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Miller's Crossing

Miller's Crossing

Ein Film von Joel Coen

Würde man Kultikone Quentin Tarantino nach seinen wichtigsten filmischen Einflüssen fragen, so würden neben diversen kruden Filmtiteln aus aller Herren Länder wohl auch die Namen Joel und Ethan Coen ("Fargo") fallen.
Bereits eine Dekade vor dem Hit „Pulp Fiction“ (1994) haben die beiden leiblichen wie auch geistigen Brüder in ihren Filmen die schrägsten Vögel hervorgebracht die man sich vorstellen kann. So entstammen ihren verrückten Hirnen unter anderem Meisterwerke wie der pechschwarze Thriller „Blood Simple“ (1984), die Kidnapping-Komödie „Arizona Junior“ (1987) oder eben die ultracoole Gangsterballade „Miller´s Crossing“ (1990).

In Amerika zur Zeit der Prohibition: Der irische Gangsterboss Leo (Albert Finney, „Wolfen“, „Big Fish“) herrscht über die Stadt. Er geht sowohl beim Bürgermeister wie auch beim Polizeichef ein und aus und verfügt über eine beachtliche Zahl ihm ergebener Männer.
Auch Tom Reagan (Gabriel Byrne, „Die üblichen Verdächtigen“, „Dead Man“) arbeitet für den störrischen Mafiosi, und fungiert für ihn als eine Art „Denker“ in kniffligen Situationen.
Was Leo allerdings nicht weiss ist, dass Tom es heimlich mit dessen Angebeteter Verna (Marcia Gay Harden, „Mystic River“, „American Dreamz“) treibt, und so gerät die Situation ausser Kontrolle als der italienische Gangster Johnny Casper (Jon Polito, „Barton Fink“, „The Man Who Wasn´t There“) auf einmal den Kopf von Vernas hinterhältigem Bruder Bernie (John Turturro, „Jungle Fever“, „Im Vorhof der Hölle“) fordert.

Natürlich versucht der naive Leo den Blutsverwandten seiner Geliebten zu schützen und verursacht somit einen brutalen Bandenkrieg mit seinem gedemütigten Rivalen. Tom, der in Leos Verhalten eine riesige Dummheit erkennt, gesteht seinem Boss den Seitensprung mit Verna, um ihm auch ihre Kaltblütigkeit aufzuzeigen und ihn damit vielleicht zur Vernunft zu bringen. Doch Leo tobt und verbannt seinen einst wichtigsten Mann aus seinen Reihen. Nun versucht Tom auf eigene Faust das Schlimmste zu verhindern und schleicht sich dazu in Caspers Organisation ein.
Ein gefährliches Unterfangen, doch der smarte Tom hat einen genialen Plan…
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Die Filme der Gebrüder Coen kann man eigentlich recht schwer in eine Kategorie packen. Es handelt sich meist um Bastarde verschiedener Genres, wobei komödiantische Elemente immer einen sehr großen Stellenwert in ihren Werken eingenommen haben. Man kann also schonmal festhalten dass einen ein echter „Coen-Film“ (mit Ausnahme des düsteren „Blood Simple“ vielleicht, obwohl auch dieser über einige schwarzhumorige Momente verfügt) oft mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurücklässt obwohl die Story an sich vielleicht schon hart und tiefgründig gewesen ist. Dieser Umstand ist dann in den Protagonisten des betreffenden Films begründet, die in den meisten Fällen durchgeknallt, wahnsinnig, geisteskrank oder einfach nur sympathisch geraten sind. Die andere Komponente eines typischen „Coen-Films“ ist dann oft ein Drama-oder Krimianteil, in welchem der Tiefgang bzw. Spannungsgehalt der Story enthalten ist. Dieser schräge Filmcocktail wird dann von den beiden Kult-Filmern solange geschüttelt bis am Ende ein immer wieder harmonisches Gebräu herauskommt.

Auch ihr teilweise böser und brutaler Gangsterfilm „Miller´s Crossing“ ist über weite Strecken sehr lässig und witzig geraten, obwohl die Story an sich doch schon ernst gemeint ist.
Im Prinzip handelt es sich dabei um eine klassische Gangstergeschichte, die auch von Martin Scorsese oder Brian De Palma stammen könnte, aber von den Coens so lange durch ihre „Hirnmühle“ gedreht worden ist bis das Ganze ihren klassischen Stempel trägt.
Vor allem die Figur des Tom Reagan, der von Gabriel Byrne extrem cool verkörpert wird, ist für den Zuschauer unvergesslich. Man merkt wie weit dieser Film seiner Zeit voraus gewesen ist. Das würde auch erklären, warum er 1990 nicht wirklich zu den großen Kassenschlagern gezählt hat…in Zeiten von „Reservoir Dogs“ (1992) oder „Snatch“ (2000) wäre dieses Konzept vermutlich voll aufgegangen! Aber es ist den Schöpfern dieses Meisterwerks wohl nicht in erster Linie um das Geld auf dem Bankkonto, sondern um die Verwirklichung ihrer Vision einer völlig durchgeknallten Gangstergeschichte gegangen.

