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Masters of Horror - Pelts

Masters of Horror - Pelts

Ein Film von Dario Argento

Nach seinem erfolgreichen „Masters of Horror“-Beitrag in der ersten Staffel, in welchem Argento die Thematik von „Die Schöne und das Biest“ persiflierte und in eine neue groteske Form goss (die Geburt von „Jenifer“), ist der Meister des Giallo auch in der zweiten Staffel wieder mit dabei.
Was beide MoH-Filme gemeinsam haben ist die Thematisierung von menschlichen Obsessionen, speziell die sexuellen und die sadistischen Tendenzen, und die damit verbundenen dramatischen Folgen.
In „Pelts“ (zu deutsch: „Pelze“) sind es Geiz, Habsucht und Ignoranz, die die Betroffenen zugrunde richten.
Die auf einer Kurzgeschichte von F. Paul Wilson basierende Handlung erzählt die Geschichte des Pelzhändlers Jake Feldman (im Bezug auf den Namen sehr passend besetzt mit Meat „Fleischklops“ Loaf), über den man erfährt, dass dessen Geschäft mit der Verarbeitung und dem Verkauf von Tierpelzen, aber auch dessen Privatleben sehr unbefriedigend verlaufen. Wie ein Despot lässt er seine Wut und Verzweiflung über die missliche Lage an seinen Angestellten aus und sucht in einem Nachtklub regelmäßig Zerstreuung. Als ihm von seinem Pelz-Lieferanten und Jäger Jeb Jameson (John Saxon, mit dem Argento bereits erfolgreich in „Tenebre“ zusammen gearbeitet hat) ein sehr lukratives Angebot telefonisch unterbreitet wird, schlägt er miesmutig zu und fährt zu ihm in den Wald heraus, um dessen Beute zu besichtigen.
Jameson hat zusammen mit seinem Sohn (Michal Suchánek) tags zuvor ein gut vers
tecktes, verbotenes Waldstück entdeckt und sogleich seine Fallen dort aufgestellt. Der Fang war sehr ertragreich: über Dutzende von Waschbären mit makellos glänzenden Pelzen gingen dem Jäger in die Falle. Auf grausame Art tötet Jameson die Waschbären, wobei er seinem Sohn sogar eine spezielle Tötungsmethode (mit einer Fußbewegung dreht er dem Tier den Hals um) demonstriert.
Als Feldman mit einem seiner Angestellten an Jamesons Hütte ankommt, findet er nur noch dessen und dessen Sohnes grausam zugerichtete Leichnamen. Als der Pelzhändler im Keller jedoch die bereits abgezogenen und aufgespannten Waschbärpelze entdeckt, wird der unnatürliche Tod seines Pelz-Lieferanten und Kollegen zur Nebensache. Gebannt von der Makellosigkeit des silbern schimmernden Fells wittert der opportunistisch-egoistische Pelzverkäufer bereits das große Geschäft, und dass sein Leben sich von nun an grundlegend verändern wird.
Masters of Horror - PeltsMasters of Horror - PeltsMasters of Horror - Pelts
Feldman hat sich bei seinen zahlreichen Nachtklubbesuchen in eine der Tänzerinnen verguckt und ist seitdem besessen von der Idee, mit der dunkelhäutigen Schönheit (Ellen Ewusie) zu schlafen. Das Problem ist nur, dass Shana ihren Stammkunden körperlich und charakterlich mehr als abstoßend findet und diesem lediglich sein Geld abknöpfen möchte.
Mit der Verarbeitung und dem Verkauf der exquisiten, in derartiger Güteklasse einmaligen Pelzen soll sich nun alles verändern….das tut es auch….nur nicht zum Guten.
Die getöteten Tiere waren nämlich die besonderen Schützlinge einer alten, verschrobenen Frau, die tief im Wald ganz alleine in ihrer Hütte wohnt und schwarze Magie praktiziert. Die rabiate Ermordung und Häutung ihrer Tiere zur persönlichen Bereicherung sind der Grund für den von der Alten auferlegten Fluch, der seitdem auf den Pelzen haftet. Jeder, der mit dem Tierfell in Berührung kommt, ist dazu verdammt entweder sich oder die Menschen in seiner Umgebung mit den Werkzeugen, die eben grade sich anbieten, grausam zu verstümmeln. Die Jägerfamilie Jameson ist nur der Anfang der zahlreichen Fälle von exzessiven Selbst-Tötungs-Zwänge….

