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Vergiss mein nicht!

Vergiss mein nicht!

Ein Film von Michel Gondry

Wäre es nicht wunderbar, manche Dinge einfach aus dem Gedächtnis löschen zu können? Diesen Wunsch haben wohl viele bereits nach einer gescheiterten Beziehung verspürt. Den Drang, sich der schmerzhaften Erinnerungen zu entledigen und ohne störenden Ballast noch einmal ganz von vorn anzufangen. Reingewaschen und unbefleckt. Doch kann dieses Szenario zu Recht wünschenswert sein?

Mit ebendieser Frage beschäftigt sich Regisseur Michel Gondry („Human Nature“) in seinem zweiten und bis dato erfolgreichsten Spielfilm, dessen Originaltitel „Eternal sunshine oft the spotless mind“ (= „Ewiger Sonnenschein des unbefleckten Geistes“)uns bereits an den Kern der Sache heranführt.

Protagonist Joel Barish (Jim Carrey) ist keine besonders aufregende Persönlichkeit. Dies erfahren wir gleich zu Beginn von seiner Stimme aus dem off. Doch als er am Morgen des Valentinstags zur Arbeit fahren will, überkommt ihn plötzlich ein merkwürdiger Drang, sodass er einer Eingebung folgend den Zug Richtung Strand nimmt.
Dort angekommen begegnet er einer jungen Frau mit blau gefärbten Haaren, deren unkonventionelle Art ihn ebenso befremdet wie anzieht. Ihr Name ist Clementine Kruczynski (Kate Winslet). Obwohl sie sich kaum kennen, spüren beide, dass da mehr zwischen ihnen ist, als nur der Reiz einer flüchtigen Bekanntschaft …
Soviel zur Rahmenhandlung.

Nach dem ersten von mehreren Zeitsprüngen im Film sieht man Joel weinend im Auto sitzen und der Zuschauer wird in Kenntnis gesetzt von seiner Beziehung mit Clementine, welche nach ca. zwei Jahren in die Brüche gegangen ist. Da Joel seine Exfreundin nicht aufgeben kann, besucht er sie ein paar Tage nach der Trennung an ihrem Arbeitsplatz, einer Buchhandlung. Doch zu seinem großen Schock behandelt Clementine ihn nicht nur wie einen ganz normalen Kunden, sondern tauscht auch noch Küsse mit einem unbekannten Mann aus. Sie scheint ihn nicht zu erkennen. Da Joel infolgedessen mit den Nerven am Ende ist, erzählt einer seiner Freunde ihm von Clementines Entscheidung, Joel mithilfe eines speziellen Verfahrens aus ihrem Gedächtnis löschen zu lassen. Sie wisse nicht mehr, wer er sei, noch habe sie irgendwelche Erinnerungen an ihn. Dr. Howard Mierzwiak (Tom Wilkinson), der leitende Arzt der Firma „Lacuna“, welche sich für die Behandlung verantwortlich zeigt, bestätigt dies. Völlig überfordert mit der Situation beschließt Joel also, das gleiche Verfahren an sich durchführen zu lassen und Clementine somit für immer aus seinem Gedächtnis zu verbannen …
Vergiss mein nicht!Vergiss mein nicht!Vergiss mein nicht!
Michel Gondry, der sich zuvor bereits mit innovativen Musikvideos für die Rolling Stones oder Radiohead hervorgetan hat, bietet uns mit diesem Werk eine breite Palette an filmischen und stilistischen Mitteln. Die Geschichte ist in Rahmen- und Binnenerzählung gegliedert, die Haupthandlung präsentiert sich als eine umfassende Rückblende vergangener Ereignisse. Mithilfe zahlreicher Zeitsprünge in Form von Erinnerungen setzt sich das Mosaik der Beziehung von Joel und Clementine zusammen und das in einer Intensität, welche den Zuschauer augenblicklich emotional gefangen nimmt.

Dies liegt vor allem an der hervorragenden Leistung aller Darsteller. Besonders hervorzuheben sind hierbei die beiden Protagonisten. Jim Carrey, welchen man größtenteils aus Klamauk wie „Die Maske“ oder „Der Dummschwätzer“ kennt, beweist wieder einmal nachhaltig sein großes Talent für ernst zu nehmende Rollen. Man nimmt ihm die Charakterisierung des in sich gekehrten, künstlerisch begabten Joel ohne weiteres ab. Doch auch Kate Winslet verkörpert die impulsive (optisch hervorgehoben durch den ständigen Wechsel ihrer Haarfarbe), widersprüchliche Clementine absolut glaubwürdig.

Obwohl diese zwei Menschen Gegensätze darstellen, wirken sie nicht dem Hollywood-Handbuch für Stereotype entnommen. Ganz im Gegenteil, durch die Chemie zwischen den Darstellern und feine Charakterzeichnung entsteht für den Zuschauer großes Identifikationspotential. Die verschiedenen Momente ihrer Liebesgeschichte, deren Zeuge wir werden, sind ebenso lebensnah wie anrührend. Fast jeder, der schon einmal eine Beziehung mit all ihren Höhen und Tiefen durchgestanden hat, wird sich in mindestens einer Situation wiederfinden.

