß am Mens
chen quälen und töten, sondern die Motive der Gangster sind bodenständigerer Natur: der schnöde Mammon ruft infolge des illegalen Organhandels. Das die Sache so überhaupt nicht durchdacht ist (als Motiv gibt der Oberfiesling in einem „HALLO-ICH-BIN-DIE-EXPOSITION“-Monolog an, dass die reichen Amerikaner die Organe von armen Brasilianern kaufen, was er ihnen jetzt zurückgeben will; dass die armen Brasilianer aber bestimmt nichts von den entnommen Organen der Touristen haben werden, scheint weder ihm noch den Film in den Sinn zu kommen), können wir mal beiseite wischen. Ironischerweise sollte eigentlich erst Eli Roth den Film drehen, trat jedoch die Regie ab und übernahm stattdessen Hostel. Nunja.

Platz auf dem Regiestuhl nahm dafür John Stockwell. Der actor-turned-director hat bereits einige Erfahrung mit ähnlichen Sujets. So ist es keinerlei Überraschung, dass man sehr schöne Menschen in sehr knappen Klamotten durch sehr schöne Landschaften turnen sieht, was auch zugegebenermaßen sehr schön gefilmt ist. Wer also schon immer mal knackige Mädels in Bikinis an Traumstränden sehen wollte, ohne bei der Ausleihe in der Videothek rot anzulaufen, möge zu diesem Film greifen und zur Halbzeit umschalten. Dabei bleibt der Film trotz der andauernden sexy Bilder und Damen überraschend prüde, selbst für einen amerikanischen Horrorstreifen der immerhin ein R-Rating bekommen hat. Nur in der hier vorliegenden Unrated Fassung (aka Extreme Edition in UK...) gibt es zwei respektive vier nackte Tatsachen zu sehen. Ein paar Brüste gibt es zwar noch dazu, die hab ich aber bewusst nicht mitgezählt, aus folgendem Grund: Turistas bleibt im Vergleich zu anderen Filmen relativ zahm, es finden mehr Verfolgungsjagden als Foltereien statt, mit ein paar vereinzelten Gewaltspitzen. Besagte Oberweite wird aber dann in dem „Höhepunkt“ des Films enthüllt, in dem eigentlichen Klimax, wenn man die Goreseite betrachtet. In einer Seelenruhe wird da einer jungen, halbbewusstlosen Dame erst der Bauch aufgeschnitten, um dann ein paar Organe zu entfernen; nicht wirklich anregend.
TuristasTuristasTuristas
Die Kamera hält da selbstverfreilicht (in der Unrated-Fassung) auch munter drauf, in blutigsten Details, ruhigen Bildern und eben jenem Expositions-Monolog versucht der Film mal wieder eine Geschmacksgrenze zu überschreiten. Was ihm sicherlich auch gelingt, schön anzuschauen ist das ganze nicht; fiese Szene, die aber völlig exponiert in dem Streifen steht. In Zeiten von Saw III jetzt zwar auch kein Aufreger mehr, aber da Turistas keine ähnliche Schlachtplatte ist, fällt es halt doch auf. Ansonsten wird noch ein bisserl vor sich hingeschmoddert, allerdings nicht unbedingt weltbewegend. Technisch sicherlich sauber gelöst, eine Szene mit einem Essstäbchen strahlt (natürlich auch nur in der Unrated) einen unerwarteten Sadismus aus, aber ansonsten herrscht das große Gerenne und Getauche vor. Gerannt wird viel, in der zweiten Hälfte bei ziemlicher Dunkelheit im Regen, so dass ich lange Zeit Schwierigkeiten hatten, mir zu merken, wer denn überhaupt noch am Leben ist. Letztendlich geht der Film mitsamt Dramaturgie und Darstellern dann auf Tauchstation, wenn fast alle Charaktere sich minutenlang unter Wasser verfolgen, was ja nun weder die schnellste, noch die abwechslungsreichste aller Fortbewegungsarten darstellt. Schön gefilmt ist das, keine Frage (Stockwell inszenierte ja auch Jessica Albas Bikini-Werbung aka Into the Blue), nur geht die Übersicht hier völlig flöten, wenn sich im Halbdunkel und komplett Nass die männlichen Charaktere wie ein Ei dem anderen ähneln, und man sich die Namen der holden Weiblichkeit in dem Genre sowieso überhaupt nicht merkt.

Nebenbei gibt es noch ziemlich unverhohlenen Rassismus gegenüber den Brasilianern, da im Endeffekt alle, die mehr als Rumstehen zu tun haben, entweder Diebe, Mörder, Gauner oder sonstige Fieslinge sind. In einem halbherzig hingerotzten Ende wird das natürlich noch relativiert, nur sind vorher fast alle Einheimischen dementsprechend charakterisiert worden. Einzig die Tatsache des zumindest im englischsprachigen Originals multinationaler Casts, die einigermaßen sympathischen Charaktere, sowie der prinzipiell spannende Showdown unter Wasser mitsamt ausgehender Luft (leider zu lange ausgewälzt), heben den Film dann doch über Hostel hinweg.
Was bleibt also? Schöne Menschen werden von bösen Menschen gejagt, was durch die Verknüpfung von mehr oder minder unterschwelliger Sexualität der Bilder und dem Sadismus, blutigen Details und dem Adrenalinkick der verfolgten Menschen natürlich den Kritikern genug Angriffsfläche bietet und nicht zuletzt sich gefährlich nahe dem von mir so verhassten Begriff des sogenannten „Torture Porn“ nähert.

