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von Rafael Kühn




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Matrix Revolutions

Matrix Revolutions

Ein Film von Andy Wachowski, Lana Wachowski

Es begann doch so verheißungsvoll. Da revolutionierte ein Film namens „Matrix“ 1999 leichtfüßig im Alleingang das Science-Fiction-Genre, indem er sowohl philosophische als auch religiöse Ansätze mit einer spannenden Cyber-Geschichte, Hochglanzeffekten und Kämpfen im Kung-Fu-Style verband. Niemand hatte zunächst an einen großen Erfolg geglaubt, doch das packende Endzeitdrama entwickelte sich rasend schnell zum Überraschungshit, so dass erwartungsgemäß im Jahre 2003 mit „Matrix Reloaded“ und „MATRIX REVOLUTIONS“ gleich zwei um einiges teurere, parallel gedrehte Fortsetzungen in die Kinos kamen. Doch schon „Matrix Reloaded“ schaffte es bei aller technischen Perfektion und bildgewaltigen Action nicht, in die großen Fußstapfen des Vorgängers zu steigen.


Der Film setzt nahtlos da an, wo Teil 2 aufhörte. Zur Erinnerung: Neo (Keanu Reeves) erfuhr im Vorgänger bei dem denkwürdigen Gespräch mit dem Architekten der Matrix, dass er die sechste Wiedergeburt eines „Systemfehlers“ ist. Zurück in der Realität setzte er sich seltsamerweise mit reiner Willenskraft gegen plötzlich herannahende Wächter zur Wehr und konnte diese, was noch verwunderlicher ist, sogar in die Flucht schlagen. Allerdings fiel Neo daraufhin in ein tiefes Koma. Hier beginnt nun das dritte Abenteuer. Der „Auserwählte“ findet sich, wie man gleich zu Anfang sieht, in einer Art Zwischenwelt wieder – irgendwo zwischen realer Welt und der Matrix angesiedelt –, deren Zugang der aus dem Vorgänger bekannte Merowinger bewacht. Warum Neos virtuelles Ich sich in dieser Zwischenebene befindet, wird bis zum Erretten durch Trinity (Carrie-Anne Moss) und Morpheus (Laurence Fishburne) – und auch danach – leider nicht geklärt. Und so beginnt die eigentliche „Handlung“, die zum einen den bevorstehenden Kampf um Zion erzählt, zum anderen die Reise Neos zum Kern der Maschinenstadt beinhaltet, wo er, seiner Bestimmung folgend, eine Entscheidung trifft, die ihn ein letztes Mal Agent Smith (Hugo Weaving) gegenüberstehen lässt. Damit beginnt ein letzter, gefährlicher Kampf um das Wohl Aller, an dessen Ende es nur einen wirklichen Sieger geben kann. Oder...?


Achtung, um eine angemessene Kritik liefern zu können, komme ich leider nicht umhin, auch das Ende sporadisch mit in meine Besprechung einzubeziehen. Wer den Film also noch nicht kennt und sich die Spannung nicht verbauen möchte, sollte am besten das weitere Lesen einstellen und sich anhand der oben stehenden Bewertung seine eigenen Gedanken machen. Alle anderen können getrost weiterlesen.


Der als „spektakulärer als alles bisher Dagewesene“ beworbene letzte Teil, für den wieder die Wachowski-Brüder sowohl hinter der Kamera standen als auch das Drehbuch lieferten, hätte ein solider Action-Streifen werden können. Konjunktiv. Die Interpretationsansätze, die man aus „Matrix“ ziehen konnte, ließen Großes erwarten, als bekannt wurde, dass bereits sogar zwei Fortsetzungen in den Startlöchern standen und darauf warteten, auf die gierige Zuschauerschaft losgelassen zu werden. Dementsprechend groß war dann auch meistens die Enttäuschung. Vergeblich suchten viele nach dem, was das Original ausmachte, nämlich eine durchweg spannende, originelle Geschichte. Was sie fanden, war letztlich eine schier unermessliche Flut von auf Hochglanz polierten Effekten, die – teilweise seltsame videospiel-artige Züge annehmend – hier und da einzelne Storyfragmente umspielten oder in den ungünstigsten Momenten mit pseudo-intellektuellen Weisheiten und Botschaften „aufgelockert“ wurden, die auch nach mehrmaligen Sehen keinen wirklichen Sinn ergeben. Nichtsdestotrotz reichte die optische Pracht aus für ein durchaus solides Action-Spektakel, das es auch noch bis heute ist. Doch das freche „Fortsetzung folgt“ vor dem elend langen Abspann stimmte wohl nicht nur eingefleischte Fans wütend, wurde doch nicht einmal der Versuch unternommen, die Geschichte insoweit weiterzuerzählen, dass man sich erst gar keines Cliffhangers, wie er sonst nur in Serien vorkommt, bedienen musste. Im Nachhinein ist es nämlich nur allzu offensichtlich, warum „Matrix Reloaded“ mit diesem Paukenschlag beendet wurde: der Film sollte Lust machen auf Teil 3, welcher – so musste man denken – endlich Antwort geben würde auf alle offenen Fragen der breiten Fangemeinschaft.


