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Schulmädchen-Report, 2. Teil - Was Eltern den Schlaf raubt

Schulmädchen-Report, 2. Teil - Was Eltern den Schlaf raubt

Ein Film von Ernst Hofbauer

So schön hat noch kein Sequel seine Existenz gerechtfertigt: Im Eingangsmonolog der Fortsetzung zum SCHULMÄDCHEN-REPORT, der das Intro des Erstlings recyclet und darüber erneute schlaue Worte über die angebliche Jugend von "heute" verliert, wird im Hinblick auf den Vorgänger verkündet: "Mit einer Fülle von sensationeller Information hat dieser Film so vielen Eltern die Augen geöffnet, daß wir uns gezwungen sahen, erneute Untersuchungen anzustellen, neues Material zusammenzutragen, so daß wir Ihnen heute Tatsachen aufzeigen können, über die selbst die Jugend nur ungern spricht." Gezwungen! Wahrlich gezwungen sahen sich die Filmemacher, und weil sich der aufklärerische Drang ja hier höchst kassenträchtig manifestiert, taucht nur wenige Sekunden später Friedrich von Thun auf, der sich brav als der Reporter vorstellt, der in Teil 1 die Befragungen durchführte. "Damals war noch kein zweiter Teil geplant. Doch die Flut der Zuschriften, die uns erreicht hat, veranlaßte uns, eine Fortsetzung zu drehen." Wenn doch nur einmal zu Filmbeginn die Rückkehr von Jason derart dringlich erläutert werden würde!

In der Tat gab Produzent Wolf C. Hartwig den Startschuß für die Fortsetzung schon wenige Tage nach dem Start des ersten Parts: Montagmorgen die Zuschauerzahlen in 90 deutschen Kinos angesehen, Dienstag früh die Produktion von Teil 2 begonnen, der denn auch nicht einmal ei
n Jahr später mit neuen, räusper, Erkenntnissen über die Tätigkeiten von, ähem, modernen deutschen Frauen vor, während und nach des Schulunterrichts lockte. WAS ELTERN DEN SCHLAF RAUBT lautete der Untertitel der neuerlichen Enthüllungen, deren Aufhänger nicht wie im ersten Teil die moralische Diskussion eines entrüsteten Elternbeirats ist, sondern eine Ansammlung von, nunja, Einzelschicksalen in Form von Menschen, die Briefe mit einschlägigen Geschichten an die Produktionsfirma geschickt haben und hier nun im Studio wie die Hühner auf der Stange aufgereiht sitzen, um von Friedrich von Thun vorgestellt und gebeten zu werden, ihre Erlebnisse mit gebührlich ernster Miene vorzutragen. (Über die Authentizität der Personen und Geschichten brauchen wir gar nicht erst zu reden.)

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Diese Histörchen sind nun freundlicherweise, mit einigen Ausnahmen, weitaus harmloserer und albernerer Natur als die des Erstlings, der ja sofort, Schockschwerenot!, mit einem Mann einstieg, der ein Verhältnis mit seiner 12-jährigen Stieftochter pflegt. Hier fühlt man sich von der ersten Episode - durch das beschwingte Intro mitsamt Peter-Thomas-Schlager "Schulmädchen müssen so sein" in Stimmung gebracht - doch zunächst eher in einen Lümmel- und Paukerfilm versetzt: Da versucht der nette Physiklehrer den jungen Damen etwas über Strom beizubringen, und die kichern die ganze Zeit und machen anzügliche Bemerkungen über die verwendeten Gerätschaften. Wenn die Kamera plötzlich auf Hansi Kraus schwenken würde und Hans Terofal stotternd in den Raum gestolpert käme, würde man sich kaum wundern. (Da drei Monate vor Start dieses zweiten Reports schon der sechste Teil der höchst erfolgreichen Reihe DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK in die Kinos kam, ist es durchaus denkbar, daß die Assoziation gewollt war.)

Dann lockt eines der Mädchen den netten Lehrer mit einem gefälschten Brief des Vaters zu sich nach Hause, wo sie sich dann vor ihm auszieht und ihn verführt. "Sie haben mich in eine ekelhafte Falle gelockt", spricht der Pädagoge noch mißbilligend, bevor er sich dann mit ihr auf dem Sofa in diversen Stellungen vergnügt. Leider sind im anderen Zimmer zwei Freundinnen versteckt, die fleißig das Vorgehen photographieren - und dann am darauffolgenden Tag damit versuchen, den Lehrer zu erpressen (und natürlich werden nicht etwa bessere Noten gefordert, sondern weitere sexuelle Leistungen!). Nur wenig später kommt der Herr Direktor ins Klassenzimmer und führt aus: "Herr Dr. Mallinger wird Sie nie wieder unterrichten. Er hat Selbstmord begangen". Ja, da schauen die Mädels dann auch recht bedröppelt. Wer das moralinschwangere Dramolett als ernsthaften Enthüllungsbeitrag versteht, dem ist wohl nicht zu helfen - aber freilich wäre das Prozedere nur halb so unterhaltsam, wenn es nicht derartig ernsthaft vorgetragen wäre.