Dario Argento greift mit seinem Film auf die menschlichen Urtriebe zurück: dem Jagen, Töten, der Lust und der Begierde nach fremdem Eigentum. Er kommentiert auf diesem Weg auch indirekt unsere Ellenbogen-Gesellschaft. Dementsprechend sind auch seine Protagonisten – im Grunde alle ruchlose und unvorbildliche Charaktere – beschaffen. Jeb Jameson lebt seine sadistische Tötungsvorlieben an schwächeren Geschöpfen, bevorzugt an gefangenen oder wehrlosen Tieren, aus. Der Sohn ist ebenfalls im Begriff in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Ihr gemeinsamer Kunde, der von Meat „Fleischklops“ Loaf verkörperte Jake Feldman denkt seinerseits ausschließlich nur an die Vergrößerung des geschäftlichen Ertrags und beutet deswegen bedenkenlos seine Angestellten aus, welche hauptsächlich aus vietnamesischen Frauen bestehen (in Amerika damit eine ethnische Minderheit und die sozial Schwächere). Feldman überträgt also Jamesons Sadismus gegen Tiere auf die ihm unterstellten Menschen; sein Beutezug hat dabei finanziellen Charakter und seine Bemühungen, von der Tänzerin Shana Besitz zu ergreifen, sind physisch-sexuell motiviert. Shana ist für Feldman im Grunde ein Lustbefriedigungsobjekt, welches sein gebeultes Selbstwertgefühl und Ego aufbauen soll.
Shana ihrerseits verfolgt nicht minder eigennützigere Ziele. Da sie aber in der Rangordnung in ihrem von Männer dominierten Metier wesentlich tiefer steht, muss sie auf ausgeklügeltere Taktiken zugreifen: sie benutzt ihren Körper als Geldkapital und hält den Kontakt zu Feldman, den sie tief verachtet, nur deswegen aufrecht, um durch ihn noch mehr Geld zu scheffeln und ihren größten Traum, wieder auf dem Modesteg zu posieren, zu erfüllen. Als Feldman exklusiv für seine Angebetete einen Pelzmantel aus den mit Fluch behängtem Waschbärfell anfertigen lässt und sie mit der Aussicht mit ihrem Körper für den Mantel zu werben ködert, gibt sie kurzzeitig auch ihre Ideale auf und schläft mit ihm, obwohl sie eigentlich auf Frauen steht.
Die Charaktere sind gut gezeichnet, sehr überzeugend gespielt und natürlich sehr klischeehaft. Das tut aber einem Horrorfilm, der zudem weniger als eine Stunde dauert, sehr gut und unterhält dementsprechend. Als Zuschauer fühlt man sich keinem Schauspieler zu Sympathie verpflichtet und kann dem unvermeidlichen Untergang der egoistischen Akteure getrost entgegen sehen.
Masters of Horror - PeltsMasters of Horror - PeltsMasters of Horror - Pelts
Was „Pelts“ aus der Menge seiner Mitstreiter bei den „Masters of Horror“ hervorhebt ist der Grenzen überschreitende Gewaltpegel. Dario Argento hat hier ganz tief in seine Welt der Gewaltphantasien gegriffen und bietet uns Zuschauern derart explizite Szenen, dass hier auch dem hart gesottetsten Gore-Fan übel werden kann. Argento bleibt seinem eigenen Stil zum Glück treu und schwenkt die Kamera, selbst wenn’s besonders unangenehm wird, nicht weg; auch gönnt er dem körperlich mitleidenden Zuschauer keinen Schnitt zu einer angenehmeren Kameraperspektive, sondern hält genau hin. Man wird also Zeuge von Selbstverstümmelungen in derartigen Dimensionen, wie sie höchstens H.P. Lovecraft oder Clive Barker in Szene gesetzt hätten. In einer Szene zum Beispiel näht sich eine von Feldmans Angestellten sämtliche Öffnungen im Gesicht zu und stirbt einen Erstickungstod.
Die Nähszene ist zudem ein ironischer Verweis auf Argentos eigenes Opus mangum „Opera“, in welchem dem Opfer die Augen mit Nageln offen gehalten wurden (in anderen Szenen sieht man auch Großaufnahmen von schwarzen Handschuhen, wenn Jameson den Waschbären die Haut abzieht, - Argentos Markenzeichen).
Spätestens danach wird dem Zuschauer klar, dass mit dem Fluch nicht zu spaßen ist.
Die Szene dauert knapp eine halbe Minute und hat eine unvorstellbare Wirkung (man muss es gesehen haben um es zu glauben). Auch lässt sich Dario Argento nicht nehmen, am Ende ein Showdown zu inszenieren, das sämtliche Goreszenen des Film noch übertrifft, also man sei gewarnt.
Die Gewalt in „Pelts“ ist aber ein wichtiger narrativer Bestandteil und aus dem Film nicht wegzudenken oder gar wegzuschneiden (deswegen ist die Fsk in diesem Fall zurecht auf 18 angesetzt), zumal sie auf den Zuschauer kathartisch wirken soll und mitunter auch eine moralische Aussage vermittelt.
Eine erzähltechnische Innovation darf hier auch nicht unerwähnt bleiben: Argento löst sich von seinem klassischen Giallo-Prinzip der chronologischen Inszenierung und zeigt bevorzugt zuerst das Ergebnis der Selbst-Verstümmelungen, um den Hergang hinterher in entsprechender Detailverliebtheit zu rekonstruieren.

