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Der Koloss

Der Koloss

Ein Film von Bert I. Gordon

Mr. BIG is back in town! Jawollja, erneut widmet sich MannbeisstFilm bzw. ich halt dem günstigen Regisseur, Autoren und Spezialeffektmacher des ohnehin schon günstigen Monsterfilmes der 50er Jahre in Amerika. Bert I. Gordon, zuletzt hier prominent vertreten mit „Die Rache der schwarzen Spinne“ wird nun mit einer Doppelkritik „geehrt“, hat er doch zwei Filme gedreht, die inhaltlich quasi (das „quasi“ wird in der zweiten Kritik näher erläutert) zusammenhängen: 1957 drehte Mr. BIG (das ist wirklich sein Spitzname, aber die drei Buchstaben machen tatsächlich Sinn) seinen vielleicht größten Hit und möglicherweise besten Film: „The amazing colossal Man“ aka „Der Koloss“ entstand in der Produktion der AIP und beschäftigt sich mit einem der Lieblingsthemen Gordons: eines oder mehrere Lebewesen werden grotesk klein bzw. groß. Dass das ganze ein umgekehrtes Rip-Off des Jack Arnold Klassikers „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ ist – geschenkt.

Mitte der 50er Jahre hat das US-Militär wahrlich großes vor: man will eine neuartige Plutonium-Bombe zünden. Um einen Atomkrieg zu simulieren, bringt man in unmittelbarer Umgebung Soldaten in Gräben unter (was könnte da schon schiefgehen, fragt sich der geneigte Zuschauer). Natürlich geht etwas schief: die Explosion verzögert sich aufgrund der unbekannten Kettenreaktion im Inneren der Bombe, und zu allem Übel stürzt auch noch ein Passagierflugzeug auf dem Gelände ab (!), was Lieutenant Glenn Manning dazu veranlasst, trotz der scharfen Bombe nach Überlebenden zu suchen (!!). Es kommt wie es kommen muss: die Bombe explodiert, Manning wird schwerst verbrannt und höchster Strahlung ausgesetzt. Doch wenige Tage später sind seine Verbrennung wie von Wunderhand geheilt – allerdings wächst Manning immer weiter. Die Wissenschaftler um Dr. Linstrom suchen nach einem Gegenmittel – denn ihnen läuft die Zeit davon...

Eieiei, wo fängt man da jetzt an?

Eins vorweg: wir ihr sicherlich gesehen habt, hat „Die Rache der schwarzen Spinne“ einen Stern mehr bekommen. Das liegt zum einen daran, dass der Film unterhaltsamer ist, zum anderen aber auch an der sehr schönen DVD-Veröffentlichung. Die hat „Der Koloss“ nicht, so dass der Film für sich bestehen muss. Bert I. Gordon versteht sich selbst als Multitalent und Experte für Spezialeffekte. Bei dem vorliegenden Film wird allerdings deutlich, dass Gordon das alles zwar „kann“, aber eben nur in einem Rahmen, der selbst den anzulegenden Maßstab eines billigen B-Movies der 50er Jahre nicht befriedigen kann. Prinzipiell übernimmt Gordon hier drei verschiedene Jobs: er ist Regisseur, er hat das Drehbuch (mit-)geschrieben und er zeigt sich für die Spezialeffekte verantwortlich. Und in allen drei Aspekten kracht der Film an allen Ecken und Enden, so dass mit dem Teil nicht wirklich Freude aufkommen will. Und jetzt das „verblüffende“: so ungenießbar und öde wie sein Nachfolger „Gigant des Grauens“ ist der Streifen trotz einer um 10 Minuten längeren Laufzeit dann doch nicht.

Wie so viele Bert I. Gordon Filme hat „Der Koloss“ wirklich eine starke Anfangsszene. Die Spannung des Atombombentests ist wirklich greifbar, das Warten auf die unvermeidliche Explosion, untermalt von regelmäßigen Pieptönen der Zündung, kann wirklich faszinieren und hier schon eine tolle Atmosphäre aufbauen. Als dann letztlich Manning der Explosion ausgesetzt wird, zeigt der Film sein „schönstes“ Bild: in einer Art Staubsturm verbrennt Manning in drei Stufen. Gordon weiß genau, wie gut dieser Effekt aussieht und zeigt ihn sowohl hier als auch im Nachfolger mehrere Male. Einzig das Flugzeug wirkt in dieser Szene völlig deplaziert. Es wird nie geklärt, wer das flog, warum es in die gesperrte Zone eindrang, etc.; ein unnötig mysteriöser Plotpoint, der auf recht komplizierte Weise nur dazu dient, Manning in die Gefahrenzone zu bringen. Leider kann der Rest des Films natürlich nicht mit diesem starken Beginn mithalten, aber das ist man ja von Gordon bereits gewohnt.

