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Stirb langsam

Stirb langsam

Ein Film von John McTiernan

„Nine million terrorists in the world and I gotta kill one with feet smaller than my sister.“


Actionhelden haben es echt nicht leicht. Manche wissen zunächst nicht einmal, dass sie bald im Alleingang die Welt retten müssen/dürfen, und stolpern völlig ahnungslos in das bleihaltige und explosive Geschehen. Sylvester Stallone hat es vorgemacht, Arnold Schwarzenegger zog nach, während Steven Seagal, Dolph Lundgren und Konsorten munter Kopfnüsse aus- und den Typus „Actionheld“ in zwei Kategorien einteilten: den unverwundbaren Held, von dem der Zuschauer nur erfährt, dass er kämpfen und siegen kann, und die unverwundbare Ein-Mann-Armee, die zwar auch kämpfen und siegen kann, ihr Handeln jedoch auf ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit stützt und versucht, das Gemetzel hierdurch zu rechtfertigen. Das Jahr 1988 sollte schließlich einen entscheidenden Wendepunkt in dieser Entwicklung markieren, wenngleich bereits Ende der 70er Jahre unbewusst die Weichen für eine der erfolgreichsten Action-Reihen überhaupt gestellt wurden.


Denn 1979 erschien mit dem Roman „Nothing Lasts Forever“ des renommierten Krimi-Autors Roderick Mayne Thorp das Sequel zu dessen Thriller „The Detective“ aus dem Jahr 1966, welcher 1968 mit Frank Sinatra in der Titelrolle als Privatdetektiv Joe Leland erfolgreich verfilmt wurde. Regisseur John McTiernan wählte für seinen zweiten großen Kinofilm zwar „Nothing Lasts Forever“ als Grundlage, jedoch versteht sich der Film keinesfalls als Nachfolger zu „The Detective“, hat doch die Hauptfigur des New Yorker Polizisten John McClane nicht mehr viel mit der Person des Privatdetektivs in den Büchern gemeinsam. Nichtsdestotrotz erweist sich „STIRB LANGSAM“ als durchaus würdige und der Vorlage in allen Belangen gerecht werdende Adaption des Klassikers, da bis auf die Abänderung einiger Namen nicht viel im direkten Vergleich zum Buch verändert wurde – die Geschichte nebst einzelnen Story-Elementen ist nahezu 1:1 übernommen worden, so dass sich der folgende grobe Storyabriss ebenso gut im Klappentext der Vorlage finden könnte.


Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis, „Fegefeuer der Eitelkeiten“ [1990], „Hostage“ [2005], „Verführung einer Fremden“ [2007]) hat sich vorgenommen, die Weihnachtstage bei seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) und der gemeinsamen Tochter in Los Angeles zu verbringen. Aufgrund Hollys Entscheidung, auf der beruflichen Karriereleiter nach oben zu steigen und dem damit einhergehenden Umzug von New York nach Los Angeles lebten sich die beiden nach und nach auseinander, denn John selber blieb seines Jobs wegen in New York. Doch er will seiner Frau, die er immer noch liebt, beweisen, dass er auch für Überraschungen gut ist. So platzt er in die Weihnachtsfeier der Firma, die im Nakatomi Plaza, einem noch nicht komplett fertig gestellten Bürogebäude stattfindet. Außer den Feiernden – allesamt Angestellte der Nakatomi-Corporation – befindet sich niemand mehr in dem Gebäude. Hollys Freude über Johns gelungene Überraschung währt am Fest der Liebe jedoch nicht lange, denn wie aus heiterem Himmel stürmen plötzlich bewaffnete Gangster um Anführer Jack „Hans“ Gruber (Alan Rickman, „Harry Potter und der Stein der Weisen“ [2001], „Tatsächlich Liebe“ [2003], „Das Parfum“ [2005]) das Gebäude und nehmen die gerade noch ausgelassen Feiernden als Geiseln. Einzig McClane gelingt es, sich zu verstecken. Im besetzten Riesen-Komplex auf sich allein gestellt, beginnt der Polizist mit einer riskanten und gefährlichen Ein-Mann-Rettungsaktion und heftet sich schon bald wie ein imaginärer Schatten an die Fersen der Gangster.


