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Mulberry Street

Mulberry Street

Ein Film von Jim Mickle

Die Bewohner eines leicht heruntergekommenen Wohnblocks in New York haben ein Problem: ihr geliebtes zuhause soll abgerissen werden, denn "Changes will happen", so das Credo einer Immobilienfirma. Die bunt zusammengemixte Truppe ist damit jedoch überhaupt nicht einverstanden: weder der Boxer der auf seine Freundin wartet, die gerade aus dem Irak zurückkommt. Erst recht nicht sein schwuler Mitbewohner, und der bettlägerige Alte mit der externen Sauerstoffversorgung sowieso nicht. Gleichzeitig werden immer mehr Menschen in New York von Ratten gebissen und verenden daran. So geht es schließlich auch dem Hausmeister - nur dumm, dass er nicht tot bleibt...

"Mulberry Street" könnte man als eine moderne Variante der Pest sehen. Ratten, die es heute in Städten immer noch genauso gibt wie im finsteren Mittelalter, übertragen eine seltsame Krankheit, die die Befallenen definitiv dahinrafft. Im Gegensatz zur Pest ist der Tod jedoch nur temporär, und die Gebissenen stehen als Ratten-Mensch-Hybriden auf. Somit ist "Mulberry Street" also eine recht originelle Mischung aus klassischem Tierhorror und Zombiefilm. Auf Basis der Originalität kann "Mulberry Street" somit sicherlich Punkten, seine Probleme, und die hat der Film, liegen woanders. Interessant sind sicherlich die Ratten als Krankheitsüberträger. In unserer modernen Gesellschaft ist es uns noch nicht gelungen, die Ratte aus den Lebensräumen des Menschen wirksam zu verbannen, so dass der Film durchaus eine stellenweise
recht unangenehme Atmosphäre verbreiten kann. Dies gelingt ihm zu Beginn vor allem mit schönen Kamerafahrten, die auf der Straße bei den Menschen beginnen, in den Kanaldeckel führen, und bei den Ratten endet. Hier wird recht eindrucksvoll ohne Narration eines Wissenschaftlers diese Tatsache verdeutlicht.

"Mulberry Street" ist eine absolute No-Budget-Produktion, das muss man festhalten und dem Film doch irgendwo zugute halten. Denn er zeigt doch eindrucksvoll, dass man auch ohne Budget einiges anstellen kann, wenn Talent vorhanden ist - da kann sich so mancher deutscher Horrorregisseur ne Scheibe abschneiden. Das beginnt schon bei dem Einsatz von Spezialeffekten, die natürlich immer ein recht guter Indikator fürs Budget sind: Jim Mickle weiß genau, dass seine Masken vielleicht nicht so gut aussehen wie sie eigentlich sollen, aber durch geschickten Einsatz von Licht und Kamera schafft er eine sehr gute Illusion. Er zeigt nie sehr viel, aber was er zeigt reicht um bei dem Zuschauer den angestrebten Eindruck zu hinterlassen. Die Rattenzombies sind selten wirklich deutlich zu erkennen, meistens sieht man nur blutverschmierte Gesichter mit Make-Up und kleineren Prostetics, aber die Wirkung stimmt. Auch auf überzogene Gore-Effekte wird verzichtet, man arbeitet mehr über eine ansprechende Geräuschkulisse. Andererseits stellt sich die Frage, warum das Team so manche Ideen verwirklicht hat, die mit dem Budget wohl nicht überzeugend machbar sind - sprich: es gibt ein paar wenige, dafür aber umso miesere CGI-Effekte. Während die Kampfhubschrauber nicht stören, wirken die Feuer- und Explosionseffekte sehr lächerlich.

Man muss aber eingestehen, dass der Film wirklich professionell inszeniert ist. Besonders der Anfang ist hervorragend gelungen, bei der ersten Attacke auf einen Hausbewohner hat es mich richtig gerissen. Auch der Rest ist wie gesagt solide, manchmal sehr gut inszeniert, jedoch gibts auch hier ein Problem: ich persönlich fand die Actionsequenzen alles andere als mitreissend. Erstens wirken die Schlägereien mit den Rattenzombies sehr unglaubwürdig, andererseits leidet der Film hier doch recht unter seinem Look. Die Kamera ist sehr wackelig und hektisch, das Bild rauscht ziemlich stark und in den Actionszenen kommt auch noch eine Art Shutter-Effekt hinzu. Das ist dann für mich doch zu viel. Die restliche Kameraarbeit kann man aber doch als gelungen bezeichnen, es gelingen ein paar schöne Einstellungen. Besonders interessant sind die Szenen in New York selbst. Zuerst gibt es durchaus Massenszenen, doch je länger die Plage dauert, desto leerer werden natürlich die Straßen. Sicherlich konnte die Produktion hier keine Straßenzüge sperren lassen, ich gehe einfach davon aus, dass hier im Guerilla-Style einfach tief nachts gedreht wurde. Das Ergebnis überzeugt aber.

