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Dark Planet - Prisoners of Power

Dark Planet - Prisoners of Power

Ein Film von Fedor Bondarchuk

Nach längerer Abstinenz von ausführlichen Filmkritiken wollen wir doch heute mal wieder Vollgas geben und sogleich ein Rezensionsexemplar (vielen Dank an Capelight!) abarbeiten, das einen der teuersten russischen Filme aller Zeiten enthält: „Dark Planet – Prisoners of Power“ steht heute auf dem Programm. Bisher konnte ich mit vielen russischen Filmen nichts anfangen. Spezialeinheit Werwolf war ein erzählerisches Kuddelmuddel auf Niveau einer Daily Soap, und auch bei Wächter der Nacht langweilte ich mich fürchterlich im Kino, wenn mich meine Erinnerung nicht ganz täuscht. Der vorliegende „Dark Planet“ hat dabei nichts mit dem gleichnamigen Sci-Fi-Film aus dem Jahre 1996 zu tun, sondern basiert vielmehr auf den Werken der Brüder Strugatsky, Arkady und Boris, deren Werke bereits verfilmt wurden und auch in Deutschland durchaus bekannt sind. Aber, geneigter Leser, wie du schon an der Sternchenwertung gesehen hast: ich fand „Dark Planet“ mal wieder ziemlich unterirdisch.

Im Jahr 2157 hat die Menschheit den Weltraum erobert und erfolgreich andere Planeten kolonialisiert. Ein Voice-Over informiert uns noch über etwas ähnliches wie eine neue Entwicklungsstufe, aber so wirklich zum Tragen kommt das ohnehin nicht. Der junge Maksim fliegt in seinem Raumschiff durchs Weltall als es plötzlich eine folgenschwere Panne gibt und er eine Bruchlandung auf dem unwirtlichen Planeten Saraksh hinlegen muss. Saraksh musste einen Atomkrieg über sich ergehen lassen (das habe ich allerdings erst im Internet erfahren) und wird von den „Unbekannten Vätern“ mit eiserner Hand und faschistoiden Garden regiert. Maksim tritt nicht nur diesen Garden bei, sondern sieht bald das Verbrechen hinter der Fassade und will den Rebellen - „Ausgeartete“ genannt – dabei helfen, die seltsamen Türme auf dem Planeten zu zerstören, die Signale zur Unterdrückung aussenden...

So oder so ähnlich lässt sich die Handlung von „Dark Planet – Prisoners of Power“ zusammenfassen. Das klingt nun einerseits nicht sonderlich kompliziert, andererseits von der Grundidee auch nur wenig originell. Eine Person von außen findet sich in einem Konflikt zwischen zwei Parteien wieder, muss sich für eine Seite entscheiden und entwickelt sich dabei zu einer Art Messiasfigur? Ja, das hat man schon etliche Male gesehen, gelesen oder selbst gespielt. Aber die mangelnde Originalität der Geschichte soll hier gar nicht weiter kritisiert werden, nicht umsonst wird dieses beliebte Thema immer wieder verwendet; es kann nunmal guten und spannenden Erzählstoff abgeben. Wo „Dark Planet“ aber völlig Baden geht – was ihm dann letztendlich auch das Genick bricht – ist die Art, wie die Story erzählt wird. Der Plot ist simpel genug; aber Regisseur Fedor Bondarchuk schafft es nicht ansatzweise, die Geschichte logisch zu erzählen. Da beginnen Szenen, die aber nirgendwo enden und nach dem nächsten Schnitt ist man plötzlich völlig woanders. Beispiel? Maksim kämpft gegen obdachlose Ninjas (besser nicht nachfragen), weicht einem Projektil (einer fliegenden Kugel...) aus, sagt „Bumm!“ in die Kamera, und der Film schneidet zur nächsten Szene. Der Kampf ist vorbei, Maksim macht etwas völlig anderes. Leben die Gegner noch? Wer waren sie? Und was wollten sie überhaupt von ihm?

Da wird Maksim auch mal eingebuchtet, man plaudert ein wenig mit den Mithäftlingen, und durch die Magie des wirren Schnittes ist in der nächsten Szene auf einmal die Flucht gelungen und man wandert bewaffnet zu dritt durch einen Wald. Was zum Geier?! Unglaubwürdig wird das ganze auch dann noch, wenn Maksim über den Planeten wandert und immer wieder auf die gleichen vier oder fünf Personen trifft; oder aber, Figuren werden für eine Szene eingeführt und danach wieder fallen gelassen – was genau hat der Zauberer in Gestalt eines mundlosen Kindes auf der Schaukel in der Fledermaushöhle (nicht nachfragen Teil 2) noch einmal zur Handlung beigetragen? Und: als weitere Erschwernis kommt hinzu, dass – so glaube ich zumindest – der Film mehrere große Zeitsprünge von mehreren Monaten einbaut, ohne den Zuschauer auch nur in irgendeiner Form darauf hinzuweisen. Zur Klarstellung: ich habe nicht gegen unlogische oder ungewöhnlich erzählte Filme (El Topo ist einer meiner absoluten Lieblinge), aber „Dark Planets“ Erzählung ist diese Bezeichnung kaum wert. Dabei ist der Plot wie gesagt simpel genug. Allerdings rettet diese miese Struktur noch ein bisschen was, da man manchmal kopfschüttelnd und lachend vor dem Geschehen sitzt; was aber natürlich nicht Intention des ganzen war.