„Pelts“ ist im Gesamtfazit nicht nur ein herausragender Beitrag der „Masters of Horror“ Reihe, neben Carpenters „Cigarette Burns“ und Miikes „Imprint“, sondern vermag darüber hinaus eigene Maßstäbe und Akzente im modernen, teilweise einfallslosen Horrorfilm-Genre zu setzen.
Ich beantrage hiermit, dass Dario Argento den Beititel „Master of Gore“ bekommt und bin auf seine weitere Karierreetwicklung gespannt.

Eine Rezension von Eduard Beitinger
(17. August 2007)
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Daten zum Film
Masters of Horror - Pelts Canada / USA 2006
(Masters of Horror - Pelts)
Regie Dario Argento Drehbuch F. Paul Wilson (Literaturvolage), Matt Venne (Drehbuch)
Produktion Kamera Attila Szalay
Darsteller Meat Loaf, John Saxon, Ellen Ewusie, Link Baker, Brenda McDonald, Michal Suchánek
Länge 58 min. FSK voraussichtlich ab 18
http://www.mastersofhorror.net/
Filmmusik Claudio Simonetti (ex-Keyborder von "Goblin")
in Deutschland ist die 2. Staffel der "Masters of Horror" noch nicht auf DVD erschienen; "Pelts" sollte somit erst im Laufe der nächsten Monate heraus kommen. Auf amerikanischem Markt ist die DVD jedoch bereits erhältlich, z.b. auf amazon.com.
Kommentare zu dieser Kritik
Shikantaza sagte am 07.12.2011 um 23:07 Uhr

Neben "Imprint" für mich die beste Folge aus der "Masters of Horror"-Serie, und das nicht nur weil ich ein Argento-Devotee bin :o) Der Meister zitiert sich mindestens vier- bis fünf Mal in dem einstündigen Film, es ist schön Meat Loaf und John Saxon zu sehen und JA...so SOLL ein Teil der "Masters of Horror"-Serie sein...unheimlich, gemein, splatterig, ironisch und kompromisslos....super Sache, Herr Dario! :o))

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