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Premium Rush

Premium Rush

Ein Film von David Koepp

„Brakes are death.“

GroßstĂ€dter wissen es schon lange: die wirkliche Gefahr im Berufsverkehr geht nicht etwa von hochgetunten Karossen und ihren sich zum Teil doch arg ĂŒberschĂ€tzenden Fahrern am Steuer aus, sondern von dem wahrscheinlich unscheinbarsten Teilnehmer am Straßenverkehr. Gestatten: der gemeine Fahrradfahrer. Perfekt getarnt als unmotorisiertes Individuum, ausgestattet mit lediglich zwei RĂ€dern, ist gerade er es, der Autofahrern und FußgĂ€ngern tagein, tagaus mit riskanten Fahrmanövern die Sorgen- und Angstfalten ins Gesicht treibt. Denn wer bremst, hat schon verloren. Leise Erinnerungen werden wach an das Filmjahr 1958, in dem es bei Heinz Erhardt noch spitzbĂŒbisch „Immer die Radfahrer“ hieß. Jetzt, im Jahre 2012, folgt mit „PREMIUM RUSH“ quasi die amerikanisch-kurzweilige Blockbuster-Variante hiervon, die sich diesmal jedoch einer noch weitaus gefĂ€hrlicheren Unterart der Zweiradler annimmt: dem possierlichen Fahrradkurier.


Zu einer ganz besonderen Unterart dieser Spezies – nĂ€mlich jener der waghalsigen Bicyclisten, die ihre Kurierdienste in der New Yorker Verkehrshölle anbieten – gehört Wilee (Joseph Gordon-Levitt): Mit Vollgas und wortwörtlich ohne Bremsen stĂŒrzt er sich in jeden neuen Auftrag, gleichermaßen getrieben von der Sucht nach dem nĂ€chsten Adrenalinstoß und dem Ehrgeiz, seinen Status als Nummer 1 in seinem Job gegen jedwede Konkurrenz zu verteidigen. Doch der unschei
nbare Briefumschlag, den die junge Nima (Jamie Chung) ihm so zögerlich anvertraut, befördert den DraufgĂ€nger mitten hinein in eine rasante Verfolgungsjagd, welche selbst dem stresserfahrenen Tempo-Junkie den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Denn irgendwer will unter allen UmstĂ€nden verhindern, dass diese Lieferung ihren Bestimmungsort erreicht – und Wilee muss seinen ganzen Mut, jedes QuĂ€ntchen Grips sowie sĂ€mtliches Muskelschmalz aufbieten, um die Katastrophe, auf welche er unausweichlich zusteuert, wenigstens ansatzweise heil zu ĂŒberstehen...


Zugegeben, auch die Rezensenten hegten angesichts der Inhaltsangabe zunĂ€chst Zweifel, ob der Ansatz eines Actionfilms, der sich hauptsĂ€chlich um radelnde Akteure dreht, am Ende aufgehen wĂŒrde. Denn viele Experimente der Vergangenheit sind, wie wir alle wissen, trotz guten Vorsatzes dann doch teilweise richtig schön in die Hose gegangen. Aber um allen Vorurteilen gleich vorweg den Wind aus den Segeln zu nehmen: Der ungewöhnliche Genrevertreter „PREMIUM RUSH“ ist in seiner unkonventionellen Herangehensweise derart konsequent, dass alle Vorfeld-Zweifel schnell vergessen sind. Regisseur und Drehbuchautor David Koepp macht nĂ€mlich erst gar keinen Hehl daraus, dass sein Fahrrad-Thriller als ein einziges filmgewordenes Alleinstellungsmerkmal durchgeht, und inszeniert in knapp anderthalb Stunden eine rasante Verfolgungsjagd, die ihrem eigenen Anspruch, eine unterhaltsame Action-Hatz zu prĂ€sentieren, mit einfachsten, wenngleich Ă€ußerst wirkungsvollen Mitteln genĂŒgt. Wenn Wilee vor brenzligen (Fahr-)Situationen in Gedanken die möglichen Konsequenzen durchgeht und dies dem Zuschauer mittels Richtungspfeilen und Crash-Test-Dummie-Momenten nahegebracht wird, verlĂ€sst „PREMIUM RUSH“ mehr als einmal eingeradelte Pfade, nur um am Ende wieder seiner strikten Linie zu folgen. Wie ein Navigationssystem mit Zielprogrammierung umschifft der Film dabei mit Leichtigkeit jedes Klischee-Hindernis, das ihm zum absurden Action-Unfall „verhelfen“ wĂŒrde – angesichts der irrwitzigen Grundidee beileibe keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Doch Koepp, seines Zeichens vielbeschĂ€ftigter Drehbuchautor in Hollywood, der bereits den „Jurassic Park“ [1993] erfolgreich fĂŒr die große Leinwand adaptierte, kann auf eine langjĂ€hrige Erfahrung in der Traumfabrik zurĂŒckblicken und weiß daher schon ziemlich genau, was den Zuschauer 90 Minuten lang bei der Stange hĂ€lt.


