Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
1562 Filmkritiken | 7806 Personen | 2758 Kommentare  
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden


Auch interessant



All the Boys love Mandy Lane
von Jonathan Levine
Twitter



Meist gelesen¹

1. 
Piranha 3D  

2. 
Der letzte Exorzismus  

3. 
Martyrs  

4. 
The Expendables  

5. 
The Loved Ones  

6. 
Black Death  

7. 
Amer  

8. 
Enter The Void  

9. 
Rubber  

10. 
Der Blutige Pfad Gottes 2  
¹ gilt für den aktuellen Monat

  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Carol Reed > Der dritte Mann
Der dritte Mann RSS 1.0


Der dritte Mann

Der dritte Mann

Ein Film von Carol Reed

Das Nachkriegs- Wien, wie Carol Reed es 1949 in seinem Film- Meilenstein “Der dritte Mann” zeigte, ist nicht nur äußerlich ein Gebiet des Zwielichts und des Schmutzes. Nein, auch was die Figuren des wegweisenden Noir- Krimis anbelangt, gleicht dieses Wien einem düsteren Ort, einem Tummelplatz von dubiosen Geschäftsmännern, in dem kriminelle Machenschaften an der Tagesordnung sind.

Dorthin `verirrt´ sich der Amerikaner Holly Martins (Joseph Cotten), ein unscheinbarer Autor billiger Pulp- Romane, der eigentlich nur seinen Freund Harry Lime (Orson Welles) besuchen will, der ihn in die vom Krieg gebeutelte Donau- Metropole beordert hat. Sogar das Ticket hat Lime dem armen Schlucker Holly bezahlt, damit dieser überhaupt anreisen kann. Kaum kommt er aber an, erfährt er vom Portier des Hotels (Paul Hörbiger), Harry sei ums Leben gekommen. Wenn er sich beeile, schaffe er es gerade noch rechtzeitig zu dessen Beisetzung. Der völlig überraschte Holly macht sich auf den Weg und trifft an Ort und Stelle einige Bekannte des scheinbar toten Harry, darunter den britischen Polizeichef Calloway (Trevor Howard) und Lime`s Freundin zu Lebzeiten, Anna Schmidt (Alida Valli), die unter falschem Namen in Wien lebt, um sich vor den russischen Besatzungsmächten zu schützen. Diese beiden Holly fremden Personen sowie ein paar weitere geheimnisvolle Gestalten wie ein Arzt namens Winkel (Erich Ponto) und ein Mann, der sich Baron Kurtz (Ernst Deutsch) nennt, sind alle mehr oder weniger in ein finsteres, undurchschaubares Spiel verstrickt, dessen Hintergrund Holly erst nach und nach ersichtlich wird. Harry sei ein skrupelloser Penizilinschieber gewesen, behauptet Calloway. Tatsächlich behält der Major recht, doch es steckt noch mehr dahinter- nämlich hat Harry seinen Tod nur vorgetäuscht und steht auf einmal putzmunter im Angesicht des ahnungslosen Holly…

Seit nunmehr sechzig Jahren gilt “Der dritte Mann” als unwiderruflicher Klassiker des film noir. Im Fahrwasser der Hits der “Schwarzen Serie”- im Besonderen “Die Spur des Falken” (`The Maltese Falcon´, 1941) mit Humphrey Bogart oder die Beiträge von Howard Hawks (“The Big Sleep- Tote schlafen fest”, 1946) und Jacques Tourneur (“Goldenes Gift”, 1947)- gelang es Carol Reed, inmitten einer realistischen, historischen Szenerie (dem von Bomben zerstörten und im mühsamen Wiederaufbau befindlichen Wien des Jahres 1949), mit den obligatorischen Elementen jenes Genres, das in den USA in den 40er und 50er Jahren seine Blütezeit erlebte, einen meisterlichen Krimi zu inszenieren, der seine expressiv- packende Grundstimmung wohl niemals einbüßen wird. Einzigartig, wie Kameramann Robert Krasker das verruchte Treiben seiner Protagonisten auf die Leinwand bannt. Calloway, Anna, Winkel, Kurtz, der Portier usw.- alles Noir- Archetypen, die von Beginn an etwas verbergen.

