„Ich bin unschlüssig, welchen Film ich annehmen soll, vielleicht bringt das nächste Angebot mehr Geld. Ich entscheide mich für „Jack The Ripper“ in Zürich. Ich drehe den Scheiß in acht Tagen herunter.“
Ein Zitat des von Drehort zu Drehort und von Film zu Film hechtenden Klaus Kinski (aus dessen Biographie „Ich brauche Liebe“), über seine Entscheidung für eine erneute Zusammenarbeit mit Exploitation – Filmer Jesus „Jess“ Franco, mit dem Kinski schon „Venus in Furs“ und „Justine“ drehte.
Damals , Mitte der 70er, wurde das Talent Kinskis für eine Schwachsinnsproduktion nach der anderen vergeudet, drehte der Star doch Filme im Akkord und war oft bei mehreren Produktionen gleichzeitig beschäftigt.
Ähnlich wie Regisseur Franco, der aus akutem Geldmangel Filme nicht unbedingt der Kunst wegen sondern eher um etwas auf dem Teller zu haben, drehte. Oft nur leidlich inspirierte Werke, denen man ihre Herkunft vom Fließband in jeder Minute ansah, waren häufig die Folge.
Die Co-produktion unter Erwin C. Dietrich in der es um den mörderischen Doktor Orloff geht, der tagsüber als guter Samariter den Armenarzt gibt und des Nächtens als Todesengel die Dirnen der Stadt ermordet, sollte in Kinski den idealen Hauptdarsteller finden.
Mit Kinski in der Rolle eines Psychopathen in einem Thriller konnte man eigentlich nichts falsch machen - oder?.
Leider doch: Denn „Jack The Ripper“ ist geradezu Zeugnis einer in gewissem Maße verschenkten Chance und so gleichzeitig auch exemplarisch für die spätere Karriere Kinskis.
(Stichwort : Perlen vor die Säue werfen).
Dabei sind eigentlich alle Vorraussetzungen für einen grundsoliden Streifen ,wie zB einen feinen Cast ( der neben K. auch noch Josephine Chaplin, Lina Romay und Herbert Fux aufweist), gegeben,.
Wäre die eigentlich gute Ausgangshandlung zumindest etwas besser umgesetzt worden, hätte der Streifen das Zeug zum echten Kultklassiker - so bleibt er jedoch nur als Fußnote im Gesamtwerk Kinskis in Erinnerung, ist er es doch der den ganzen Schauwert des Filmes allein trägt.
Man merkt einfach zu jeder Minute des Films, wie wenig Budget zur Verfügung stand und wie rasch der Film heruntergekurbelt wurde.
Kinski hatte (wie man schon am Eingangszitat unschwer erkennen kann) wenig Bock auf diesen Streifen - was seine gelangweilt wirkende Miene und das lustlose Spiel verraten.
Nur wenn es im Film ans Morden und ans Vergewaltigen geht blüht er förmlich auf. Als Berserker ist er in seinem Element, viel zu selten bekommt er doch in diesem Film die Chance „durchzudrehen“. Da steht ihm der Wahnsinn in den Augen-
Ein Villon Zitat drängt sich förmlich auf: „Mich hat schon manche Frau zum Tier gemacht!“
Das Positive, neben Kinskis Performance wäre:
Jess Francos Signatures sind natürlich wieder mit dabei. Beispielsweise wären da, wie die nervöse Kamera, die schon Werke wie „Vampyros Lesbos“ veredelte und auch Herbert Fux glänzt in einer Nebenrolle als Landstreicher, der dem mörderischen Geheimnis des Dr. Orloff auf die Spur kommt.
Doch letztlich nützt es alles nichts: zu dilletantisch sind die lachhaften Gore-Effekte (Schaufensterpuppe mit roter Farbe lässt grüßen) und vom nicht vorhandenen Spannungsbogen will ich gar nicht erst reden.
Allzu schweizerisch und bieder kommt der Streifen stellenweise daher -was für Franco-Verhältnisse doch eher ungewöhnlich ist.
Die Geliebte des Regisseurs, Lina Romay (bekannt aus „Erotikill“, der ua. als Inspiration für „From Dusk Till Dawn“ diente) , darf zwar ab und an mit dem Hintern wackeln, doch selbst mit Sleaze geizt der Film an allen Ecken und enden.
Wo der Film an sich also weniger überzeugen kann, da trumpft die ausgezeichnete DVD - Umsetzung von ASCOT ELITE auf: Für das Alter des Films hervorragende Bildqualität, interessante Boni zB in Form eines Jess Franco - Featurettes und eines genialen Menüs, das mit einem der Markenzeichen Kinskis, seinem durchdringenden Blick und den zuckenden Augen arbeitet, überzeugen den Fan.
Für den Kinski-Sammler und Komplettisten ist und bleibt „Jack The Ripper“ trotz aller Kritik eine Anschaffung wert.