Koepps wirkungsvollster Trumpf ist dabei sein Hauptdarsteller respektive die durch ihn zum Leben erweckte zentrale Figur des Films: Ein wenig zu sehr von sich selbst ĂŒberzeugt, ein bisschen mehr den DraufgĂ€nger spielend, als man ihm abnehmen möchte, und ganz gewiss nicht ohne Makel entpuppt sich Wilee alias Joseph Gordon-Levitt („Hinterm Mond gleich links“ [1996-2001], „The Dark Knight Rises“ [2012]) nichtsdestotrotz bereits nach wenigen Filmminuten als Paradebeispiel fĂŒr den charismatischen Helden, mit welchem das Publikum trotz oder gerade wegen seiner Unvollkommenheit nur allzu gern mitfiebert. Jubelnd ĂŒber jedes Schnippchen, welches der erstaunlich gut konstituierte Haudegen auf zwei RĂ€dern dem bösen Buben schlĂ€gt, wird der Zuschauer in die wahnwitzigen Verfolgungsjagden mitgerissen, eine Atempause nur selten in Sicht. Hier ist endlich einmal wieder ein echter SympathietrĂ€ger am Werk, bei dem man sich aus vollem Herzen wĂŒnscht, er möge letztlich den Sieg in diesem nicht nur ungleichen, sondern höchst unfairen Zweikampf davontragen. Gleichzeitig darf einer weiteren Leidenschaft gefrönt werden, die unter Kinozuschauern weit verbreitet ist: Denn Michael Shannon[ („Take Shelter“ [2011]) verkörpert einen Bösewicht, den zu hassen dem Publikum wahrhaftig ein VergnĂŒgen sein dĂŒrfte. Seine Figur ist manisch in ihrem Bestreben und zugleich von Ă€ußerst tragischer Natur, wenn allmĂ€hlich die HintergrĂŒnde fĂŒr sein Handeln ans Tageslicht gelangen. Shannon schultert diese Doppelbelastung beinah mĂŒhelos und sorgt mit seiner gelungenen Charakterisierung eines zerrissenen Cops dafĂŒr, dass diese Rolle, die nur allzu leicht zur Parodie hĂ€tte verkommen können, auch noch nach dem Abspann in guter Erinnerung bleibt. Und Dania Ramirez (Maya Herrera in „Heroes“ [2007–2008]), Hollywoods heißgehandelter Newcomer, sorgt nebenbei fĂŒr eine gesunde Portion Eye-candy. Ja, so kurzweilig können 91 Minuten sein!


Fazit: Anschnallen! „PREMIUM RUSH“, David Koepps Action-Thriller auf zwei RĂ€dern, ist kurzweilig-ungewöhnliche Action-Unterhaltung mit hohem Tempo, rasanten Stunts und einer packenden Geschichte, originell zusammengeschnĂŒrt zu einem ordentlichen Paket, das einem in dieser Form bisher wohl noch nicht untergekommen ist. Return to sender? Ganz im Gegenteil. Denn diese ĂŒberraschende Lieferung nimmt unsereins doch gerne an.


Eine Rezension von Stefan Rackow und Nicole Goldstein
(22. Oktober 2012)
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Daten zum Film
Premium Rush USA 2012
(Premium Rush)
Regie David Koepp Drehbuch David Koepp & John Kamps
Produktion Pariah Kamera Mitchell Amundsen
Darsteller Joseph Gordon-Levitt, Dania Ramirez, Michael Shannon, Jamie Chung, Wolé Parks, Christopher Place, Boyce Wong, Aasif Mandvi, Brian Koppelman, Anthony Chisholm
Länge ca. 91 Minuten FSK ab 12 Jahren
http://www.premiumrush.com/
Filmmusik David Sardy
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