Der Einzige, der genauso unwissend ist wie der Zuschauer selbst, ist Holly. Der unfreiwillig in die Rolle des Schnüfflers geratene Schriftsteller bekommt nach und nach die Augen geöffnet und rutscht in einen Sumpf aus Korruption, Schwarzmarkthandel und Mord hinein. In den dichten, unheilsschwangeren, von fahlem Licht durchfluteten Kulissen mit ihren schattigen Gassen und unterirdischen Abwassersystemen liegt der Geruch von Lüge und Gefahr ständig in der Luft. Carold Reed`s Abdriften in diese verruchten Abgründe der Stadt, in deren Trümmern auch die ethischen Werte von einst versunken gegangen scheinen und wo es heißt, niemandem außer sich selbst zu vertrauen, ist der zynische Gegenentwurf zu einer Ära, in der die österreichische Hauptstadt noch als kulturelles Zentrum Europas fungierte und mit dem Begriff `Wiener Klassik´ verbunden war. In einer Schlüsselszene des Films erklärt Harry Lime seinem Freund Holly auf dem Riesenrad des Wiener Praters seine Sicht der Dinge- bezogen auf die politischen und ökonomischen Fortschritte des Landes:

“Nobody thinks in terms of human beings. Government`s don`t. Why should we? They talk about the people and the proletariat, I think about the suckers and the mugs- it`s the same thing. They have their five-years-plans, so have I… In Italy for thirty years under the Borgias they had warfare, terror, murder, bloodshed- but they produced Michelangelo, Leonardo da Vinci, and the Renaissance. In Switzerland they had brotherly love, 500 years of democracy and peace, and what did that produce? The cuckoo clock. So long, Holly!”

Der dritte MannDer dritte MannDer dritte Mann
“Der dritte Mann” wirkt in diesem Kontext, dem Widerspiegeln einer (komprimierten) Gesellschaft, die ihre Strukturen verloren hat, die von vier Siegermächten gleichzeitig regiert wird, welche sich die Stadt untereinander aufteilen, und die sich erst wieder ihren Status als international anerkannte Metropole erarbeiten muss, im höchsten Maße authentisch. Hierin kleidet Reed sein spannendes Katz- und- Maus- Spiel, ein klassischer Kriminalfilm mit überraschenden Wendungen und undurchsichtigen Charakteren im Stile des film noir sowie teils surreal bebilderten, expressionistisch geprägten Schwarz- Weiß-Sequenzen- beispielsweise die Katze, die um die Beine des schemenhaft zu erkennenden Harry schleicht, die furchterregende Leere auf dem Marktplatz und- nicht zu vergessen- die finale Hatz durch die Kanalisation, die heute noch dieselbe gruselige Faszination ausstrahlt wie bei der Erstaufführung.

Die eindringliche Schilderung eines schaurig- schönen, verbrecherischen Milieus vor zeitgeschichtlichem Hintergrund funktioniert auch so grandios dank der überragenden Darstellerleistungen. Orson Welles ist dabei natürlich das Aushängeschild des Films. Bei seiner Gänsehaut erzeugenden Darbietung des rücksichtslosen, egoistischen Schiebers Harry Lime ist es kein Wunder, dass seine Rolle noch im neuen Jahrtausend stetig rauf und runter zitiert wird. Welles, ganz offiziell einer der größten Schauspieler aller Zeiten, gibt den Lime als klassischen (Film-) Bösewicht, nicht ohne Charme, mit einer großen Portion Größenwahn- aber durchgehend faszinierend. Das krasse Gegenstück bildet der von Joseph Cotten gespielte Holly, ein unbekümmerter- um nicht zu sagen weltfremder- Naivling, der sich knietief in den Morast begibt und nun aus eigener Kraft wieder herausfinden muss. Neben Trevor Howard, der den zwielichtigen Major Calloway spielt- und einigen “Einheimischen”- ist Alida Valli als für den film noir typische Femme fatale mit von der Partie, die für Holly eine unerreichbare Frau bleibt.

Graham Greene, der Autor der Buchvorlage, der auch am Drehbuch des Films mitbeteiligt war, sagte einmal, “Der dritte Mann” sei nicht geschrieben worden, um gelesen, sondern um gesehen zu werden. In der Tat ist Carol Reed`s Ausnahme- Krimi mit den typischen Ingredienzien des amerikanischen film noir der 40er und 50er- Jahre einer der Filme, die man gesehen haben muss. Legendär ist auch die einprägsame Zithermusik von Anton Karas, den Regisseur Carol Reed direkt von der Straße weg engagiert haben soll…

Ein Meisterwerk!

Eine Rezension von Christopher Michels
(16. Mai 2009)
    Der dritte Mann bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Der dritte Mann GB 1949
(The Third Man)
Regie Carol Reed Drehbuch Orson Welles, Graham Greene, Alexander Korda
Produktion Arthaus Kamera Robert Krasker
Darsteller Joseph Cotten, Orson Welles, Trevor Howard, Alida Valli, Paul Hörbiger, Erich Ponto, Ernst Deutsch
Länge 100 Minuten FSK ab 12
Filmmusik Anton Karas
Kommentare zu dieser Kritik

Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum 
 
 
www.jeichi.com | CD-Kritiken | www.filmempfehlung.com
Eingetragen bei Business-Katalog.com | Versicherungsvergleich | Der Webvideo Markt | Sony PMW-EX3 Verleih
Online Steuerberatung