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The Amazing Spider-Man

The Amazing Spider-Man

Ein Film von Marc Webb


„I’ve been bitten.“
„Me too.“



ALLES AUF ANFANG. Lang ist es im Grunde nicht her, dass uns Peter Parker, seines Zeichens die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, auf der Leinwand beehrte. Genauer gesagt sind gerade einmal fĂŒnf Jahre seit „Spider-Man 3“ verstrichen. Doch anstatt der Tradition zu folgen, erfolgreiche Filme gleich mehrteilig auszuschlachten, sieht es im Hause Spinnenmann nunmehr so aus, dass mit „THE AMAZING SPIDER-MAN“ zwar rein rechnerisch die vierte Multimillionen-Dollar-Produktion um den arachniden Marvel-Helden vorliegt. Faktisch möchte diese aber rein gar nichts mit den vergangenen Blockbustern zu tun haben und gedenkt auch ĂŒberhaupt nicht, in irgendeiner Beziehung zu diesen zu stehen. Das Zauberwort lautet Reboot, ein Neustart also im ĂŒbertragenen Sinne, oder vielleicht auch nur „Sam Raimi hatte nach einigen kreativen Differenzen mit dem produzierenden Studio keine Lust mehr, zurĂŒckzukehren, weshalb sich dieses kurzerhand entschied, einfach wieder bei Null zu beginnen.“ - In jedem Fall ist im vorliegenden Film trotz altbekannter Ausgangslage nichts mehr so, wie es mal war. Angefangen beim neuen Hauptdarsteller ĂŒber eine gĂ€nzlich neue, nie erzĂ€hlte Geschichte bis hin zum obligatorischen 3D-Gimmick wird ohne Frage wirklich alles aufgeboten, um diese Neuausrichtung nachhaltig zu rechtfertigen. Mit Erfolg
? Oder verstrickt sich „THE AMAZING SPIDER-MAN“ am Ende gar selbst in einem eigens gesponnenen Netz?


Die Geschichte ist zunĂ€chst einmal schnell erzĂ€hlt: Der schĂŒchterne Highschool-SchĂŒler Peter Parker (Andrew Garfield), der bei seinem fĂŒrsorglichen Onkel (Martin Sheen) und seiner noch fĂŒrsorglichen Tante (Sally Field) aufwĂ€chst, ist der klassische Angriffspunkt fĂŒr die coolen Jungs seines Alters, dabei aber eigentlich alles andere als ein Verlierer. Er weiß mit seinem Skateboard umzugehen, interessiert sich fĂŒr die Wissenschaft, ist freundlich, hilfsbereit – und doch sehen viele in ihm seit jeher nicht mehr als einen Außenseiter. Alle bis auf Gwen Stacy (Emma Stone), die heimliche Dame seines Herzens, die er nur zu gerne erobern wĂŒrde. Aber man weiß ja, wie das in dem Alter ist...
Als Peter sich eines Tages in die EinfĂŒhrungsrunde eines wissenschaftlichen Praktikums einschleust und Bekanntschaft mit dem undurchsichtigen Dr. Connors (Rhys Ifans) schließt, Ă€ndert sich das Leben, das er kannte, plötzlich schlagartig. Denn in einem unachtsamen Moment beißt ihn ein Forschungsobjekt namens Spinne, was Peters körperliche FĂ€higkeiten in der Folge mehr verĂ€ndert, als es die verhasste PubertĂ€t jemals könnte. Nach einigen Momenten des Zweifels erkennt der vormals SchĂŒchterne, dass dies eine Gabe ist, die es zu nutzen gilt. Was auch dringend vonnöten ist, da Dr. Connors in der Zwischenzeit ein Experiment wagt, das eigentlich dem Wohle der Menschheit dienen sollte, ihn aber zu einer Gefahr fĂŒr die ganze Stadt mutieren lĂ€sst...


Alles beim Alten, mag man meinen, und in der Tat lĂ€sst auf den ersten Blick wenig darauf schließen, dass dies nun der Neustart einer immens erfolgreichen Film-Trilogie sein soll (alleine „Spider-Man 3“ spielte zuletzt fast 900 Mio. US-Dollar ein). Die effektreichen Actionsequenzen, die dem Stand der Technik entsprechend noch detaillierter ausfallen als vor fĂŒnf Jahren, sehen gut aus und sind tadellos inszeniert; sie sind aber nichts, was man nicht auch schon bei Sam Raimi gesehen hat. Spidey schwingt (diesmal in echtem 3D) durch HĂ€userschluchten, kĂ€mpft in schwindelerregender Höhe gegen seine Gegner, fĂ€llt dementsprechend tief, fĂ€ngt sich wieder und macht selbst dabei noch eine gute Figur. Wie sein VorgĂ€nger auf dem Regiestuhl gibt sich auch Marc Webb („(500) Days of Summer“ [2009]), der ein geschĂ€tztes Budget von 215 Mio. US-Dollar verwursten durfte, nicht mit kleinen Brötchen zufrieden und inszeniert seinen ersten Blockbuster als gelungenes Potpourri aus Action, Humor und leisen Momenten.