Obwohl der Film, im Gegensatz zum klassischen Liebesdrama, durchzogen ist von Elementen aus dem Sci-Fi-Bereich, wird dem eben erwähnten Authentizitätseffekt keinerlei Abbruch getan. Die Prozedur des sogenannten „Löschvorgangs“ mag wissenschaftlich mehr als fragwürdig sein, doch anstatt sich daran zu stören, kann man diesen Aspekt getrost unter künstlerischer Freiheit verbuchen, welche dem Gesamtwerk die Note eines modernen Märchens verleiht. Dasselbe gilt für den ständigen Wechsel von realistischer Außen- und traumartiger Innenperspektive. Ein Großteil des Gezeigten spielt sich hauptsächlich in Joels Gedanken während des Löschverfahrens ab. In einem komaähnlichen Zustand durchlebt er abseits von Raum und Zeit die vergangenen Momente seiner Beziehung, welche nach und nach ausradiert werden. Jene Passagen sind gekennzeichnet durch vielfältiges Spiel mit Farben (je nach Atmosphäre der jeweiligen Situation), Licht und Schatten, was den unwirklichen Effekt noch verstärkt.

Die verschiedenen gestalterischen Elemente sind allgemein ein großer Pluspunkt, welcher sich durch das gesamte Werk zieht. Die Nutzung der Handkamera verleiht besonders den Eingangsszenen einen künstlerischen Touch und verringert die gefühlte Distanz zum Geschehen. Das Gezeigte wird oftmals in kalte, bläuliche Farben getaucht und in wunderbar komponierte Bilder gekleidet (damit sei vor allem eine besonders romantische Szene auf dem Eis hervorgehoben). Unaufdringliche, melancholische Musik unterstreicht das Ganze und rundet den Gesamteindruck angemessen ab.
Vergiss mein nicht!Vergiss mein nicht!Vergiss mein nicht!
„Du siehst dir ein Baby an und es ist so was von rein und so frei und so sauber und… Erwachsene bestehen doch nur aus Traurigkeit und Ängsten. Howard sorgt dafür, dass es verschwindet.“

Wenn man ehrlich ist, passt das Leitthema des Films sehr gut in unsere schnelllebige Gegenwart. Die Dynamik steht im Leben an erster Stelle, man will lieber laufen, statt verweilen, lieber frei sein, statt gebunden, lieber vergessen, als erinnern. Die Vorstellung vom Menschen als unbeschriebenes Blatt ist somit verlockend, denn Gefühle und Ängste scheinen der natürliche Feind von Freiheit und Spontanität zu sein.
Doch Erfahrungen bilden den Kern unserer Persönlichkeit, nur durch sie werden wir die, die wir sind. Mit jeder noch so kleinen Erinnerung geht auch ein Teil des Menschen verloren und was könnte somit grausamer sein als jemanden zu vergessen, den man von ganzem Herzen liebt? Dies scheint auch Joel letztendlich klar zu werden, doch hat man sich einmal für das Verfahren entschieden, kann es nicht mehr rückgängig gemacht werden…

Michel Gondry hat mit diesem Film eine wunderbar erfrischende Liebesgeschichte geschaffen, die reich ist an kunstvollen Details, sowie einigen Überraschungseffekten. Es wird nirgendwo das Klischee klassischer Liebesfilme bedient, sondern ein kreativer Zugang zum Thema Liebe und Vergessen ermöglicht. Technische Finessen, gestalterischer Einfallsreichtum und überzeugende Darsteller runden das Ganze ab. Ein kleines Gesamtkunstwerk, welches zu Recht den Oscar für das beste Originaldrehbuch erhielt.

Eine Rezension von Caren Pauli
(01. Mai 2012)
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Daten zum Film
Vergiss mein nicht! USA 2004
(Eternal Sunshine of the Spotless Mind)
Regie Michel Gondry Drehbuch Charlie Kaufman
Produktion Anthony Bregman, Steve Golin Kamera Ellen Kuras
Darsteller Jim Carrey, Kate Winslet, Tom Wilkinson, Kirsten Dunst, Elijah Wood, Mark Ruffalo
Länge 104 Minuten FSK 12
Filmmusik Jon Brion
Kommentare zu dieser Kritik
mücke sagte am 02.05.2012 um 18:46 Uhr

kann der kritik einfach nur zustimmen.

der film ist unglaublich romantisch, ohne kitschig zu sein, humorvoll, ohne albern zu sein und genial, ohne verkopft zu sein.

das ganze abgerundet von zwei super hauptdarstellern, einer cleveren und gut erzählten story, untermalt von einem supertollen und dynamischen soundtrack. absolut sehenswert.

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