Doch weit gefehlt! Die Fortsetzung der Geschichte gibt einfach nicht viel her, ist bis auf wenige (zu wenige) Ausnahmen sogar noch um einiges flacher als der Vorgänger und führt die einzelnen angefangenen Handlungsstränge mehr schlecht als recht zu Ende, behandelt sie zuweilen sehr stiefmütterlich. Die meiste Zeit wird unter Aufbietung aller tricktechnischer Finessen, die man sich nur vorstellen kann, gekämpft, geballert, geschwitzt und gestorben, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Dass die Schlacht der Maschinen gegen die Menschen atemberaubend aussieht, steht unzweifelhaft außer Frage. Doch die minutenlange Materialschlacht, die unglücklicherweise einen Großteil des Films ausmacht, wird ihrem Bestreben, Logiklöcher und fehlende Originalität unter Zuhilfenahme modernster Tricktechnik zumindest ansatzweise zu kaschieren – das Auge isst schließlich mit! –, zu keinem Zeitpunkt gerecht, und ermüdet schon nach kurzer Zeit.


Und wenn der Zuschauer glaubt, es wäre endlich vorbei und überwunden, steht der eigentliche über alles entscheidende Kampf zwischen Neo und dem außer Kontrolle geratenen Programm Agent Smith erst noch bevor. Dunkle Wolken ziehen plötzlich am Horizont der Erwartungen auf, lassen böse Vorahnungen wach werden. Und spätestens, wenn Neo und Smith sich in der Luft wie fliegende Superhelden bekriegen, die ihre Unterhose auch gerne mal über der Strumpfhose tragen, wird aus den Vorahnungen schnell traurige Gewissheit: der Zuschauer wird Zeuge, wie die Brüder Wachowski ihren eigenen geschaffenen Mythos mit Füßen treten. Nur aufgrund der Effekte und dem größeren Budget?, mag man sich kopfschüttelnd fragen und das Trauerspiel weiterverfolgen, während der Regen unaufhörlich auf die beiden Kontrahenten niederprasselt. Hier scheint nicht nur der Himmel zu weinen ob des verschenkten Potentials, das dem Finale von Haus aus eigentlich hätte innewohnen müssen. Doch spannungsarm folgt eine atemberaubende Kampfsequenz der nächsten, die natürlich jedes Mal noch atemberaubender als die vorherige daherkommt.


Alle vormals so sorgfältig aufgebauten philosophischen und religiösen Aspekte, aufgrund derer „Matrix“ solch einen hohen Wiedererkennungswert hatte und bis heute noch hat, werden schlicht und ergreifend reduziert auf ein bombastisches Kampfgetümmel ohne viel Anspruch, an dessen Ende eine dürftige, um nicht zu sagen: simple Auflösung steht. Da können auch die vereinzelt eingestreuten Storyfragmente, allen voran Neos Erblindung, nicht viel rausreißen. Ganz dem düsteren Look des kompletten Films folgend, erweist sich der Trilogie letzter Teil traurigerweise als tristes, wenig unterhaltsames Spektakel, das einzig und allein mit den Effekten begeistern kann, während vor allem Keanu Reeves’ minimalistisches, diesmal teilweise gar gelangweiltes Spiel auf einen einzigen Gesichtsausdruck komprimiert wird und damit zum Gelingen des Films wenig bis gar nichts beitragen kann. Dies wirkt in etwa so hölzern wie das Papier, auf dem die Drehbuchautoren ihre Ideen niedergeschrieben haben.