„STIRB LANGSAM“, der bei einer wörtlichen Übersetzung des Original-Titels eigentlich sinngemäß „Schwer totzukriegen“ heißen müsste, spielt auch heute noch in der höchsten Liga der Action-Filme und zeigt so manchem neueren filmischen Genrevertreter noch eindrucksvoll, worauf es in einem Action-Film wirklich ankommt. Die erzählte, durchweg spannende Einzelkämpfer-Geschichte gewinnt zwar in Sachen Einfallsreichtum keinen Innovationspreis, und man ist geneigt, die Schublade der eingangs genannten „Zwei-Typen-Actionhelden“ zu bedienen. Auch John McClane kämpft mit allem, was er aufbieten kann, für den Sieg. Doch anders als bei Arnie und Sly Stallone ist sich der Film um Bruce Willis nicht zu schade, mit eingefahrenen Traditionen zu brechen und den obligatorisch strahlenden Titelheld als gar nicht so glänzend zu präsentieren. Im Grunde ist John nur ein Jedermann, ein Mann wie Du und Ich, der dummerweise zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht und deshalb einen „schlechten Tag“ durchlebt. Sein Handeln erwächst hauptsächlich seiner polizeilichen Rettungspflicht. Handeln, weil gehandelt werden muss. Hätte man angesichts dieser Tatsache McClane als muskelbepackte Heldenfigur gezeigt, die auch die heikelste Aktion noch mit einem Schulterzucken und gespielter Gelassenheit meistert, ohne Federn zu lassen – der hier besprochene Reißer wäre mit Sicherheit nicht der Film, der er heute ist. Wenig strahlend und durch und durch bemitleidenswert durchquert John McClane in einer der wohl erinnerungswürdigsten Szenen des Films barfuß (!) ein regelrechtes Meer aus Scherben und entfernt später mit schmerzverzerrtem Gesicht und angehaltenem Atem die eingefangenen Splitter. Hier hat nicht nur die lädierte Titelfigur Schmerzen, alleine das bloße Zusehen tut weh. John McTiernans Actionkracher schuf damit ganz im Alleingang (hier folgt der Film gewissermaßen der auf sich allein gestellten Hauptfigur) eine weitere Heldengruppe: die des verwundbaren Einzelkämpfers mit Alltagsproblemen, was dem bis dato sowieso nicht mit sonderlich viel Realismus gesegneten Actiongenre einiges an selbigem zurückgab.


Doch was wäre ein Einzelkämpfer ohne würdigen Gegenspieler? Nichts, richtig erkannt. Die von Alan Rickman verkörperte Rolle des Jack „Hans“ Gruber ist eine der eindringlichsten und besten Rollen des Schauspielers überhaupt und kann nur als Glücksgriff verstanden werden. Kalt und erbarmungslos sind die wohl treffendsten Adjektive für die Person des Verbrechers, die durch Rickmans kongeniales Spiel perfekt zur Geltung kommen und auch später noch Einzug in seine Rollen, vor allem die des undurchsichtigen Professor Snape in den „Harry Potter“-Verfilmungen, finden sollten. Wenn der Titelheld immer nur so überzeugend ist wie sein Gegenpart (und umgekehrt), dann konnte „STIRB LANGSAM“ nur ein Erfolg werden. Kleine Besonderheit am Rande: in der deutschen Fassung wurde der im Original auf Deutsch kommunizierende Verbrecher von Hans kurzerhand in Jack Gruber umbenannt, um 1988 aufgrund der geschichtlichen Ereignisse um die Rote-Armee-Fraktion in Deutschland keinerlei Anhaltspunkte für eine möglicherweise zu sehende „filmische Stellungnahme“ zu geben. Das Thema war den für die Synchronisation Verantwortlichen hierzulande einfach zu heiß.