Obwohl die Handlung an sich schon recht ausgeklügelt und die Inszenierung wie immer vorzüglich geraten ist, sind wie so oft in einem „Coen-Film“ die Protagonisten das Sahnehäubchen auf der üppigen Torte. Gabriel Byrne liefert hier neben seiner Performance in „Die üblichen Verdächtigen“ (1995) die beste Leistung seiner Karriere ab, während sich auch Albert Finney als launischer Gangsterboss und Jon Polito als dessen hartnäckiger Widersacher schauspielerisch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Da die Coen-Brüder immer gerne mit gewissen „Stammdarstellern“ zusammenarbeiten, sind natürlich auch ihre favorisierten Mimen Steve Buscemi und John Turturro mit an Bord.
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Auch die Kulissen und Kostüme von „Miller´s Crossing“ können überzeugen und vermitteln ein sehr glaubwürdiges 30er-Jahre-Feeling. Vor allem der Hut spielt als Kleidungsstück eine größere Rolle als in manch anderem Film und absolviert im Vorspann bereits einen kleinen Soloauftritt. Der damalige Hauskameramann der Brüder, der spätere „Men In Black“-Regisseur Barry Sonnenfeld, hat das Werk zudem optisch sehr stylisch eingefangen und mit einigen satten Farben (vor allem in den Waldszenen) zusätzlich verfeinert.

Überhaupt kann man an diesem Film wirklich keinen einzigen negativen Punkt ausmachen: Er ist grandios inszeniert, wunderbar gespielt, verfügt über viel Humor, Spannung und Grips und man sieht ihm sein Alter von 17 Jahren in keinster Weise an.

Wer also gerne Filme von Quentin Tarantino oder auch deren momentan so beliebte Ableger schaut, sollte sich diesen genialen Vorläufer auf gar keinen Fall entgehen lassen!

Eine Rezension von Bastian G.
(10. Juni 2007)
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Daten zum Film
Miller's Crossing USA 1990
(Miller's Crossing)
Regie Joel Coen Drehbuch Joel Coen, Ethan Coen
Produktion Twentieth Century-Fox Film Corporation, Circle Films Inc. Kamera Barry Sonnenfeld
Darsteller Al Mancini, Richard Woods, Thomas Toner, Steve Buscemi, J.E. Freeman, John Turturro, Jon Polito, Albert Finney, Marcia Gay Harden, Gabriel Byrne, Mike Starr
Länge 113 min. FSK ab 18 Jahren
Filmmusik Carter Burwell
Kommentare zu dieser Kritik
Zombie-mower TEAM sagte am 13.06.2007 um 02:36 Uhr

"Miller's Crossing" kann ich nicht oft genug loben und nicht weniger oft mir zur Gemüte ziehen.
Dieser gehört zu den stilisiertesten und originellsten Mafiafilmen, die Hollywood in den letzten drei Dekaden hervor gebracht hat.
Die Story ist kniffig, durchsetzt von zwielichtigen, immer argwöhnischen, opportunistischen Charakteren, ohne sie dabei mit Pathos und Klischee zu erdrosseln.
Die Bilder und der Bilderfluss sind so gewaltig beeindruckend, dass sie alleine schon den Film so beachtenswert machen. Die Coen-Brüder wollten damit wohl eine Hommage an den klassischen Film-Noir Stil zum Besten geben, mischten aber trotzdem ihre typische markengebende Thriller-Ästhetik hinzu.
Martin Scorsese hat bei diesem Handwerk sicher interessiert aufgeschaut.

Doch was "Miller's Crossing" neben den grandiosen Schauspielern, dem einfallsreichen Plot, unglaublichem Dialogewitz, den originellen, zynischen, ästhetisierten Überraschungselementen und der schnörkellosen, grotesken Gewalt so einmalig macht ist die melancholische Musik, die die unterlegten Ereignisse noch tragender und unmittelbarer prägt.

Ganz klar ein Meisterwerk, das sich vor Coppolas bier-ernstem "Pate" und De Palmas schnörkellosem "Scarface", sowie Scorseses früheren Mafia-Perlen nicht zu verstecken braucht.
Durch seinen Gewaltpegel und den frappanten obszönen Anspielungen scheint mir "Miller's Crossing" doch wohl eher zwischen De Palmas und Scorseses unvergesslichen Beiträgen zu liegen.

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