W. - Ein missverstandenes Leben

Ein Film von Oliver Stone
Dem teils paradoxen Werdegang von George W. Bush, vom Jack Daniels vernichtenden Schluckspecht zum mächtigsten Mann der Welt, widmet sich das aktuelle Biopic „W.“.
Noch bevor Bushs Amtszeit offiziell auslief, inszenierte Regisseur Oliver Stone einen Schwanengesang auf den streitbaren Politiker.
Kein Wunder, ist Stone doch seit jeher unbequemer Spezialist für schwierige Stoffe und Fachmann in der Aufarbeitung amerikanischer Traumata wie des Vietnamkrieges (z.B in „Platoon“ oder „Geboren am 4. Juli“) ,dem Kennedy-Attentat( „JFK-Tatort:Dallas“) oder des 11. Septembers („World Trade Center“).
Nach der 1995er Inszenierung von „Nixon“ mit Anthony Hopkins in der Titelrolle widmet er sich nun zum zweiten Mal der Life-Story eines Gefallenen, einem Mann, dem einst die Massen zujubelten und der zum Buh-Mann einer ganzen Nation wurde.
Der Film beginnt mit den typischen Geräuschen eines Baseball-Stadions. George W. tritt in die Mitte des Stadions und die Menge kreischt und jubelt. Nur, dass dies scheinbar in seiner Einbildung geschieht - denn die Ränge sind menschenleer.
Eine dramaturgisch überspitzte Szene, die jedoch ungefähr auf die Realität zutrifft- bei jetzigen Bush - Auftritten kommt der Applaus eher verhalten.
Leicht hatte es Bush nie. Immer etwas im Schatten des zunächst erfolgreicheren Bruders Jeb stehend, fiel er hauptsächlich durch wenig ehrenhaftes Verhalten in der Army und starken Alkoholkonsum auf.
Erst sein Weg zum Glauben und seine Beziehung zu seiner späteren Ehefrau Laura brachten ihn auf den rechten Weg.
Vom Gedanken beseelt, genau nach Gottes Willen zu handeln, begann sein unaufhaltsamer Aufstieg bis zur Spitze des Staates.
Zunächst sollte Christian Bale („The Dark Knight“, „American Psycho“ und „Rescue Dawn“) die Hauptrolle übernehmen, glücklicherweise bekam jedoch letztendlich Josh Brolin („Planet Terror“, No Country for Old Men“) den Zuschlag- nicht zuletzt weil Bale aus Imagegründen kalte Füße bekam und so frühzeitig aus dem Projekt ausschied.
Brolin hatte laut Stone den typischen Cowboy eh wesentlich besser drauf.
Mit Nasenprothese ausgestattet, verkörpert er den sturen Texaner, der eher aus dem Bauch heraus handelt, äußerst glaubhaft und überraschend zurückgenommen.
Klar, Stone nimmt sich einige Freiheiten, insbesondere bei der übertrieben melodramatischen Darstellung des Vater-Sohn Konflikts zwischen Bush sen. und seinem Filius inkl.
alberner (Alb-)Traumsequenz - Das hätte wahrlich nicht sein müssen.
Jedoch merkt man, dass es ihm nicht nur um die Demontage geht.
Bush wird nie dämonisiert.
Das bezieht Stone lieber auf die übrige Bush Administration, in der Condoleezza Rice als bedingungslose Ja – Sagerin und Donald Rumsfeld als allzu kriegswütiger Militärfanatiker dargestellt werden.
Erwähnung sollte auch Richard Dreyfuss („Der weiße Hai“) in seiner Rolle als Dick Cheney finden.
Auf die Frage, wie es zu ganzen zwei Amtszeiten (also einer einmaligen Wiederwahl) und einer im Nachhinein gesehenen desaströsen Bilanz kommen konnte, weiß jedoch auch Stones Film keine Antworten.
Der Film zeigt nicht was der Zuschauer nicht sowieso schon weiß.
So bleibt von W., dem Film, ein ähnlich zwiespältiger Eindruck wie vom eigentlichen Politiker zurück.
Stone inszenierte ein allzu biederes, teilweise auf Fernsehniveau dahindümpelndes Bio-Drama , dem man die Schnellschuss-Produktion gelegentlich leider ansieht, und das letztlich hauptsächlich durch seinen überragenden Hauptdarsteller besticht.
Schade, denn von einem der provokantesten Regisseure hätte man durchaus wesentlich mehr erwarten können.
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