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Wer ist Hanna?

Wer ist Hanna?

Ein Film von Joe Wright

Trailer sollten ja dazu da sein, das Publikum auf einen Film neugierig zu machen, obwohl das tatsächliche Endprodukt vielleicht nicht ganz so gelungen ist. Beispielsweise war der Trailer zu Tron: Legacy absolut herausragend; am Film scheiden sich jedoch die Geister. Ich persönlich fand den Trailer zum vorliegenden „Wer ist Hanna?“ ziemlich schwach: nichtssagend, uninteressant und fast schon langweilig. Doch der Trailer tut dem Film unrecht! Dank der äußerst guten Mund-zu-Mund-Propaganda konnte ich mich davon überzeugen, dass Joe Wrights neuer Film ein überaus gelungener Thriller ist, der zwar keine neue Geschichte erzählt, aber mit einer tollen Hauptdarstellerin und seinem famosen Soundtrack der Chemical Brothers fesseln kann!

Hanna ist 14 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater Erik abgelegen in einem verschneiten Wald in Finnland. Ihr Alltag besteht aus Jagen, Schießen und Kämpfen: Erik bildet seine Tochter jenseits der Zivilisation zu einer Killerin aus. Hanna sehnt sich nach ihrer toten Mutter und nach einem normalen Leben eines Teenagers, während ihr Vater ihr abends zum Einschlafen Aritkel aus Lexika vorliest. Eines Tages ist Hanna „so weit“ und entschließt sich zusammen mit Erik, einen Peilsender zu aktivieren. Das Signal dieses Senders wird von Marissa Wiegler aufgefangen, einer hochrangigen Agentin der CIA. Während Erik flüchtet, um sich mit seiner Tochter später in Berlin wiederzutreffen, nehmen Marissas Truppen Hanna gefangen. Denn Hannas Ausbildung hatte
nur ein Ziel: das Mädchen soll Marissa töten!

Was folgt ist eine szenenweise recht actionreiche Jagd durch Marokko, Spanien und Deutschland, mit einem Finale in der Hauptstadt Berlin! Die Story ist nicht unbedingt originell: Nikita trifft Leon – Der Profi trifft Running Scared, gepaar mit einer Portion europäischen Arthouse-Kinos. Während die Beziehung zwischen Erik und Marissa (diese kennen sich aus der Vergangenheit) noch einigermaßen interessant ist, ist leider der Grund des Ganzen und das Geheimnis um Hannas Identität ziemlich Banane; zwar nicht schlecht, aber eben schon fast ein Klischee in sich selbst. Allerdings wird dies nur kurz erwähnt und spielt praktisch überhaupt keine Rolle, so dass diese Konstruktion in der Geschichte recht überflüssig wirkt. Als weiteres Klischee bedient der Film natürlich noch den Culture-Clash: nicht etwa eine Zeitreisende kommt hier in unsere moderne Welt, sondern Hanna – die praktisch jenseits von anderen Menschen aufwuchs – freundet sich mit einer jungen Britin an und muss dabei ihre wahre Identität verstecken. Das führt natürlich zu schwierigen Situationen, wenn etwa ein Spanier sie küssen möchte. Hört sich abgedroschen an, ist jedoch einerseits oft sehr lustig aufgelöst, andererseits aber dank der guten Regie und der herausragenden Hanna-Darstellerin Saoirse Ronan auch noch ziemlich berührend.