Jim Mickle und seine Crew beherrschen ihr Handwerkszeug sicherlich, haben ihre Hausaufgaben gemacht und beweisen auch Kenntnisse über die klassischen Zombiefilme. Natürlich gibt es die obligatorischen Nachrichtensendungen und Radiomeldungen, die Ausbreitung der Seuche wird wie aus Lehrbuch für den Zuschauer dokumentiert. Sehr schön umgesetzt, wenn auch nicht unbedingt originell. Aber das ist in diesem Genre ja eine bewährte Methode, also warum nicht. Besonders gelungen ist noch das eingesetzte Foreshadowing das immer wieder eingesetzt wird. Der Film beginnt mit dem joggenden Boxer. Im Bild sind immer wieder Details zu erkennen, da joggt er auch mal an einer riesigen aufblasbaren Ratte vorbei. Schöner Gag. Ansonsten gibt es noch immer Anspielungen und Querverweise auf den 11. September und die Stimmung in Amerika. So natürlich die heimkehrende, verletzte Irakveteranin, das Dröhnen von Kampfhubschraubern zwischen den Hochhäusern, oder sowieso der Verdacht eines Terroranschlags. Überhaupt können die Charaktere doch recht überzeugen, bis auf die horrorfilmtypischen dämlichen Handlungen, die aber irgendwie dazu gehören.

Leider gibt es aber auch einige offene Fragen. Woher die Seuche kommt muss ja nicht geklärt werden, das kann man als Reminiszenz an die Dead-Reihe von Onkel Romero werten. Jedoch bleiben gerade am Ende einige Fragen offen, die vielleicht der Klärung bedürfen werden. Auch zwischendrin gibt es immer wieder ein paar Löcher, wo man sich als Zuschauer dann doch fragt, ob die extra für Interpretationsspielraum gedacht sind, oder einfach Logikfehler sind.

Die Darsteller sind größtenteils unbekannt und haben bei dem Film auch als Crew mitgearbeitet. Nick Damici, der auch am Drehbuch mitschrieb, war unter anderem in "World Trade Center" zu sehen. Am bekanntesten könnte Debbie Rochon sein, die in zahlreichen Erotik- und B-Filmen zu sehen war. Regisseur Jim Mickle, der damit seinen zweiten Film vorlegt, hat vorher reichlich Erfahrung im Bereich der Kamera, als Best Boy etc., gesammelt. Dies sieht man dem Film an, es waren wie gesagt kompetente und vor allem talentierte Leute beteiligt.

Zur DVD: Diese wurde uns freundlicherweise von Ascot zur Verfügung gestellt, danke dafür! Das Bild ist sehr gut, jedoch stellenweise sehr verrauscht. Das könnte aber auch ein Stilmittel sein, daher fällt mir die Bewertung recht schwer. Der Ton hingegen liegt in Englisch und Deutsch vor, ist jedoch in meinem Eindruck sehr schlecht abgemischt. Musik zu laut, Geräusche zu leise, Dialoge recht dumpf. Allerdings habe ich nur die deutsche Tonspur getestet. Als Extras gibt es Trailer zu weiteren Veröffentlichungen. Für Kinder ist die Scheibe nicht geeignet, da der Film keine Jugendfreigabe bekommen hat, was in Ordnung geht.
Kommen wir zum großen, großen ABER: ABER die DVD hat den äußerst hässlichen Kopierschutz X-Protect. Bedeutet, die DVD macht Probleme. Daher konnte ich erst jetzt die Kritik schreiben, da die DVD den Dienst auf meinem Laptop verweigerte, und eine Umgehung des Kopierschutzes (nur zum Anschauen des Filmes!) mich ja zum Schwerverbrecher macht (obwohl ich den Film schauen und rezensieren soll!). Somit gibt es auch keine Screenshots bei dieser Kritik. Daher tut es mir wirklich leid für Ascot, aber ich rate von der DVD ab. Ein Kopierschutz wie X-Protect ist eine Frechheit für den ehrlichen Kunden, mag der Film noch so originell und die Firma noch so sympathisch sein.

Fazit: "Mulberry Street" ist ein recht origineller No-Budget-Horrorfilm, der handwerklich mehr als in Ordnung geht. Er mag durchaus atmosphärisch zu fesseln, jedoch können die Actionszenen nicht wirklich mitreissen und so manchen CGI-Effekt hätte man sich sparen sollen. Irgendwie wollte der Funke nach dem starken Beginn nicht so recht überspringen, daher gebe ich ihm gute 3 Sterne, sogar fast 4 Sterne.

Eine Rezension von David Kugler
(16. Oktober 2007)
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Daten zum Film
Mulberry Street USA 2006
(Mulberry Street)
Regie Jim Mickle Drehbuch Nick Damici, Jim Mickle
Produktion Belladonna Productions
Darsteller Kim Blair, Nick Damici, Antone Pagan, Vonia Arslanian, Debbie Rochon
Länge 81:04 FSK 18
http://www.mulberrystreetmovie.com/
Filmmusik Andreas Kapsalis
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