Jetzt kommt natürlich das große Aber: ich kenne die Vorlage der Brüder Strugatsky nicht. Sollte das erklären, warum ich dem Film nicht folgen konnte? Vielleicht. Aber²: ein Film – der auf einer Vorlage basiert – muss meiner Meinung nach auch für sich alleine stehen können, und das Wissen über die Vorlage nicht zwingend voraussetzen. Ergo kann ich mich hier nicht gnädig zeigen.
Und, viel schwerwiegender: die vorliegende Fassung unter dem Namen „Dark Planet – Prisoners of Power“ hat eine Laufzeit von 115 Minuten. Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass dies ein International Cut der beiden Filme „The Inhabited Island“ und „The Inhabited Island 2: Rebellion“ ist, die es zusammen auf gut 228 Minuten Laufzeit bringen. Nach Adam Riese bedeutet das, dass man für den Zusammenschnitt beider Filme ziemlich genau die Hälfte (!) rausgeschmissen hat. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Dass damit die Erzählung in sich zusammenfällt, versteht sich natürlich von selbst! Müsste ich daher dem Film eine bessere Wertung geben? Nein, da sich die Kritik eben auf den vorliegenden International Cut bezieht! Funktioniert die längere Fassung besser? Ich weiß es nicht, bin aber auch nicht gewillt, vier Stunden meiner Zeit dafür zu investieren. Lauscht man aber ins Internet, ist auch diese Langfassung aus zwei Filmen kein wirkliches Meisterwerk.

Was den Film dann gerade noch so vor Trash-Untiefen bewahrt (ob das nun gut oder schlecht ist, entscheidet bitte ihr für eiuch), sind die Bilder, die Kameramann Maksim Osadchiy für Regisseur Bondarchuk einfängt. Die Bilder sind wirklich gestochen scharf, die Landschaften fantasievoll und abwechslungsreich, und auf die Effekte können oft (aber nicht immer) überzeugen. Manchmal vergreift sich das Team zwar im Art Design (der rosa Panzer will nicht so recht furchterregend wirken), aber trotzdem beinhaltet der Film zahlreiche visuelle Einfälle, die man gern in einem besseren Streifen sehen würde. Der erwähnte Zauberer ist gelungen, das riesige Feld mit zahlreichen Windkraftwerken ist nett anzuschauen, und für die Actionfreunde werden jede Menge Explosionen und Feuerbälle augefahren. Dass viele Karren wie das aussehen was sie wahrscheinlich sind – mit Plastikpanelen verkleidete Autos – sei hierbei verziehen. Schwerwiegender ist da schon die Darstellung der Stadt, die leider oftmals wie eine Pappmaché-Version alter Blade Runner Kulissen wirkt.

Anzumerken sei zum Schluss noch, dass „Dark Planet“ mit Vasiliy Stepanov einen weiteren Schauwert hat, der bisher nicht erwähnt wurde. Stepanov spielt den blondgelockten Jüngling Maksim und ist natürlich der Leading Man des Streifens. Hiermit nominiere ich Stepanov nun für die Goldene Ukulele als Schlechtester Darsteller in einem Blockbuster!
„Dark Planet“ ist nun wirklich nicht anspruchsvoll, und so ziemlich jeder Darsteller sollte die schauspielerischen Erfordernisse stemmen können. Aber wie Stepanov debil grinsend durch diesen Film stakst ist schon mehr als einen Blick wert. Selten hat man so einen schlechten Schauspieler in seiner solch großen Produktion gesehen; das bereitet schon beim Hinschauen manchmal körperliche Schmerzen. Und wenn er schon nicht spielen kann, soll der gute Herr doch wenigsten Charisma haben; aber Stepanov besitzt leider auch nur die Ausstrahlung von einem Pfund Magerquark. Umso verwunderlicher, dass die Strugatsky-Brüder sich mit dem Casting Sepanovs hochzufrieden zeigten.

Am Ende bleibt als Fazit zu sagen: „Dark Planet“ ist erzählerisch unterirdisch, schauspielerisch lachhaft aber visuell ganz interessant. Trashfans können vielleicht einen Blick riskieren, und wer sich wirklich für den Film interessiert, soll doch bitte gleich zur Langfassung greifen. Die gibt es nämlich von Capelight auf einer 3 Disc Fassung.

Das war mal wieder gar nix.

Eine Rezension von David Kugler
(05. Juni 2012)
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Daten zum Film
Dark Planet - Prisoners of Power Russland 2008
(Obitaemyy ostrov)
Regie Fedor Bondarchuk Drehbuch Arkadiy Strugatskiy, Boris Strugatskiy, Marina Dyachenko, Sergei Dyachenko
Produktion Non-Stop Productions Kamera Maksim Osadchiy
Darsteller Vasiliy Stepanov, Yuliya Snigir, Pyotr Fyodorov
Länge 114:56 FSK 16
Die Kritik bezieht sich auf den Zusammenschnitt beider Filme, der sogenannte International Cut.
Kommentare zu dieser Kritik
mücke sagte am 07.06.2012 um 20:34 Uhr

nur mal so zur info:

in der gefängnisszene ist der hauptfigur nicht die flucht gelungen und es handelt sich nicht um einen walsspaziergang - die drei sind noch immer gefangen und leisten gerade ihren arbeitsdienst ab, bei dem sie, soweit ich mich erinnere, alte waffenteile aus dem letzten großen krieg einsammeln.

macht den film nicht besser, da ihm danach trotzdem die flucht auf völlig idiotische weise tatsächlich gelingt.

ansonsten kann ich der kritik nur zustimmen, wenn auch mit einschränkungen. der film ist furchtbar und überfordert ein, schmeißt einen plötzlich in kriegsszenen mit panzern, bei denen man nicht weiß, was da gerade abgeht. aber: er hat einige tolle ideen und eine unkonventionelle erzählweise - ja, nennen wir es unkonventionell. das hat den film für mich am ende doch noch erträglich gemacht, auch wenn man sich bisweilen fragt, welche verbotene substanzen im schnittraum rumgereicht wurden.

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