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Otto; or Up with Dead People

Otto; or Up with Dead People

Ein Film von Bruce La Bruce

Der junge Otto ist ein Zombie. Oder er hält sich nur für einen Untoten, das bleibt der Interpretation des Zuschauers überlassen. Jedenfalls verschlägt es diesen Otto per Anhalter in die Berliner Innenstadt, wo er ziellos umher irrt und kaum auffällt unter den Menschen. Auf diesem Streifzug begegnet er der lesbischen Regisseurin Medea Yarn, die gerade mitten in den Dreharbeiten zu ihrem politischen Zombiefilm „Up with Dead People“ steckt.

Selten zuvor hat Bruce LaBruce seine gängige Film-im-Film-Thematik konsequenter zu nutzen gewusst als in seinem polemischen Anti-Horrorfilm. Nicht nur das sich der Regisseur an die nahe liegende, queere Leseart des Genres anlehnt, auch die Verknüpfung unterschiedlichen Filmmaterials gerinnt hier zur Perfektion. Was sich LaBruce vornimmt, wird ebenfalls in überspitzter Form von Medea Yarn (der Name verweist auf die Avantgarde-Regisseurin Maya Deren) betrieben. Über die macht sich der gesamte Film zwar lustig, anders als frühere lesbische Filmemacherinnen aus Werken von LaBruce ist sie aber mehr als eine bloße Karikatur und wird von Katharina Klewinghaus (in ihrer bisher einzigen Filmrolle) sehr Over-the-Top aber auch akzentuiert und ambivalent dargestellt. Mit der Zeichnung einer prätentiösen Politfilmerin weist LaBruce geschickt eine rein politische Leseart seines eigenen Films von sich, der sich ohnehin eher auf den emotionalen Konflikt Ottos konzentriert und einen Zusammenhang zwischen Schwul-Sein und Zombie-Sein herstellt. I
n einem Interview bestätigte der Regisseur dies, indem er darauf verwies, etliche junge schwule Männer hätten sich ihm gegenüber geäußert, „sich innerlich tot zu fühlen“. LaBruce selbst kann als Sprachrohr der schwulen Subkultur verstanden werden und distanziert sich einmal mehr von biederer Konformität und Bürgerlichkeit.

Wer sich von LaBruce durch die Zuwendung zum Genrefilm eine weitere Annäherung an den erweiterten Mainstream versprochen hat, wird mit OTTO sicher bitterlich enttäuscht. In solch einem entschleunigt-verträumten Tempo hat der queere Kultregisseur wohl noch nie inszeniert, zudem führt er die in HUSTLER WHITE gesponnene Zärtlichkeit hier subtil weiter. Trotz reißerischer Elemente und teils greller Provokation handelt es sich hier um einen meist introspektiven Film. Wie schon in seinen früheren Arbeiten, weiß LaBruce das urbane Setting ideal für sich zu nutzen, was in diesem Fall für die schönen Berliner Originalschauplätze gilt und für den verschärften Blick auf Details. Überhaupt versteht sich der versierte Undergroundfilmer darauf, seine finanziell eingeschränkte Produktionsweise als Chance zu begreifen und eventuell auftretenden Problemen mit Kreativität zu begegnen. Seine düsterrromantische Ader lässt sich der Film auch nicht von expliziten Grenzüberschreitungen rauben, die nicht nur immer wieder auf konventionell schwule Porno-Ästhetik Bezug nimmt sondern auch groteske Entgleisungen wie einen Bauchhöhlenfick in Großaufnahme bietet. Und spätestens seit SHAUN OF THE DEAD werden die schlurfenden Untoten kaum mehr als reine Horrorfiguren eingesetzt, sind endgültig nicht nur im Mainstream sondern in der Parodie und der unabdingbaren Selbstreflexivität angekommen. Dementsprechend wild wechselt OTTO OR UP WITH DEAD PEOPLE zwischen ruhiger Melancholie und drastisch überzeichneter Satire voller Bezüge auf die Filmbranche. Ähnlich wie die Stimmungen im Film jederzeit umkippen können und damit unberechenbar bleiben, jongliert LaBruce mit unterschiedlichem Filmmaterial, dem Wechsel zwischen schwarz-weißen und farbigen Bildern und anderen audiovisuellen Verfremdungen.

Fazit: OTTO ist ein subversiver Zombiefilm, der das Genre allerdings bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Nicht zuletzt die Reizüberflutungen, in die der Zuschauer immer wieder hinein gerissen wird, erschweren den Zugang ein wenig und es ist durchaus vorstellbar, das der Film bei weiteren Sichtungen noch weiter wachsen kann.

Übrigens bleibt Bruce LaBruce auch in seinem nächsten Projekt der Thematik treu, die es ihm offenbar angetan hat. Der Film wird voraussichtlich L.A. ZOMBIE heißen und seinen Schwerpunkt wesentlich deutlicher auf den Porno-Aspekt legen.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(21. Januar 2010)
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Daten zum Film
Otto; or Up with Dead People Deutschland, Kanada 2008
(Otto; or, Up with Dead People)
Regie Bruce La Bruce Drehbuch Bruce La Bruce
Produktion Bruce La Bruce, Jürgen Brüning, Michael Huber, Jennifer Jonas, Jörn Hartmann Kamera James Carman
Länge 94 Minuten FSK ab 18
http://www.ottothezombie.de/
Filmmusik Mikael Karlsson
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