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Geilermanns Töchter - Wenn Mädchen mündig werden

Geilermanns Töchter - Wenn Mädchen mündig werden

Ein Film von Alois Brummer

Eine Frau heuert einen Privatdetektiv an, um ihrem vermeintlich untreuen Ehemann auf die Schliche zu kommen und vernascht diesen Detektiv sogleich, um die vergangene Leidenschaft ihres Mannes zu veranschaulichen. Zwei Verliebte ziehen sich auf den Dachboden zurück um dort Privatsphäre zu finden, in der Dunkelheit klemmt sich der Mann aber sein bestes Stück in einer Mausefalle ein. Drei junge Frauen bewerben sich für einen Erotikfilm, drehen aber beim Casting den Spieß um und vernaschen mitsamt frechen Kommentaren den verdutzten Produzent. Willkommen in der völlig von der Wirklichkeit losgelösten Filmrealität von Alois Brummer, in der all das und noch viel mehr möglich ist.

GEILERMANNS TÖCHTER (der Filmtitel hat übrigens nicht das geringste mit dem Inhalt zu tun) ist Brummer-Kino in Reinkultur. In jeder Szene steht der Gag im Vordergrund und sei er noch so abgedroschen und platt, mit unnötigem Ballast wie einer Alibi-Handlung oder einer moralischen Dimension belastet sich das schlanke Drehbuch (ebenfalls von Brummer) erst gar nicht. Nicht einmal eine Rahmenhandlung gibt es hier für die vielen kleinen Storys, die in loser Abfolge und recht willkürlich zusammengefügt scheinen. Der Verzicht auf einen übergreifenden Handlungsbogen ist mutig, zeugt er doch von großem Selbstvertrauen – hier geht es um ein nach außen hin braves Dorf, wo es hinter geschlossenen Türen wie in einem Kaninchenstall zugeht. Das reicht Brummer.

Hinter der heiteren Fassade des
Films verbirgt sich freilich auch ernst gemeinter und möglicherweise auch verbitterter Spott seitens des Regisseurs. Anders lässt sich die bösartige Skizzierung kleinbürgerlicher Verhältnisse kaum lesen, die in GEILERMANNS TÖCHTER das Gesamtbild deutlich bestimmt. Davon zeugt schon die spöttische Eingangssequenz, die den Zuschauer in eine typisch süddeutsche Gaststätte einlädt, in der sich eine Gruppe älterer Herren in Anzügen dreckige kleine Schwänke erzählt, was zunächst wie die Etablierung eines Handlungsgerüstes anmutet. Warum diese oberflächlich harmlosen Seitenhiebe auf die Dorfgemeinschaft und ihre Stammtischmentalität durchaus als persönlicher Zynismus gelten dürfen, lässt sich aus den Restriktionen interpretieren, die Alois Brummer seinerzeit über sich ergehen lassen musste. Nach den phänomenalen Kassenerfolgen seiner ersten Spielfilme (auf die Goldene Leinwand für GRAF PORNO UND SEINE MÄDCHEN verzichtete Brummer) wollte der Filmemacher einen Dokumentarfilm über seinen Geburtsort Mainburg inszenieren – fraglos ein persönliches Anliegen, das ihm von den örtlichen Behörden zunichte gemacht wurde. Wohl wegen seiner fragwürdigen Filmografie wurde Brummer die Drehgenehmigung abgeschlagen, so dass kein einziges seiner Werke außerhalb des Erotik- bzw. Pornofilms einzuordnen ist.

In Anbetracht der stetig steigenden technischen Qualität von Brummers Produktionen war diese künstlerische Beschneidung rückblickend ganz sicher eine Fehlentscheidung. GEILERMANNS TÖCHTER ist eine klare Weiterentwicklung im Gesamtwerk Brummers, der hier eindeutig an Timing und Tempo gewonnen hat. In flotter Abfolge nehmen die in den besten Fällen schwer kuriosen Episoden (denn nichts anderes sind die einzelnen, vollkommen für sich stehenden Sequenzen) die kleinstädtische Doppelmoral von Zucht und Ordnung aufs Korn und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. In der Besetzungsliste finden sich einmal mehr hochkarätige Darsteller wie Josef Moosholzer und mit Johannes Buzalski ein weiterer charaktervoller Dauergast im deutschen Erotikfilm.

