Asylum Erotica
Als Giallo-Fan kommt man nach dem Genuss der „großen“ Werke (ZB Argentos Profondo Rosso) des Italo-Thrillers unweigerlich zu den eher unbekannteren und obskureren Filmen dieses Genres. Oft entdeckt man bei seiner Suche eine echte Perle.
Leider gehört "Der Triebmörder" nicht dazu.
Wenigstens erfährt man dank di Leos seriöser Recherche, wie es in europäischen Irrensanstalten aussieht: Alle Patienten sind weiblich und dazu noch ziemlich sexy. Damit auch das Personal(inklusive Oberarzt Klaus Kinski) was davon hat,laufen sie meist nackt herum.
Da sich Geisteskranke, natürlich niemals selbst verletzen würden liegen im ganzen Anwesen mittelalterliche Mordwerkzeuge herum , die der maskierte Killer, welcher im alten Gemäuer umgeht, gleich dazu gebraucht allerlei halbnackte Eurobabes und das Personal hinzumetzeln.
Aber nun im Ernst: So absurd es klingt, aber eine ernsthafte Handlung hat „Slaughter Hotel(so der englische Titel des Streifens) nicht wirklich. Es kommt nie echte Spannung auf und die Mordszenen sind dermaßen dilettantisch, dass man zumindest in dieser Hinsicht das kalte Grausen bekommt.
Als erklärter Klaus Kinski Fan war der Film natürlich ein Pflichtkauf für mich- immerhin hat man den guten Klaus im Giallo-Genre ja geradezu sträflich vernachlässigt.
Doch auch hier versagt "Slaughter Hotel" kläglich: Kinski hat wenig Screen-Time und was es mit seiner Rolle auf sich hat will ich lieber nicht verraten, da ich niemandem dieses letzte Quäntchen Spannung am Film nehmen möchte.
Überhaupt hat Di Leo sichtlich mehr Wert auf die weibliche Besetzung gelegt– zB die sexy Rosalba Neri als Nymphomanin -und dabei Alles andere komplett vernachlässigt.
Als Giallo taugt der Film also nicht viel. Ob Regisseur Di Leo jedoch überhaupt einen Thriller im Stile Argentos im Sinn hatte, ist sowieso mehr als fraglich.
Denn die (S)exploitation Elemente überwiegen hier wie gesagt ganz eindeutig.
Was für jeden Italo-Schundfan dann das Ruder doch noch rumreisst.
Also Hirn aus und ab gehts:
Denn wo „Der Triebmörder“ mit Logik und Handlung geizt, da trumpft er mit Sleaze für Wochen auf(der Alternativtitel Asylum Erotica passt da auch eigentlich besser).
Hier muss ich besonders allen Interessierten die amerikanische Shriek Show Version des Films ans Herz legen, die mit einem netten Interview mit Regisseur Di Leo aufwartet: Hierbei kann sich Di Leo eigentlich nur mehr an die ganzen Schönheiten am Set erinnern und wundert sich, warum sein Werk nun als Kultfilm verehrt wird….
Dass man Thriller und Sexploitation besser miteinander verbinden kann zeigte zwar Andrea Bianchis „Strip for the Killer“, aber eine adäquate (wenn auch sinnfreie) Unterhaltung für hartgesottene (weil schon viel Schlechtes gewohnte) Italoploitation-Kenner bietet Di Leos Machwerk allemal.
Sieht man den Film also als reinen Sleaze-Exploitationer verdient er sicher 5-6 Sterne, als Giallo jedoch bleibt er hinter den meisten Mitbewerbern zurück.
Angemerkt sei noch, dass man Di Leo jetzt nicht unbedingt in die Sleaze-Schublade stecken sollte (obwohl er mit dem legendär-berüchtigten "Avere vent´anni" mit Gloria Guida dorthin zurückkehrt).
Das der gute Mann auch ganz anders kann, zeigte er mit der genialen „Milieu“ Trilogie (u a mit Mario Adorf und Henry Silva), für deren Teil uno(Milano Kaliber 9) ich ebenfalls ein Review verfasst habe.