So bleibt der programmierte Sonnenaufgang vor dem Abspann der im wahrsten Sinne des Wortes einzige Lichtblick in dieser bildgewaltigen, zweistündigen, überaus ermüdenden Materialschlacht, an deren Ende eine moralische Aussage steht, die ebenso einleuchtend wie banal erscheint – „Lerne, dich mit dem Unvermeidlichen abzufinden, auf dass du ein angenehmes Leben führen kannst“. Das Leben in einer Illusion, in einer programmierten, neugestarteten und nun farbenfrohen Wirklichkeit – all das erscheint am Ende von „MATRIX REVOLUTIONS“ um so viel besser als das triste Dasein, das man in der aufgezeigten Realität zu fristen hat. Wer die Welt mit eigenen Händen zu dem gemacht hat, was sie heute ist, wird den Ort des vorgespiegelten Seins, in dem selbst imposante Sonnenaufgänge „nur“ geschriebene Programme darstellen, dem der erdrückenden und ernüchternden Wirklichkeit vorziehen. So glauben nun also alle, glücklich und zufrieden in einer Welt zu leben, die keine echte ist, während irgendwo entfernt die ausgesperrte Realität ganz andere, erschreckendere Ansichten darbietet. Befreiung aller Menschen, wie noch in Teil 1 propagiert? Fehlanzeige. Stattdessen lieber ein vorübergehendes friedliches Zusammenleben von Mensch und Maschine und ein übertrieben melancholisches Ende, das von der vielleicht endgültigen Erlösung und immer noch keimenden Hoffnung auf baldige Besserung erzählt.


Sieger ist damit am Ende niemand so richtig. Die Menschen nicht, die Wachowskis schon gar nicht, und auch wir als Zuschauer sollten uns ernstlich fragen, ob es dieses Abschlusses, der eigentlich keiner ist, wirklich bedurft hätte. Die Wahrheit hierzu liegt leider genauso auf der Hand wie die blaue, einsame Pille, die Neo im ersten Teil noch wider besseren Wissens verschmäht hat.

Eine Rezension von Stefan Rackow
(11. September 2007)
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Daten zum Film
Matrix Revolutions USA 2003
(The Matrix Revolutions)
Regie Andy Wachowski, Lana Wachowski Drehbuch Andy & Larry Wachowski (als The Wachowski Brothers)
Produktion Joel Silver Kamera Bill Pope
Darsteller Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Hugo Weaving, Jada Pinkett Smith
Länge ca. 124 Minuten FSK ab 16 Jahren
Filmmusik Don Davis
Visuelle Effekte und Animation Sony Pictures Imageworks, CIS Hollywood, CFX, ESC, Giant Killer Robots, Digital Domain
Kommentare zu dieser Kritik
Zombie-mower TEAM sagte am 12.09.2007 um 01:27 Uhr

stimmt, statt die Vorbereitungen für die beiden Sequels zu organisieren hätten die Wachowskis während des Abspanns nach dem großen Showdown des ersten Teils einfach das Alternative Ende einblenden sollen, in welchem Morpheus einfach der ganzen Crew die blaue Pille ausgibt und alle glücklich in die Matrix zurückkehren und sich mit dem vorherrschenden Zustand der Kontrolle durch die Maschinen abgeben.

Somit wären wir Zuschauer zwar um ein paar CGI-Bilder ärmer gewesen, hätten aber eine derart haarsträubende Handlungsentwicklung bis zum lächerlichen Schluss, inklusive unentrinnbarem Showdown, nicht durchleiden müssen.
Irgendwie zeichnet es die kontrastarmen Darsteller (auch die Bewohner von Zion) aus, dass man einfach keinen Deut um deren Schicksal gibt, man weiss ja schließlich, sie sind lediglich Teil einer Einleitung zu einem weiteren tollen Effekts. Die Kulmination der Geschichte zum actionüberladene Schluss und die ins Pathetische ausufernde Tragik, die beim Angriff der Wächter auf Zion, auf den Zuschauer niederdrückt ist jedenfalls sehr schwer verdaulich, nicht weil es bewegt, sondern weil die emotionale Überwuchung hier total fehl am Platz ist.

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