Denn der Cast des Films ist sicherlich ein wichtiger Teil dessen, was „Wer ist Hanna?“ so sehenswert macht. Cate Blanchett als Marissa, Eric Bana als Erik, Saoirse Ronan als Hanna und Tom Hollander als Isaacs sind alle perfekt in ihren Rollen, dabei aber auch höchst unterschiedlich in der Art und Weise, wie sie ihre Figuren anlegen. Blanchett als Marissa wirkt optisch wie eine ältere Version von Agent Scully (beabsichtigt?), und spielt wie die oberflächlich nette, jedoch eigentlich ziemlich fiese Hexe und Stiefmutter: „Wer ist Hanna?“ verarbeitet nämlich überdeutlich einige Einflüsse Grimm'scher Märchen (und hält damit auch gar nicht hinter dem Busch), was für manche, fast schon surreale Szene sorgt. Vor allem Tom Hollander als mindestens bisexueller Rotlichtgauner wirkt „dank“ seiner zwei Nazischläger ebenfalls ziemlich stereotyp, liegt aber im Endeffekt irgendwo zwischen den Droogs aus Uhrwerk Orange und dem großen bösen Wolf. Eric Bana wiederrum gibt ein Empfehlungsschreiben als zukünftiger James Bond ab, während das Highlight natürlich Saoirse Ronan darstellt: ihre Hanna ist nicht nur eine Killerin, sondern auch ein unerfahrenes, zartes und verletzliches Mädchen voller Selbstzweifel aber auch Neugier auf die Welt die draußen. Sie verurteilt nur Marissa und will deren Tod (obwohl sie das eigentliche Motiv kaum kennen dürfte), doch zeigt sich sonst offen für die anderen – ein gefährliches Rotkäppchen eben, Gretel mit Martial-Arts-Kenntnissen.

Die Regie lässt sich dabei gerne mal Zeit, die Geschichte zu erzählen. Hanna freundet sich mit Sophie an, was jetzt für den Plot zwar nicht notwendig ist, aber eben die Figuren ungemein vertieft. „Hanna“ ist kein Actionfest der seine Dialogszenen nur benutzt, um sich zur nächsten Actionszene zu hangeln, sondern behandelt beide Aspekte mindestens gleichwertig und hält sich auch in den Actionszenen zurück: mehr als Nahkämpfe gibt es quasi nicht zu sehen. Die Kameraarbeit ist hierbei ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sehr energetisch und stilisiert, andererseits aber gerade in Ronans Kampfszenen häufig sehr nah dran und hektisch – Feinde von Wackelkameras bekommen hier die volle Breitseite ab. In Banas Szenen ist die Kameraführung ruhiger und hier findet sich auch das visuelle Highlight des Films: in einer minutenlangen Sequenzen folgen wir Bana vom Berliner Busbahnhof quer über den Vorplatz bis in die U-Bahn, wo er sich einen Kampf mit mehreren Agenten liefert – alles ohne (sichtbaren) Schnitt! Und natürlich ist der Film mit seinen vielen Schauplatzwechseln noch überaus abwechslungsreich, bis hin zum Finale in einem verlassenen Freizeitpark der Gebrüder Grimm.

Unterstützt werden die Bilder noch durch den schlichtweg grandiosen Soundtrack aus der Feder der Chemical Brothers. Treibende Beats wechseln sich mit eher meditativen Tönen ab und können in Verbindung mit den oftmals stilisierten Bildern (stroboskopartige Beleuchtung im CIA-Komplex, bunte Lichter im Lebkuchenhaus) mit ordentlicher Lautstärke im Kino den Besucher komplett in den Film ziehen, und das obwohl die Story wie gesagt manchmal etwas schwächelt. Sicherlich, man könnte hier wieder den Vorwurf von „style over substance“ machen, aber gerade die Charakterisierung der Figuren und die Leistung der Darsteller lassen die Schwächen der Geschichte nicht so schwer ins Gewicht fallen.

„Wer ist Hanna?“ ist also für Freunde des ruhigen, unaufgeregten Thrillerkinos eine dicke Empfehlung. Originalitätspreise wird er sicherlich keine gewinnen, aber seine Hauptdarsteller und sein Soundtrack alleine sind die Kinokarte wert, und quasi alle bei Cast und Crew empfehlen sich für größere Aufgaben. Nikita und der böse Wölf – ist ja auch mal was!

Eine Rezension von David Kugler
(28. Mai 2011)
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Daten zum Film
Wer ist Hanna? Deutschland, Großbritannien, USA 2011
(Hanna)
Regie Joe Wright Drehbuch Seth Lochhead, David Farr
Produktion Holleran Company Kamera Alwin H. Kuchler
Darsteller Saoirse Ronan, Eric Bana, Cate Blanchett, Tom Hollander
Länge ca. 111 Minuten FSK 16
Filmmusik The Chemical Brothers
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