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Zwischen den Geschichtchen - in den Herrenmagazinen waren ja damals auch immer Kurzgeschichten und Leserbriefe, in denen beispielsweise Lastwagenfahrer von jungen Griechinnen vernascht und dafür dann beraubt wurden: Thrill plus Lehrgeschichte - läuft Herr von Thun wieder über die Straße und penetriert junge Frauen mit impertinenten Fragestellungen. Das erreicht hier leider nie die journalistische Brillanz des Erstlings, wo von Thun auf die Damen zustürmte und sagte: "Guten Tag, wann wurden Sie defloriert?" - ebenso wie er in der, nunja, Datenerhebung rund um die Frage, wie der perfekte Partner aussieht, auch schon mal nachhakte: "Darf's denn auch ein Neger sein?" Aber nichtsdestotrotz läuft seine knallhart wissenschaftliche Befragung auch hier auf Hochtouren, wenn er der Frage "Würden Sie Aktphotos von sich machen lassen?" die Folgefrage "Haben Sie Aktphotos von sich?" anfügt.

Einige der gezeigten Geschichten sind denn auch größtenteils Begegnungsepisoden - da lernen bayrische Teenager im Heu die Wunder der Natur kennen, bis ein vorbeikommender Gendarm sie zurechtweist, sie sollen mit den Schweinereien aufhören - oder gleich die heiteren Sexpossen, die rundherum im deutschen Kino aufblühten: Da gibt also der unbedarfte Jüngling beim Mädchen eine Welle an, wie erfahren er doch ist, fährt dann mit ihr in den Wald, und weil sich bei ihm nichts rührt und die Klamotten von einem vorbeikommenden Förster gemopst werden, brennt das Mädchen denn auch prompt mit besagtem Herrn Waldmeister durch. Der Jüngling wird übrigens von Michael Schreiner gespielt, der schon im ersten Teil in jeder Einstellung mindestens einmal spastisch die Unterlippe zur Seite geschoben hat, und hier exakt dasselbe tun darf.

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Freilich wäre der Report kein Report, wenn er nicht - wie schon der Vorgänger - auch immer wieder warnende Töne anschlagen und den Zuseher mit Tabubrüchen aus der Reserve locken wollen würde. Da gibt es beispielsweise die Geschichte über ein 15jähriges Fräulein, das sich diverse Männer vorknöpft, unter anderem den Untermieter. Weil die beiden dann von den Eltern erwischt werden, gibt es eine Gerichtsverhandlung, wo der nette Herr dann also wegen Verführung Minderjähriger angeklagt wird. Das Mädchen versucht sich dann zu dräuerlichem Hammond-Orgel-Fiepen auf dem Dachboden zu erhängen, kann aber vom Vater gerettet werden. Eine Psychologin mit zurückgebundenen Haaren und sauertöpfischem Gesicht erklärt uns dann: "Die Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit und den verstaubten Gesetzesparagraphen interessiert das Gericht nur sehr wenig". Und irgendwo gibt es dann auch eine Episode über ein Mädchen, das von zwei Jungs auf einer Party mit Drogen gefügsam gemacht und dann zuhause vergewaltigt wird: Da bricht dann die Doppelmoral der Reihe wieder vollends aus, weil einerseits die Schaulust befriedigt wird, andererseits die Schauergeschichten-Warnung nur wieder ein gewisses Weltbild zeigt, in der ein bestimmtes Verhalten auch prompt bestraft wird.

Zum Glück überwiegen hier die banalen und heiteren Episoden, und weil alles unglaublich aufgesetzt und unbeholfen transportiert wird, ist es auch schwerer, irgendetwas - auch die fragwürdigen Aspekte - allzu ernst zu nehmen. Beispielsweise die letzte Episode, wo ein junges Mädchen schwanger wird und aber den Vater des Kindes gar nicht heiraten will. Da sind die Eltern natürlich erbost, aber dann kommt heraus, daß auch die Mama seinerzeit lange vor der Hochzeit schwanger war. Und schon sind alle wieder glücklich, und die frischgewordene Mutti darf wieder fröhlich lachend mit ihren Schulfreundinnen über die Straße spazieren. Wer sich nach dieser rührenden Geschichte oder nach der beschwingten Story über die feschen Mädels, die Aktphotos von sich machen lassen und dann von Hausmeister Willy Harlander (jaja!) verdattert angegafft werden, weil der gerade ein Herrenmagazin studiert, nicht ganz und gar und vollständig aufgeklärt fühlt, der sei mit der Tatsache getröstet, daß es ja noch weitere 11 Teile des SCHULMÄDCHEN-REPORTS gibt.

Der große Report-Report:

Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten (1970)
2. Teil - Was Eltern den Schlaf raubt (1971)
3. Teil - Was Eltern nicht mal ahnen (1971)
4. Teil - Was Eltern oft verzweifeln läßt (1972)
5. Teil - Was Eltern wirklich wissen sollten (1973)
6. Teil - Was Eltern gern vertuschen möchten (1973)
7. Teil - Doch das Herz muß dabei sein (1974)


Eine Rezension von Christian Genzel
(04. Oktober 2010)
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Daten zum Film
Schulmädchen-Report, 2. Teil - Was Eltern den Schlaf raubt Deutschland 1971
Regie Ernst Hofbauer Drehbuch Günther Heller
Produktion Wolf C. Hartwig Kamera Klaus Werner
Darsteller Friedrich von Thun, Christine Snyder, Rosl Mayr, Karin Götz, Hans Heiking, Willy Harlander
Länge 85 Minuten FSK 16
Filmmusik Gert Wilden
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