Über weite Strecken bleibt der Film nämlich überraschend zurückhalten und konzentriert sich wie der große Vorbild-Film von Jack Arnold vor allem auf die psychologische Seite des Riesenwuchses. Wir sehen etliche Szenen, in denen Manning versucht, mit den Konsequenzen seiner Mutation zurecht zu kommen; seine Verlobte versucht ihn zu unterstützen; sein enormer Körper muss mit Nahrung versorgt werden; die Wissenschaftler suchen fieberhaft nach einer Möglichkeit, Manning zu helfen. Die Idee, die psychischen Auswirkungen dieses Ereignisses zu untersuchen, ist natürlich prinzipiell lobenswert – Riesenmonsterfilme die Städte zerstören gibt es ja wirklich wie Sand am Meer. Nur leider kann Gordons Drehbuch hier nicht immer überzeugen. Sicherlich, anschaubar bleibt die Story, nur wurde mir nicht wirklich klar, warum Manning so zynisch und schließlich wahnsinnig wird. Es wird zwar einiges angedeutet, aber wirklich ausgearbeitet wird davon nichts. Dazu leistet sich das Script blödsinnigen Technobabble (dass das Herz aus nur einer Zelle besteht, hat wohl auch in den 50ern niemand geglaubt), aber auch ein paar herrlich naive Szenen. Da will man Manning – der inzwischen 20 Meter groß ist – eine Spritze setzen. Also konstruiert man eine riesige Spritze inklusive vergrößerter Füllstandsanzeige sowie riesigen Löchern um die Finger durchzustecken (ihr wisst schon: halt einfach eine vergrößerte Version einer alten Spritze, die allerdings von normal gewachsenen Menschen benutzt wird).

Die Szene mündet dann auch in dem lustigsten Moment des Films, als Manning deutlich erregt die Spritze entfernt, und einen armen Offizier damit aufspießt. Wie diese Szene ist der ganze Film bei seinen Spezialeffekten (ausgenommen der Anfang) auf äußerst bedenklichem Niveau. Prinzipiell bestehen die Effekte aus Splitscreens und eingefügten Objekten – wenn nur Manning zu sehen ist, kann die Illusion dank halbwegs maßstabgerechten Möbelstücken (z.B.) meistens überzeugen. Muss der Koloss allerdings mit seiner Umgebung interagieren, zeigt sich Gordons Unzulänglichkeit auf diesem Gebiet. Wie so oft gilt: er hat das Prinzip verstanden, es hakt allerdings an der technisch sauberen Umsetzung. Das führt dazu, dass Manning in solchen Szenen halb durchsichtig erscheint, die Perspektive nicht stimmt, eingefügte Bildelemente (so beispielsweise der verkleinerte Elefant im Käfig) äußerst munter wackeln, und wenn der Koloss im großen Finale letztlich den Staudamm hinunterfällt, bricht die Effektarbeit völlig in sich zusammen: scheinbar wurde Darsteller Glenn Langan über einen Stuhl drapiert, fotografiert, und dieses Foto als stocksteifes Element in das Bild des Staudamms einkopiert – was das spektakuläre Finale des Films soll, endet in einem visuellen Disaster.

Es bleibt: „Der Koloss“ ist einer der Filme Gordons, die zumindest halbwegs unterhalten können. Die Idee und Umsetzung können prinzipiell interessant sein, es gibt einige schöne Szenen (wie gesagt: die Spritze ist das ungewollte Highlight), aber leider knirscht der Film an allen Ecken und Enden, so dass er nicht über eine Wertung von drei Sternen hinauskommt. Oh, und sonderlich „amazing“ ist diese traurige Gestalt dann ganz besonders nicht.

Eine Rezension von David Kugler
(10. August 2012)
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Daten zum Film
Der Koloss USA 1957
(The amazing colossal Man)
Regie Bert I. Gordon Drehbuch Mark Hanna, Bert I. Gordon
Produktion Malibu Productions Kamera Joseph F. Biroc
Darsteller Glenn Langan, Cathy Downs, William Hudson, Larry Thor
Länge ca. 77 Minuten FSK 12
Filmmusik Albert Glasser
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