Also zusammenfassend ein weiterer Fire-and-Forget-Film des modernen Horrorkinos. Handwerklich sauber gemacht und schön gefilmt, aber ohne jede eigene Idee, mit bitterem Ernst und exakt nach dem Handbuch „Mainstream-Horror für Dummies“. Bloß nicht vom festgelegten Schema abweichen. Könnte ja was schiefgehen.

Wem's gefällt. Irgendwas zwischen drei und vier Sternen, aufgrund mangelnder Kreativität bleibts aber bei drei.

Eine Rezension von David Kugler
(14. Juli 2009)
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Daten zum Film
Turistas USA 2006
(Turistas)
Regie John Stockwell Drehbuch Michael Ross
Produktion 2929 Productions Kamera Enrique Chediak
Darsteller Josh Duhamel, Melissa George, Olivia Wilde, Desmond Askew, Beau Garrett
Länge 95:49 FSK 18
Filmmusik Paul Haslinger
Kommentare zu dieser Kritik
Bastian TEAM sagte am 14.07.2009 um 00:59 Uhr

Da gefällt mir aber HOSTEL schon weit besser! Erstens gingen mir hier die Charaktere auf die Eier und zweitens hatte besagter Vorgänger (und dessen Fortsetzung) trotz dem (von meiner Seite unverständlichen) massiv schlechten Ruf eine ganz ordentliche Atmosphäre zu bieten, die TURISTAS einfach abgeht.
Kann man wohl mal schauen, aber ein zweites Mal kann man sich dann auch wirklich sparen.
Micha Barbarez sagte am 14.07.2009 um 09:51 Uhr

Also ich fand den ja wirklich zienlich gut ( schäm und rotwerd).
Würde ihn auch net als Torture Porn einordnen, dafür sind die Schwerpunkte zu klar vom Gore entfernt gesetzt. Ich kann auch nicht zustimmen, dass der Film keine Originellität aufweist. Gerade die Verfolgungsjagden in den Höhlen sind doch recht spannend und klaustrophobisch gemacht. Die Figuren nicht völlig reissbrettartig gestaltet, zum Beispiel der einheimische Lockvogel ist durchaus zwiespältig angelegt, wie auch der Haupthelfer des "Arztes". Die beiden englischen Touristen hauen im Original ein paar halbwege lustige Sprüche raus und der Showdown ist in seiner Auflösung eher unerwartet. Rassismus gegenüber den Brasis, naja, war ja schließlich alles eine zusammengehörende Bande, von daher nicht weiter erstaunlich, dass dort eher gemeine Diebe und Mörder rumlungerten und weniger karitative Wohltäter.
Also ich kann nur sagen, ich fand den Film weit überdurschnittlich und enorm spannend ( Aber mir hat auch Hostel gefallen....)
Damocles TEAM sagte am 14.07.2009 um 11:22 Uhr

Mir gefällt Hostel halt eigentlich überhaupt nicht, der erste noch weniger als der zweite.

Stimmt schon, die Charaktere bei Turistas sind deutlich realistischer und der Cast sympathisch.
Die Nähe zum "Torture-Porn" ergibt sich dabei auch weniger aus "Torture", sondern aus der sehr auffälligen Operationsszene. Ich weiß nicht ob du die Unrated gesehen hast, aber diese Szene kreide ich dem Film an. In einem richtig sadistischem Streifen wie Saw oder Hostel wäre diese besser aufgehoben, während sie hier völlig deplaziert wirkt, gerade da der Rest mehr ein reiner Thriller ist. Und gerade weil der Film so sexy ist, sehe ich schon eine Verbindung zwischen der Anregung der (männlichen) Zuschauer, dem Adrenalinkick der Darsteller sowie dem Gorehöhepunkt inkl Penetration und Schaffung neuer Öffnungen in einem halbnackten Körper (ein ganz interessantes Essay dazu gibt es wenn ich mich richtig erinnere in einer Ausgabe der f.lm).

Den Showdown fand ich zu lange ausgewälzt, und die "Überraschung" in der Hölle jetzt erstens etwas konstruiert, in der eigentlichen Szene aber völlig erwartet.

Und leider sind alle Brasilianier Streithähne oder sonstwie dunkle Gestalten. Der Familienvater nach dem Busunfall, der Busfahrer selbst der ja auch verantwortungslos ist, und natürlich die Bande inklusive Dorfkinder etc.

Sicherlich kein schlechter Film, ich deute ja die vier Sterne auch an. Aber halt immer dieses leidige Schema F :(

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