Aber wo bleibt denn nun die vollmundig angepriesene „bisher nie erzĂ€hlte Geschichte“? Kurze Antwort: Sie ist da, weist im Endeffekt aber auch nur eine Abwandlung dessen auf, was man aus den VorgĂ€ngerfilmen kannte. Dies dĂŒrfte wahrscheinlich die eingefleischten Comic-Fans am meisten freuen, wichen doch Sam Raimis Adaptionen inhaltlich mehr als einmal von den gezeichneten Vorlagen ab. Das bedeutet konkret: Spider-Man verschießt nun seine FĂ€den ĂŒber eine selbstgebastelte Apparatur, Gwen Stacy ist seine erste Liebe und Dr. Connors hat endlich Gelegenheit, als „Lizard“ eindrucksvoll in Erscheinung zu treten. Das war es dann aber auch schon. Ansonsten lĂ€uft alles auf die altbekannte Entstehungsgeschichte unseres Helden und den Kampf gegen einen ĂŒbermĂ€chtigen Gegner hinaus. Wobei: so altbekannt, wie man denkt, ist die Entstehungsgeschichte dann doch nicht, wenngleich sich „THE AMAZING SPIDER-MAN“ lieber noch mit ominösen Andeutungen und Vermutungen zufrieden gibt, anstatt exakte Antworten zu geben. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.


Das mag nun ernĂŒchternder klingen, als es vielleicht sollte. Doch Superhelden wissen, dass einer offensichtlichen SchwĂ€che auch gleichzeitig eine verborgene StĂ€rke innewohnen kann. Und diese ist möglicherweise die grĂ¶ĂŸte Überraschung dieses durchweg soliden Abenteuers: Nicht etwa die actionreichen Momente wissen nachhaltig zu begeistern (im Grunde sind die „großen“ Augenblicke recht rar gesĂ€t), sondern es sind die ruhigen, die charakterbezogenen, die hĂ€ngen bleiben. Die innere ZerrĂŒttetheit des Helden, seine Liebe zu Gwen Stacy, seine Trauer ĂŒber den Verlust eines geliebten Menschen – diese Momente, die ausnahmsweise kein Computer erzeugt hat, fĂŒhlen sich echt, authentisch an und zeugen von der Brillanz Marc Webbs, der bereits in „(500) Days of Summer“ wusste, wie man jugendliche Probleme gekonnt auf die Leinwand projiziert, ohne diese zu ĂŒbertreiben oder kĂŒnstlich aufzubauschen. Das kann nicht jeder so gut inszenieren. Und nicht jeder kann dies so gut spielen wie Andrew Garfield („The Social Network“ [2010]), der – obwohl mit 29 Jahren fast zwei Jahre Ă€lter als Tobey Maguire zu Beginn seiner Spinnenzeit – schon optisch einen ĂŒberzeugenderen Highschool-SchĂŒler als dieser abgibt. Ohne Maguires Leistung auch nur annĂ€hernd schmĂ€lern zu wollen, kommt Garfield mit seiner charismatischen Darstellung dem Peter Parker der Comics erstaunlich nahe. Und ja, dieser Umstand lĂ€sst sich dann in gewisser Weise doch als kleine, aber feine Rechtfertigung fĂŒr das vorliegende Reboot heranziehen. Emma Stone („The Help“ [2011]) nimmt man die 17jĂ€hrige demgegenĂŒber nicht so recht ab. Man kann im Leben eben nicht alles haben.


Fazit: Auch wenn die ganz große Neuentwicklung dann doch ein wenig auf der Strecke geblieben ist, gibt es genĂŒgend Punkte, die „THE AMAZING SPIDER-MAN“ ĂŒber den Blockbuster-Durchschnitt hieven. Effektvoll, aufwendig und mit dem nötigen GespĂŒr fĂŒr die zwischenmenschlichen Töne ausgestattet, erzĂ€hlt die nunmehr recht comicgetreue Verfilmung eine vielleicht nicht gĂ€nzlich neue, dafĂŒr jedoch souverĂ€n auf den Punkt inszenierte Superhelden-Geschichte, die den nötigen Stoff bietet, aus dem (die fast schon sicheren) Fortsetzungen gewebt sind. Das mag diesen Neuanfang fĂŒr den kritischen KinogĂ€nger vielleicht nur bedingt rechtfertigen, aber alles hat nun einmal zwangslĂ€ufig einen Anfang. Und wenn dieser im vorliegenden Falle derart liebevoll-gehaltvoll daherkommt, darf man ruhig mal ein bisschen weniger streng sein. Von daher: „THE AMAZING SPIDER-MAN“ ist ein guter Film, ein solider Beginn mit ordentlich Potential. Mehr allerdings (noch) nicht.


Hier geht's zur Rezension von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ [2014]


Eine Rezension von Stefan Rackow
(27. Juni 2012)
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Daten zum Film
The Amazing Spider-Man USA 2012
Regie Marc Webb Drehbuch James Vanderbilt, Alvin Sargent, Steve Kloves
Produktion Columbia Pictures / Laura Ziskin Productions / Marvel Enterprises / Marvel Studios Kamera John Schwartzman
Darsteller Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Martin Sheen, Sally Field, Campbell Scott, Embeth Davidtz, Max Charles, Irrfan Khan, C. Thomas Howell, Jake Keiffer
Länge 136 Minuten FSK ab 12 Jahren
http://www.theamazingspiderman.com/
Filmmusik James Horner
Bundesweiter Kinostart: 28.06.2012
Kommentare zu dieser Kritik
Filmfan94 sagte am 18.07.2012 um 15:10 Uhr

Mir persönlich haben die drei " VorgĂ€nger" sehr gut gefallen, vor allem der dritte. Deshalb war ich vor dem neuen etwas skeptisch. Die Skepsis verflog aber doch ziemlich schnell. Überdurchschnittlich gelungener Neubeginn mit ein paar Änderungen, wie in der Kritik schon erklĂ€rt. ich stimme grĂ¶ĂŸtenteils mit der Kritik ein, wĂŒrde aber noch eine Wertung höher gehen.

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