Ohne Langeweile aufkommen zu lassen, inszenierte McTiernan die Einzelkämpfer-Geschichte als spannendes, hartes und vor allem in der letzten Hälfte streckenweise ironisches Action-Paradebeispiel, das zeigt, dass handgemachte Action um einiges glaubwürdiger als computerunterstützte erscheint. Sowohl die dem vergleichsweise geringen Budget von 28 Mio. Dollar Rechnung tragenden Miniaturmodelle als auch die ohne CGI auskommenden visuellen Effekte, die Richard Edlund („Star Wars: Episode V“ [1980]) als Visual Effects Producer betreute, wirken auch für heutige Verhältnisse noch erstaunlich realistisch, während die Action- und Kampfsequenzen in ihrem Einfangen mit der Kamera unverkennbar die Handschrift des späteren Hit-Regisseurs Jan de Bont („Speed“ [1994]) tragen.


„STIRB LANGSAM“ selber kann – alle genannten Aspekte zusammengenommen – auch nach fast 20 Jahren einfach nur als Glanzstück seines Genres bezeichnet werden, das vor allem durch die Leistungen der Schauspieler, die coolen One-Liner Willis’ und die schnörkellose, spannungsfördernde Inszenierung McTiernans besticht. Jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag. Vielleicht eine lediglich einmalige Sache. „Schön“, wird sich der Action- und Bruce Willis-Fan denken, „schön, dass sich manche Sachen in der Welt des Films entgegen der Realität zur Gewohnheit entwickeln können.“ In dem Sinne: Ring frei für „Stirb langsam 2“ [1990], mit dem sich Bruce Willis wohl endgültig als Action-Held einen Namen gemacht hat. Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!

Auch interessant:

Stirb langsam - Jetzt erst recht“ [1995]
"Stirb langsam 4.0" [2007]

Eine Rezension von Stefan Rackow
(28. Juni 2007)
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Daten zum Film
Stirb langsam USA 1988
(Die Hard)
Regie John McTiernan Drehbuch Jeb Stuart, Steven E. de Souza, basierend auf dem Roman "Nothing Lasts Forever" von Roderick Thorp
Produktion Lawrence Gordon, Joel Silver Kamera Jan de Bont
Darsteller Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson, Alexander Godunov, Paul Gleason
Länge ca. 127 Minuten FSK ab 16 Jahren (re-rating der ungeschnittenen Fassung)
Filmmusik Michael Kamen
- Der Film war nominiert für vier Oscars
Kommentare zu dieser Kritik
Renee TEAM sagte am 29.06.2007 um 09:30 Uhr

John McClane ist einer der menschlichsten und damit sympathischsten Leinwandhelden. Das und die Tatsache, dass er gleichzeitig auch einer der standfestesten ist (wenn man bedenkt, was er alles mit sichtbaren Schmerzen einsteckten muss und trotzdem weiterhin den Schurken das Leben schwer macht) machen "Stirb langsam" (sowohl als herausragenden ersten Teil als auch als Reihe) so beeindruckend. Der erste Teil hat dann ja noch den einmaligen Alan Rickman als Bonus - was will man mehr.
Anj TEAM sagte am 29.06.2007 um 10:15 Uhr

Jaaa, Alan Rickman! Den hätte ich wirklich nicht erkannt, wenn ich nicht ganz sicher gwusst hätte, dass er mitspielt.
Mir gefällt ja am besten die Subgeshcichte mit John und Al, die sit wirklich niedlich, vor allem am Ende. Ach ja... die Story hätte ich mir in allen adneren Teilen auch gewünscht. Warum wohl Reginald velJohnson nicht mehr mitmacht? Ob sie ihm zu wenig Geld geboten haben? Oder er einfach rausgeschrieben wurde? So eine Frechheit!
Conan der Bibliothekar TEAM sagte am 29.06.2007 um 23:12 Uhr

Jetzt habe ich eine Maschinenpistole. Ho Ho Ho!!!

Jepp, der erste Teil kann alles!!!
Der beste Part einer insgesamt qualitativ sehr guten Reihe. Vor allem Alan Rickman ist göttlich! Vielleicht der beste Bad Guy seit Gerd Fröbes Goldfinger.
Der ganze Film hat, zumal seine Lokalität ja sehr begrenzt ist, fast etwas kammerspielartiges. Dann die ganzen Sprüche... Der Film is immer wieder einen lustigen Action-Abend wert!!!

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