Buzalski, als dessen denkwürdigste Auftritte wohl seine Rollen in MARK OF THE DEVIL und JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE gelten dürfen, empfiehlt sich schon durch seine einprägsame Physiognomie für derartige Rollen – so spielt er auch in vorliegendem Film einen fiesen Brandstifter. Es mag wie eine große Talentverschwendung wirken, wenn derartig charismatische Schauspieler den größten Teil ihres filmischen Schaffens der erotischen Komödie gewidmet haben. Für den geneigten Fan ergibt sich so eine unerschöpfliche Fundgrube skurriler oder prominenter Kurzauftritte und Nebenrollen innerhalb des Genres. GEILERMANNS TÖCHTER trumpft beispielsweise mit einem jungen Konstantin Wecker und der hübschen Karin Hoffmann auf.

Wie so oft beschränken sich die “Stars“ aber auf Nebenfiguren. Überhaupt gibt es hier keine Hauptcharaktere, kein erzählerisches Zentrum und erst recht keine politische Korrektheit. Humoristisch geht es bisweilen ziemlich derb zur Sache, was sich exemplarisch an einer früh platzierten Sequenz fest machen lässt: Ein Mann taucht in einem Bordell auf, die hier arbeitenden Damen beginnen direkt mit lasziven Flirts. Als sich heraus stellt, das er nur Kleingeld bei sich hat, beschließt eine der Prostituierten, dem beleibten Herrn einen Streich zu spielen. Sie bietet ihre Liebesdienste umsonst an und lässt ihn sich bei Dunkelheit in einem Nebenraum ausziehen. Nun schleusen die Damen gemeinsam eine fette, offensichtlich nymphomanisch veranlagte und übel riechende Putzfrau in den dunklen Raum und sorgen für eine unangenehme Überraschung.

Diese pubertären Späße erinnern nicht zufällig an eine pervertiertes Sex-Update der Lümmelfilme um Hansi Kraus – in deren Tradition das Kino von Alois Brummer eindeutig zu verorten ist. Moralisch mögen solche gehässigen Scherze vielleicht streitbar sein, doch Brummers Kino ist ideologisch kaum streitbar. Spätestens wenn eine Frau ihren Liebhaber beim Schäferstündchen als "muskulös wie ein kapitaler Hirsch" tituliert, darf herzhaft gelacht werden und der Zuschauer wird daran erinnert, warum der urige Charme dieser Filme bis heute keinen Vergleich kennt.

Bleibt zu sagen, das der Erotikanteil in GEILERMANNS TÖCHTER wirklich hoch einzuordnen ist. Ein Dorf voller unmoralischer Lüstlinge – mehr benötigt Brummer eben nicht, um im Stakkato-Rhythmus blanke Busen und Hintern zu präsentieren. Der Film ist um keinen noch so abstrusen Blickwinkel verlegen. So beobachtet ein Mann durch die Tür in einem Lokal, eine Angestellte beim putzen. Der guten Frau (die nicht bemerkt, das jemand sie mit gierigen Blicken bedenkt) wird urplötzlich unangenehm heiß und so reißt sie sich kurzerhand alle Klamotten vom Körper und putzt nackt weiter. Wie aus dem Leben gegriffen halt. Neben der omnipräsenten Nacktheit sind Alois Brummer auch die simulierten Sex-Szenen ansprechend und auch handwerklich gelungen. Zwar sind die betreffenden Szenen hölzern und teilweise gehemmt gespielt, erlauben aber wirklich tiefe Einblicke und gehen so weit, wie es im softerotischen Bereich nur irgend möglich ist. Brummer nutzt seine Möglichkeiten konsequent, was ihn grundlegend von vielen anderen zeitgenössischen Produzenten abhebt.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(31. Oktober 2009)
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Daten zum Film
Geilermanns Töchter - Wenn Mädchen mündig werden Deutschland 1973
(Geilermanns Töchter - Wenn Mädchen mündig werden)
Regie Alois Brummer Drehbuch Alois Brummer
Produktion Alois Brummer Kamera Hubertus Hagen
Darsteller Josef Moosholzer, Johannes Buzalski, Konstantin Wecker, Kurt Meinicke, Waltraud Schaeffler , Karin Hoffmann, Britt Corvin
Länge 79 Minuten FSK ab 16
Filmmusik Fred Tornow
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